Neues vom Grüffelow

Dieses ist die Geschichte darüber, wie der Milow für die Luna eines Tages zum Grüffelow wurde und darüber, wie das mit dem Milow bei uns so weitergegangen ist.

 

‚Dabei gibt’s ihn doch gar nicht, den Grüffelo!’

 

Klein Luna halt sich toll entwickelt im letzten halben Jahr. Das ist noch gar nicht so lange her, da forderte sie doch tatsächlich einen anderen Hund auf unserer Hundewiese zum Spielen und Herumtollen auf. Dieser andere Hund war der Milow  und der staunte zuerst gar nicht schlecht. Wie? So schien er zu fragen, heute mal nicht kläffendes Hundedenkmal spielen? Aber die Überraschung dauerte nicht lange an beim ihm und schwups waren sie dabei, gemeinsam über den Platz zu flitzen. Der Milow ist für alles zu haben, vor allem, wenn es mit anderen Hunden und Spielen zu tun hat. Und Luna? – Klein Luna machte einen Quantensprung in Ihrer Entwicklung, einfach deshalb, weil der Milow jetzt da ist und nicht locker gelassen hat! Wie oft hat er sich gemüht, mit Luna ins Spielen zu kommen und sich dafür nur eine fiese Ohrfeige auf Hundeart eingefangen. Wie oft hat er sich schmollend zurückgezogen und es nach einer Weile wieder versucht! Toll, wie der Halunke das macht und wie er mit der Kleinen umgeht! Heute ist es fast schon üblich, das Luna von sich aus den Milow erst mal über den Platz scheucht, wenn wir dort angekommen durch das Tor gehen. Manchmal auch zum Leidwesen des Halunken, der lieber erst mal seine Kontrollrunde am Zaun rund um den Platz drehen würde, bevor er sich um anderes kümmern möchte.

 

Ich solle den Ball mal flacher halten, wäre doch alles nur eine Frage der Zeit gewesen, brummt da hinter einer vor sich her .. und mein kleines Mädchen versucht sich anzukuscheln an ihrem großen Bruder, ihrem Grüffelow. Auch die Kleinen können nämlich groß sein, wenn sie einen starken Beschützer an ihrer Seite haben! Mein Mädchen spielt manchmal sogar mit anderen Hunden, wenn der Milow den Anfang macht. Oft fordert er seine kleine Schwester auch zum Mitmachen auf, wenn sie wieder alleine inmitten der anderen Hunde auf dem Platz rumsteht und den Sprung über den Zaun in ihrem Kopf alleine nicht schafft. Mit einem Beschützer und Freund an der Seite kann man so was viel besser und braucht auch keine Angst mehr zu haben, von anderen und größeren einfach über den Haufen gerannt zu werden. Ein eigener Grüffelow klärt so was im nu, und stellt sich des öfteren auch mal souverän und begrenzend dazwischen, wenn andere Rüden sein Mädchen zu sehr bedrängen.

 

Und mal wieder bin so stolz auf meine beiden, dass ich platzen könnte!

 

Lunas Grüffelow ist sowieso ein toller Hund geworden, bis auf manchmal. Er ist ein Hund, der immer alles gebrauchen kann, meistens für seinen Magen, aber manchmal auch nur so zum kaputtmachen. Im letzten halben Jahr habe ich mir angewöhnt, alles hoch oder weg zu stellen, was ich noch etwas länger behalten möchte, bis auf einige wenige Sachen. Meine Kerzenständer mit den Kerzen drin gehörten bis vor kurzem dazu. Mitlerweile weiß ich, dass unser Grüffelo notfalls auch mit Kerzen vorlieb nimmt, wenn nichts anderes mehr da ist – nicht nur zum Spielen, sondern auch für seinen Magen. Der Halunke hat vor einigen Tagen fünf Kerzen komplett aufgefressen und ihm ist noch nicht einmal schlecht geworden davon. Am nächsten Morgen hat das Wachs seinen Körper leicht formverändert einfach wieder verlassen. Wahrscheinlich besitzt der auch gar keinen Magen, eher einen kleinen Atommeiler, oder so! Der golfballgroßen Kugel aus Alufolie erging es neulich nicht anders als den Kerzen. Ich hatte sie zu spät gesehen oder der Milow zu früh. Schwupps war das Ding im Hund verschwunden und ein Tag voller Sorgen folgte. Ich denke jeder andere Hund wäre krank geworden, hätte Schmerzen und Durchfall ertragen müssen und wäre letztendlich von irgendeinem Tierarzt aufgeschlitzt worden. Nicht so bei Milow: das Ding fiel am nächsten Tag einfach wieder aus ihm raus, leicht verändert aber vollständig erhalten! – so what?. Dieser Hund ist eine Maschine, jedenfalls, was Fressen & Co. betrifft. Ein toller Hund!

