Do you speak podengo ?

Dieser Artikel entstand im September 2012 als erster unserer vierteiligen Podengo-Trilogie, die wir überarbeitet als kleines Booklet Lets speak Podengo! herausgegeben haben – unser erstes Buch übrigens! Wir wünschen Euch gute Unterhaltung beim Lesen von Straßenhund Milows erstem Text in diesem Blog und die Links zu den anderen drei Teilen findet Ihr unter dran!

GutelauneeinohrhundEin Liebeslied!

Milow ist der beste Hund der Welt, wie alle Hunde, die bei mir leben und gelebt haben!

Milow geht nicht Gassi wie andere Hunde. Milow geht raus, um sich auf die Suche nach Fressbarem zu begeben. Ständig in Fluchtbereitschaft und ständig in Angst davor, dass ihm weh getan wird.

Milow ist ein Straßenhund – Milow geht containern!

Hunde haben eben nicht die Angewohnheit, hinterher zu fegen, nachdem sie Mülltonnen umgeworfen und leergefressen haben. Hungrige Straßenhunde schon gar nicht! Mülltonnen umzuschmeißen macht Krach und viel Gescheppere. Menschen wissen diesen Krach nicht zu schätzen und den eingesauten Hof schon gar nicht. Und Menschen wissen sich zu wehren gegen diese Gewohnheiten der Straßenhunde. Sie wissen es sehr gut, Steine zu schmeißen auf die Hunde oder andere hart Dinge, die weh tun, wenn sie einen treffen. Menschen haben Gewehre und Pistolen, die noch mehr weh tun und auch tot machen können. Menschen stellen Fallen auf und fangen die Hunde ein – um sie dann einzusperren, zu prügeln oder auch zu töten. All dieses weiß der Straßenhund. Irgendwann hat es über viele Schmerzen hinweg einfach gelernt: Menschen tun mir weh, wenn ich fressen will, weil ich einfach nur unerträglichen Hunger habe.

Milow PodengoFressen auf der Straße oder auf fremden Höfen ist für den Straßenhund immer mit Gefahren verbunden. Gefahren für Leib und Leben. Hunger und Fressen werden immer mit Obacht, allerhöchster Vorsicht und auch Angst verknüpft sein. Wer zwei Jahre auf der Straße gelebt hat und vielleicht auch dort aufgewachsen ist, der ist für sein Leben hiervon geprägt. Hunger ist verbunden mit Losgehen und Fressbares suchen, mit Laufen und immer vorsichtig sein. Also wird bei der Aufforderung zum Gassi oder Ähnlichem immer der Impuls mittackern: wir gehen jetzt was zu Fressen suchen. Und auf der Straße wird man auch nie satt, in der Regel jedenfalls nicht. Man muss immer und jede Gelegenheit nutzen, etwas in den Magen zu bekommen. Der winzigste Krümel auf dem Weg wird im Moment zum Wichtigsten im Leben, quasi zur Überlebensstrategie. Man weiß nie, wann die nächste Gelegenheit kommt, wieder zu fressen und etwas in den Magen zu bekommen. Morgen könnte man verhungern. Und zum Überleben muss man sich immer wieder den Gefahren auf den Höfen der Menschen aussetzten. Man lernt vorsichtig zu sein und plötzlichen Geräuschen zu misstrauen.

Der verschenkte HundWie lange wird ein Hund nach so langer Zeit ewigen Kohldampfes brauchen, bis im Kopf ankommt, dass es jeden Abend zuhause satt und anständig zu Fressen gibt. Wie lange wird es dauern, bis der Hunger am Tage erträglich wird und das tägliche Ausgehen oder Ausfahren nicht nur mit der Suche nach Fressbarem verbunden wird. Wann wird ein ehemaliger Straßenhund mal entspannt durch die Gegend ziehen und den Gerüchen von Artgenossen nachgehen – ohne die andauernde Ablenkung durch den Geruch von irgendetwas Fressbarem in der Nähe. Und ohne die den Hunger ständig begleitende Angst vor Schmerzen. Ohne den ewigen Gedanken an Flucht, weil Hunger mit Fressen verbunden ist, und Fressen mit Angst und Gefahr.

