over the rainbow

Mit etwas Tränen in den Augen möchte ich Euch allen eine Geschichte erzählen. Es passierte einige Wochen nach dem Tod meiner Tiffany, so Anfang November vorletzten Jahres. Seitdem weiß ich, das es Größeres gibt als das Irdische und, das der Tod nur eine Grenze oder besser ein Horizont ist, über den man geht.

 

Ich hatte Zeit meines Lebens nie Gründe oder die Gelegenheit, mich mit dem Tod und der Frage, was danach kommt, zu beschäftigen. Wenn geliebte Wesen starben, dann waren sie halt weg aus meinem Leben und ich musste damit irgendwie klarkommen. Fragen, wie es den Verstorbenen geht, wo sie hingegangen sind oder, ob es irgendwann mal ein Wiedersehen gibt, haben mich nie bewusst beschäftigt.

Ich trauerte immer noch sehr um meine Hündin, ich musste oft noch weinen und mich quälten unendliche Selbstvorwürfe. So viele Dinge, die ich hätte anders machen wollen. So viele Dinge, die auf einmal nicht mehr gingen, nur weil ich sie zu Tiffanys Lebzeiten immer rausgeschoben hatte.

 

An diesem einen Morgen im November, ich war beim Bettenmachen, hatte ich auf einmal den alten Evergreen „somewhere over the rainbow“ in der alten Version von Judy Garland im Kopf. Die Melodie ging nicht mehr weg aus meinem Kopf und ich wunderte mich sehr darüber. Ich bin überhaupt kein Fan von Evergreens und ich wusste bis dato allerhöchstens, das es dieses Lied irgendwo auf der Welt gibt – den Zauberer von Oz habe ich niemals gesehen. Ich fange an, die Melodie zu summen und dann auf einmal fällt mir auf, dass ich fast den ganzen Text kenne, was ich sehr seltsam fand.

 

Das Lied und die Melodie begleiten mich noch einige Tage. An einem dieser Tage lese ich in alten Hundezeitschriften. Ich weiß gar nicht, warum ich dieses tue – es ist fast so, als wenn ich nach irgendetwas suche, was mit Tiffany oder den Erinnerungen an sie zu tun hat. Mir fällt eine Buchrezension ins Auge: Es werden Bücher zum Themenkreis „Trauer um einen Hund/Verlust eines Hundes“ besprochen und vorgeschlagen. Eines trägt dich Titel „Abschied für länger“, was mich sehr anspricht!

 

Zwei Tage später halte ich dieses Buch in den Händen und schlage es spontan irgendwo so in der Mitte auf. Ich habe dort die Geschichte von der Regenbogenbrücke vor Augen. Eine Geschichte aus dem amerikanischen Raum. Eine Geschichte, die wahrscheinlich viele kennen, die hier jetzt lesen … vor allem die, die auch schon um verstorbene Tiere getrauert haben. Mich haut das in diesem Moment um und ich bin begeistert – muss weinen und lachen zugleich.

Ungefähr zwei Wochen später kommt die Interpretation von „somewhere over the rainbow“ des Hawaiianers Israel Kamakawodo Ole in die deutschen Charts und wird überall und am laufenden Meter im Radio gedudelt. Schon wieder wundere ich mich nur noch und ich werde das Gefühl nicht mehr los, dass das alles nicht einfach nur so passiert. Ich fange an, mich mit dem Text des Liedes zu beschäftigen. Das es darin im wesentlichen um eine schönere Welt jenseits unserer Vorstellungskraft geht überrascht mich dann gar nicht mehr. Ist Tiffany in dieser Welt angekommen? Ist sie wieder fit und gesund – genauso wie in der Geschichte von der Regenbogenbrücke? Ich fange an, die Botschaft zu verstehen.

 

Iz soll mich mit seinem Lied „over the rainbow“ noch lange Monate und bis zum heutigen Tag begleiten. Irgendwann nach dem Tod meines geliebten Mannes bewege ich mich wieder zaghaft im Internet, vor allem, weil mich so viele Fragen beschäftigten. Irgendwann recherchierte ich auch nach der Lebensgeschichte von Iz. Und wieder sollte mich etwas schlichtweg umhauen: „over the rainbow“ wurde von ihm 1997 in Tiffanys Geburtsmonat geschrieben  und erstmals öffentlich im hawaiianischen Rundfunk gespielt.

Ich habe niemals seine CD mit Israels und Judys Musik gekauft. Bis zum heutigen Tag genieße ich die Momente, wenn ich sein „over the rainbow“ irgendwo ganz zufällig höre. Manchmal aus vorbeifahrenden Autos – und diese Momente sind immer ganz besondere Momente. Und ich halte an dem Glauben fest, dass Tiffany mir heute wie damals damit sagen möchte, dass es ihr gut geht und das sie jetzt in einer besseren und schöneren Welt ist. In einer Welt, die  Israel und Judy in ihren Liedern besungen haben.

Manchmal kommen die Melodie und der Text kommen einfach so in meinen Kopf, ohne Grund und ohne ersichtlichen Anstoß. Oft ist das so, wenn es mir besonders schlecht geht und dann ist es so, als wenn dieses Lied eine Brücke zu meinen Liebsten ist. Und wie ein Stab, an dem ich mich immer wieder aufrichten kann.

 

Heute liegen der Liedertext und die Geschichte von der Regenbrücke nicht nur in meinem Herzen, sonders in einer Truhe, die neben meinen ganzen Hundebüchern ganz vorne im Regal steht. Das ist Tiffanys Truhe mit all den Dingen, die sie in dieser Welt zurückgelassen hat und die alle noch heute eine Bedeutung haben. So stand es auch in dem Buch „Abschied für länger“, so sollte ich das machen und so ist es auch geschehen!

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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