do you speak podengo? (vol.4)

(Das neue Leben eines Straßenhundes – endlich zu Hause)

  

GutelauneeinohrhundMein Hund ist schlauer als ich! Milow trickst mich aus und ich könnte vor Stolz darüber platzen. Herr von Podengo hat kapiert, dass es mir nicht gefällt, wenn er auf der Straße andauernd mit gesenkter Nase containert und nichts anderes als Futtersuche im Kopf hat. Immer, wenn er etwas Fressbares sieht oder in die Nase bekommt, gehen wir ganz schnell weiter oder einfach in eine andere Richtung. Keine Chance für ihn, irgendetwas Fressbares auf der Straße zu ergattern. Ich habe ihn immer im Auge und kriege alles mit, was er macht. Das weiß der Halunke ganz genau und lässt es deshalb sein! Dachte ich!

 

Jetzt neulich ist er dahinter gekommen, dass er nur das Bein anheben muss, damit ich stehen bleibe. Das mache ich sowieso immer, wäre ja auch fies, wenn nicht, denn der Kerl kann ja nicht im Laufen Pullern. Nur, dass er jetzt auch stehen bleibt und das Bein hebt, wenn vor seiner Nase etwas Leckeres auf dem Boden liegt. Er tut so, als wenn er Pipi macht und frisst ganz schnell und mal eben den alten Schokoriegelrest oder ähnliches weg. Ich stehe daneben und frage mich ganz ehrlich, wie lange er mich schon so vorführt. So ein schlauer Hund ist dieser Blödmann! Ich bin echt stolz auf ihn!

 

Dabei sind unsere täglichen Abenteuerreisen und Gassigänge so unendlich viel entspannter geworden. Wir beide haben uns in den letzten Monaten sehr gut kennen gelernt und wissen ganz genau, was wir aneinander haben – glaube ich jedenfalls! Was zählt schon das bisschen Verfressenheit. Jeder sollte ein Hobby haben! Man müsse auch Eigenarten haben, würde Milow jetzt sagen – das sei so, wenn man eine Persönlichkeit ist. Und recht hat er, finde ich!

 

Wenn wir abends spät nach Hause kommen, freue ich mich immer wieder darüber, wie toll Milow gelernt hat: nach dem Ableinen saust er die Treppe rauf, guckt schnell in der Küche nach, ob mir vor dem Losgehen was Fressbares runtergefallen war, flitzt anschließend ins Wohnzimmer, um sich direkt vor seinen heiligen Fressplatz zu setzen und geduldig auf den gefüllten Napf zu warten. Jedes mal das gleiche und immer wieder toll. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt mal wieder ein altes Sprichwort. Ich habe viel gelernt in den letzten drei Monaten – und der Milow noch sehr viel mehr.

 

Nach dem Fressen geht’s aber noch weiter, denn da ist ja noch Lunas Näpfchen. Mein kleines Frollein frisst sehr nöselig und lässt sich ausgesprochen viel Zeit – sie ist im Gegensatz zum Halunken eher eine Genießerin! Milow weiß das und setzt sich im angemessenen Abstand daneben und wartet, bis auch Luna satt ist – und was hierbei ein angemessener Abstand ist und wann sie satt ist, hängt sehr von Lunas Launen ab. Ist der Weg erst mal frei, dann ist es Milows Aufgabe, alle danebengefallenen Krümel aufzusammeln und den leeren Napf abzuputzen. Das kann er richtig gut und ich weiß inzwischen, dass Luna ihm diesen Job vermittelt hat, damit ihr Fressplatz immer schön sauber ist. Hauptsache, der Kerl ist beschäftigt und nervt nicht, flüstert das Mädel mir gerade zu!

 

Luna liegt dann längst neben mir auf dem Sofa, wo ich zumeist noch mit den Resten meines Abendbrotes beschäftigt bin. Hier ist dann Milows nächste Station. Links ein Hund, rechts ein Hund und in der Mitte ein Menschlein, welches die Reste seiner Stullen häppchenweise nach hier und nach da verteilt. Tolle Aufgabe, die ich da habe! Aber genauso geht unser abendliches Essritual, auf das ich größten Wert lege – und ich staune immer wieder, dass es mit dem Milow inzwischen so toll klappt. Beide haben ihre Hälse teleskopartig herausgeschraubt, sehen aus wie kleine Giraffen und besonders Milow starrt wie hypnotisiert auf meine Hände während ihn kleine Tröpfchen aus der Schnute kleckern. Vor zwei Monaten  wäre er mir noch ruckzuck quer über den Schoß gesprungen und mit meiner Stulle im Schlafzimmer unterm Bett verschwunden. Woher ich das weiß? Na ratet doch mal – das Leben besteht aus Erfahrungen und Hoffnungen – in diesem Fall mehr aus Erfahrungen! Ich bin stolz auf meinen Milow. Ich auch, sagt Luna, und wenn er in diesen Momenten nicht immer so unter der Zunge schwitzen würde, wäre es perfekt. Wir beide sind superstolz auf unseren Jungen.