 

Grundsätzlich braucht der Milow nicht mehr für seinen eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, denn dafür hat er mich adoptiert und das hat er auch schon einigermaßen verstanden. Sehr viel hat er von Luna gelernt, denn immer wenn Luna aufspringt, dann gibt’s auch was zu kriegen – wenn nicht, dann gibt’s auch nichts! Die Kleine bringt ihrem Grüffelow sozusagen bei, wie die Chefin  des Futters funktioniert. Andererseits könne ich von ihm aber auch nicht erwarten, das er seine Selbständigkeit aufgäbe, hat er mir neulich mal gesteckt. Genau diese würden wir ja so toll an ihm finden und dann müsse man ab und an auch mal Zeichen setzen, dass man immer noch der Alte sei!

 

Und das mit der Diät wäre sowieso kompletter Unsinn, aber drei Kilo zuviel sind nun mal drei Kilo zuviel, und die müssen wieder weg – da bin ich beinhart, denn ordentlich Mecker haben wir gekriegt von unserer Tierärztin. Das käme davon, dass ich mich immer beliebt machen müsse mit den ganzen Leckerchen und ausbaden dürfen es dann im nachhinein die Hunde – und das darf ich mir nun jeden Abend anhören! Da bräuchte ich mich auch nicht zu wundern, das man sein leibliches Wohl wieder selber in die Hand nehme, wenigstens etwas.

 

Aber auch Grüffelows sind nicht immer nur stark und brauchen auch selber ab und an mal Hilfe von Kleineren. Ein kleiner Streit mit einer Bekannten um einen doofen Ball endete recht schmerzhaft, als diese Bekannte mit einem Kampfgewicht von 60 Kilo ausrutschte und mit vollem Karacho auf dem Milow landet. Das tat ihm so sehr weh, dass er noch Minuten danach vor Schmerzen schreiend Schutz bei mir suchte. Er konnte überhaupt nicht verstehen, wieso ihm jetzt ein anderer Hund weh tun würde, das kannte er nicht – waren es bisher doch immer nur die Menschen! Dieses Ereignis wirkt bis heute nach, denn der Milow ist im Umgang mit anderen Hunden wesentlich resevierter geworden, vor allem bei großen und dunklen Hunden. Auch seine Träume sind seitdem wieder wesentlich mehr von Angst geprägt, fast so wie in den ersten Wochen bei uns. Aber an diesem Tag durfte ich für meinen kleinen Mann das Grüffelo sein – was ich als große Ehre empfand, denn es war nicht immer so, dass der Milow bei einem Menschen Schutz sucht! Er ist nicht weggelaufen, sondern zu mir gekommen, und das macht mich stolz wie Bolle!

 

Morgen geht der Milow das erste mal mit uns ohne Leine in den Wald, denn es wird Zeit, die alten Geschirre abzulegen. Wir sind ein tolles Team geworden – hier in unserer kleinen Wohnung, auf der Wiese und in unserem Moorwald!

 

Denn es gibt ihn doch, den Grüffelow! … wenn nicht hier, dann anderswo …


Grüffelow

… ein klitzekleines bisschen in Anspielung an ein tolles und berühmtes Kinderbuch. Ein kleines Lehrstück über Furcht und Tapferkeit und über das Glück der Kleinen, die ganz groß rauskommen, wenn sie durch einen Beschützer stark werden … mit der Kraft ihrer Phantasie: ‚The Gruffalo’, von Julia Donaldson, illustriert von Axel Scheffler, Macmillan Children’s Books, London, 1999.

aus „Mistköter und Seelenhunde“ von Severine Martens,
Manuela Kinzel Verlag, Dessau/Göppingen,
ISBN 978-3-95544-005-3,
9,90 Euro.
Ab Dezember 2013 im Buchhandel, Vorbestellungen über den Verlag möglich!
© Severine Martens und Manuela Kinzel Verlag