Ich wünsche es meinem Milow sehr!

Gut, die ein paar Monate, die er jetzt in unserer Wohlstandgesellschaft lebt, können noch nicht viel bewegen. Und die Straße mit den ganzen Erinnerungen und Prägungen wird ihn wohl ein ganzes hoffentlich sehr langes Leben begleiten. Ich möchte ihm mit der Zeit diese Angst nehmen können, in den nächsten Tagen zu verhungern, wenn nicht jedem Moment nach Fressen Ausschau gehalten wird. Ich freue mich auf den ersten Tag auf der Hundewiese, wo er nicht nach einer Weile spielen mit anderen Hunden wieder umschaltet auf Futtersuche. Den Tag an dem er – wenn auch hungrig und mit Kohldampf – einfach weiß, dass es abends wie immer etwas zu fressen gibt. Und das völlig selbstverständlich, reichlich und ausgewogen! Den Tag, an dem Draußen-Sein für ihn nicht gleichzeitig ständige Gefahr und andauernde Ausschau nach Fluchtmöglichkeiten bedeutet. Den Tag, an dem wir gemeinsam unsere Nase in Mauselöcher stecken und es gar nicht schlimm ist, wenn wir sie nicht erwischen – weil es einfach Gaudi macht, so was zusammen zu tun – und weil es einfach nur saugut riecht, dieses Mauseloch, das wir gemeinsam etwas größer gebuddelt haben. Zuhause gibt’s eh zu essen.! Wir haben uns doch nur etwas Appetit geholt – ganz entspannt mit viel Spass. Auf diesen Tag freuen ich mich – ganz doll! – für mich und erst recht für Milow den ollen Portugiesischen Podengo.

Foto0560Vieles ist besser geworden in den letzten 6 Wochen. Jetzt wo ich dieses schreibe, erinnere ich mich an das erste Ausgehen mit Milow. Es war seltsam und irgendwie anders als mit allen anderen Hunden, die bisher ihr Leben oder einen Teil davon mit mir verbrachten. Gut, alle Hunde sind verschieden, jeder ist anders. Aber mit Milow auszugehen, das war auf eine andere Art anders, die ich schwer beschreiben kann. Da war nicht nur das Fehlen jeglicher Erziehung und Menschenbindung – da war einerseits ein unglaublicher Freiheitsdrang – andererseits diese ständige Obacht und Fluchtbereitschaft, die ich nicht verstehen konnte – und an der ich heute noch zu knacken habe. Ich wüsste so gerne mehr über ihn – über seine Lebensgeschichte und seine Erlebnisse. Aber wer merkt sich schon die Erlebnisse eines Straßenhundes und schreibt das dann noch auf? Einiges hat er mir dann ja doch erzählt, wie ihr lesen konntet – und damit können wir beide dann auch leben. Wir sind auf dem Weg und ich bin eben auch kein Hund – ich stamme nur von Affen ab und brauche deshalb des öfteren etwas länger, um zu verstehen. Zeit ist heute unser bester Freund – unser allerbester Freund. Gut Ding will Weile haben sagt ein altes Sprichwort. Und in einem noch langen Hundeleben haben wir drei Dinge reichlich: Fressen, Zeit und die Weile, jederzeit zu fressen!

Milow-HoseIch bin ein Glückpilz, weil Milow den Weg zu mir gefunden hat. Und die kleine Luna ist auch ein Glückspilz, weil sich beide mögen und sich gerade in diesem Moment im Schlafzimmer wieder eine Kissenburg bauen. Und Milow? Weil ich es mir so sehr wünsche: Milow ist der größte Glückspilz von uns allen, denn er hat jetzt ein zuhause! Und er hat uns!

Danke Milow, dass es dich gibt und, daß du jetzt in diesem Moment hier bist! … Danke!

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Teil II:  Milow und der Müll

Teil III: Milow und die Straße

Teil IV: Milow und sein neues Zuhause

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!