Anaconda

(für Frau Ponzelmeier)

  

Als Tiffany mal gerade ein gutes Jahr alt war, da hatte sie knapp einen Kampf mit einer riesigen Schlange überlebt. Die Anaconda griff sie völlig überraschend und hinterhältig aus dem hohen Gras am Rande eines tiefen Sees an. Wir waren gemeinsam mit unserer Freundin Leika im dunklen Moorwald unterwegs, fern jeglicher menschenbewohnter Siedlungen. Nur ihrem unglaublichen Mut und ihrer legendären Tapferkeit war es zu verdanken, dass sie den Kampf trotz schwerer Verletzungen gewann und überlebte. Tiffany kehrte stolz an der Seite ihrer Freundin Leika und ihres Frauchens nach Hause zurück. Ihr Ruf als mutige Kämpferin und Schlangenbesiegerin ging in die Geschichte unseres Hauses ein. Noch viele Jahre und ein ganzes Hundeleben, durften wir uns damit schmücken, an der Seite solch eines Hundes leben zu dürfen. Tiffany erlag im Alter von 14 Jahren den späteren Folgen ihrer Verletzungen. Die Geschichte wurde zur Legende und die Legende lebt weiter in unseren Herzen Auf ihr Grab haben wir einem Baum gepflanzt. Einen großen Baum, wie ihn nur Helden verdienen!!

 

Und alle, die Tiffany kannten, werden darauf bestehen, dass es auch ganz genau so war! Erzählt euren Hunden jeden Abend die Geschichte von dem todesmutigen Kampf eines jungem Hundemädchens mit einer Riesenschlange. Erzählt, dass Mut und Tapferkeit Werte sind, für die es sich zu kämpfen lohnt. Den Mut, so zu sein, wie  man ist und auch so zu handeln. Die Tapferkeit, dann auch zu dem zu stehen, was man gesagt oder getan hat. Tiffany hat es uns allen vorgemacht, unerschrocken und unverbogen! Erzählt es nicht nur euren Hunden, erzählt es auch euren Kindern. Erzählt es einfach!

 

Neuere Forschungen gehen davon aus, dass die Anaconda in Wirklichkeit nur eine kleine Kreuzotter war, die Tiffany im hohen Gras überraschend biss. Böse Stimmen unterstellen sogar, Tiffany habe vor Schmerzen gequiekt und sei völlig verängstigt gewesen. Das ist natürlich alles falsch!

 

Aber es gibt noch eine andere Geschichte aus Tiffanys Leben, die oft mit der Legende von großem Kampf verwechselt wird. Nur der Vollständigkeit halber und um weiteren Irritationen vorzubeugen, soll auch diese Geschichte erzählt werden, die auf ein völlig belangloses Ereignis in ihrem langen Leben zurückgeht.

 

Es passierte eines Tages am Altwarmbüchener See. Wir waren zu dritt mit dem Fahrrad wie jeden Morgen unterwegs. Tiffany und Leika rannten irgendwo in der Nähe am Rande einer großen ungemähten Wiese herum. Es war morgens um 6.00 Uhr und der See gehörte uns völlig alleine! Die beiden stöberten Seite an Seite einfach so rum, pressten ihre dicken Nasen gemeinsam auf jeden Mäusefußabdruck und hatten einfach nur Spaß daran, Hunde zu sein. Tiffany schreckte plötzlich auf und kam völlig verstört angerannt. Irgendetwas hatte ihr weh getan. Aber da ich keine Verletzungen finden konnte und das Mädchen sich schnell wieder beruhigte, setzten wir unsere Abenteuerreise nach einer kleinen Weile wieder fort.

 

Wieder Zuhause angekommen – es war ein Wochenende – machten wir es uns nach dem Frühstück wie so oft auf dem Sofa gemütlich und dösten einfach so in den Tag hinein. Tiffany schlief ein! Seltsam war das und plötzlich bemerkte ich an ihrer rechte Kopfseite eine golfballgroße Beule – wie ein Insektenstich, halt nur größer. Der sofort alarmierte Hundedoktor wohnte nur ein paar Häuser weiter und kam sofort. Ganz eindeutig wurde Tiffany von einer Kreuzotter gebissen. Das sei gar nicht so schlimm meinte der Doktor und mit Hilfe verschiedener Arzneien sah mein Mädchen nach zwei Tagen auch wieder so aus, wie ich sie kannte – beulenfrei! Alles war wieder gut.

 

Alles war wieder gut, bis auf Tiffanys Kondition. Sie hatte auf einmal einfach keine Puste mehr, wie wir hier so sagen. Beim Radfahren blieb sie oft zurück, konnte mit ihrer Freundin Leika nicht mehr mithalten und war am Ziel angekommen völlig fix und fertig. Weitere Arztbesuche ergaben, dass ihre Lunge randvoll mit  Wasser sei und, dass dieses auf ein Problem mit dem Herzen zurückzuführen sei. Durch den Schlangenbiss wurden wahrscheinlich Keime eingeschleust, die bei ihr zu einer Entzündung des Herzmuskels führten. Spezialärzte für Hundeherzen und unzählige Besuche dort folgten und nach langer Zeit hatte Tiffany auch diesen Teufel besiegt. Sie wurde wieder fit und gesund – nur eine klitzekleine Sache blieb zurück: Eine Herzklappe schloss nicht mehr richtig und deshalb musste sie den Rest ihres  Lebens Arzneien zur Stärkung ihres Herzens nehmen. Gott sei Dank gab es in dieser Welt diese Arzneien und Tiffany konnte damit dann ja auch 14 Jahre alt werden und unser Leben unendlich bereichern. Sie starb letztendlich dann doch an ihrer Herzschwäche, denn sie vertrug im Alter ihre Medizin nicht mehr! Tiffany starb eines natürlichen Todes in unseren Bett, mitten in  der Nacht, in unseren Armen und zwischen unseren Pfoten, Seite an Seite mit ihrem Herrchen, mir und Luna!

 

Wir erzählen die Legende von Tiffanys Kampf mit der Anaconda gerne – sehr gerne sogar! Viel lieber als die andere Geschichte. Ganz einfach, weil sie viel wahrer ist als die andere. Und vor allem, weil solch ein toller Hund auch eine tolle Geschichte verdient hat.

 

Jeder tolle Hund hat eine tolle Geschichte verdient – und jeder Hund ist ein toller Hund. Jedenfalls die Hunde, die ich bisher kennen durfte waren alle tolle Hunde. Manche waren die besten Hunde der Welt. Tiffany war eine davon!

Tiffi 2

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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