 

Ich glaube, kein Mensch kann sich wirklich vorstellen, welche Hirnleistung dieser Hund vollbracht hat, um das zu werden, was er heute ist: Ein menschen- und hundefreundlicher superangenehmer Zeitgenosse mit ein paar Schrullen, die ihn für uns Mädels nur noch sympathischer machen. Ein klasse Kumpel, der so ganz nebenbei noch ein toller Beschützer ist – bei späten Gassigängen im Dunklen genauso wie auf dem Hundeplatz, wenn Luna mal wieder von größeren Rüden bedrängt wird. Heute kein Problem mehr, denn Milow klärt das jedes mal souverän – für seine kleine Schwester.

 

Luna und Milow sind überhaupt ein klasse Team geworden. Nur bei Mauselöchern gibt es ab und an mal Streit, denn die sind zu schmal für zwei Hundenasen gleichzeitig. Ansonsten bringen die beiden sich gegenseitig so dermaßen viel bei – mehr als ich es je gekonnt hätte. Milow guckt sich sehr viel Verhalten bei Luna ab. Sitzen an der Bordsteinkante zum Beispiel ist viel leichter einzusehen, wenn die Kleine das vormacht. Und für Luna ist der Milow ein laufender Sprachkurs mit Spaßfaktor. Wer die ersten drei Jahre seines Lebens im Keller verbrachte und nie Kontakt zu anderen Hunden hatte, weiß auch nicht, wie Hunde miteinander umgehen. Klar hat Luna in den letzten Jahren schon viel gelernt und erfahren, aber erst durch Milow und seine tolle unverfälschte Art, die Sprache der Hunde zu sprechen, ist sie so richtig aus sich rausgekommen. Neulich auf der Hundewiese hat sie ihn sogar zum Spielen aufgefordert – im Alter von sechs Jahren das erste mal. Das war so unglaublich – mir standen vor Freude die Tränen in den Augen. Danke Milow – auch von Luna! Ich bin stolz auf euch beide. Superstolz!

 

Der ehemalige Straßenhund ohne Namen ist in unserer Welt voller Regeln und Bestimmungen tatsächlich angekommen. Eine warme Bude und ein gefüllter Fressnapf gehören genauso wie sein Name mitlerweile ganz selbstverständlich zu seinem Leben. Er hat viele Freunde gefunden, vor allem in Hundekreisen. Insbesondere seine Kloppekumpel Eddi und Joey soll ich erwähnen – das musste ich ihm versprechen! Ein Tag auf der Hundewiese ohne diese beiden ist kein guter Tag. Sogar Aufgaben hat Milow übernommen: vor allem die Sicherheit von Haus und Hof liegen ihm am Herzen. Luna kann sich bei Streitigkeiten jederzeit auf die Unterstützung ihres großen Bruders verlassen. Das alles ging so viel schneller, als ich vor zwei Monaten auch nur annähernd geahnt habe. Klar sind da noch ein paar Eigenheiten geblieben – aber ein Hund ohne Macken ist wie eine Tasse ohne Henkel!

 

Mit diesem vierten Teil schließe ich  die Reihe „do you speak podengo?“ mit einer kleinen Träne im Auge ab. Das Quartet ist voll und auf meiner Liste stehen nur noch Dinge, die ich schon mehr als einmal erzählt habe. Natürlich werde ich noch weiter berichten vom tollsten und besten Hund der Welt: von unseren Abenteuerreisen und von unseren Erlebnissen – von Milow, von Luna und von allen anderen tollsten Hunden der Welt, die mir die Zeit ihres Lebens geschenkt hatten. Hier werden noch sehr viele Berichte und Erzählungen über uns und unsere kleine Welt erscheinen. Der Milow ist jetzt ein Teil davon, untrennbar verwachsen mit mir und Luna! Der Straßenhund ist kein Straßenhund mehr. Wir werden ihn niemals wieder so nennen, denn diese Zeiten sind ein für alle mal vorbei!

 

Mein Essen in der Mikrowelle ist inzwischen wieder kalt geworden. Der Besitzer der beiden großen gelben Augen, die im Moment vor meiner Nase auftauchen, wirkt etwas gelangweilt und das Mädel mit den hübschen braunen Augen daneben muss mal schnell Pipi. Was ist ein voller Magen gegen einen tollen Spaziergang bei Sonnenschein, sagt Luna. Kannst das Essen ja einpacken und mitnehmen, stimmt Milow überraschend zu. Ich halte das für eine gute Idee und in spätestens zehn Minuten werden wir loszischen. Vielleicht sind Eddi und Joey ja auch da, blitzt es in Milows Augen kurz auf. Sicher, sage ich, bei diesem schönen Wetter bestimmt!

 

Jetzt muss ich mich beeilen, bevor die Sonne wieder weg ist – versprochen ist versprochen, sonst gibt’s Mecker!

 

Euch allen ein riesengroßes Dankeschön für Eure Geduld mit meiner Art zu Schreiben und für Euer Interesse an Milows großer Reise! Seid eingeladen, hier bei uns weiterzulesen! Wer es bis hierher geschafft hat, muss ein netter Mensch sein, und für nette Menschen haben wir in unserer kleinen Welt immer ein Plätzchen frei. Wenn ihr mögt, dann begleitet uns noch ein kleines Stück auf unserem Weg – wir haben noch viel vor und es gibt noch viel zu erleben. Wir alle drei würden uns sehr drüber freuen – seid uns jederzeit herzlich willkommen!

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Teil I:   Milow geht Containern!

Teil II:  Milow und der Müll

Teil III: Milow und die Straße