Der kleine Unterschied …?

Mein kleines Mädchen, das übrigens ein Hund ist und Luna heißt, kann von allen Dingen, die sie kann, eines am besten: Schmusen! Am allerliebsten in Tateinheit mit Schlafen, direkt nach den Mahlzeiten oder nach einer ausgiebigen Abenteuerreise. Wäre es möglich, würde sie auch alles gleichzeitig machen – wirklich alles: Schmusen, Schlafen, Essen, Ausgehen und Spielen! Geht aber nicht, stellt Luna verschlafen fest, es sei denn ich würde sie zum Pipimachen raustragen, aufwecken und mal kurz absetzen. Es kam allerdings schon vor, dass sie auf der Hundewiese auf meinem Schoß eingeschlafen ist, während alle anderen um uns herum spielten und herumtollten – bis auf manche Zweibeiner, die augenscheinlich auch im Stehen schlafen können.

Mein großer Junge, übrigens auch ein Hund, kann alles nur hintereinander weg machen. Alles hätte seine Zeit, erklärte er mir neulich. Es gäbe Momente zum Schmusen und solche zum Schlafen, aber niemals gleichzeitig. Schmusen sei gut zur Entspannung, wenn man satt ist, um sich danach in Ruhe zum Schlafen abzulegen – in Ruhe wohlbemerkt. Auch Ausgehen hat seine eigenen Zeiten, zum Beispiel wenn man ausgeschlafen hat. Nur zum Essen und Containern sei immer Zeit, wenn was da ist jedenfalls, theoretisch! Auch Raufen und sich mit Kumpels kloppen sei gut, um müde zu werden, Schlafen könne man dann ja hinterher. Ein richtiger Kerl schmust auch nicht, wenn er ohne Schmusen einschlafen kann – also ohne fremde Hilfe! Seine Kumpels würden das auch so sagen, meint der Halunke jedenfalls.

Milow macht alles richtig und mit Hingabe, wenn er was macht. Er mag keine halben Sachen! Wenn er denn ausnahmsweise mal zum Schmusen zu mir kommt, dann ist es ihm auch egal, wer alles sonst noch da ist. Er kommt in der Regel angeflogen und wirft sich mit Schwung halb auf mich drauf – völlig egal, wer oder was sich noch auf mir befindet! Ich habe mich dran gewöhnt und Luna sich auch, denn so nach zehn Minuten hat der Kerl aufgetankt und verzieht sich irgendwohin, um einem seiner anderen Hobbies nachzugehen – meistens Schlafen oder Containern. In diesen Momenten erinnert Luna sich dann daran, dass sie ein Körbchen besitzt und wartet einfach ab, bis ich wieder zur Verfügung stehe! Wie gesagt, Milow macht keine halben Sachen und wir haben uns daran gewöhnt.

Luna ist anders als Milow – nicht nur, weil sie ein Mädchen ist, oder weil sie einfach nur viel kleiner ist! Nein, Luna ist einfach ein höflicher Hund und fragt immer erst, ob sie darf, bevor sie etwas macht. Nach all den Jahren sitzt sie immer noch vor mir und ihre Augen fragen ‚darf ich’, bevor meine Augen sagen ‚du darfst!’ – und schwupps habe ich wieder einen warmen Schoß.

Milow schläft im Bett am Fußende und Luna am Kopfende unter der Bettdecke. Das klappt prima, nachdem der Halunke sich eine kleine Schmuseeinheit abgeholt hat und die abendliche Diskussion über die Grenze zwischen Fußende und Kopfende erledigt ist. Die Kleine schläft zwischen meinen Armen ein und Milow kann von Fußende aus seine Futtertonne im Blick behalten – besser ist besser, denn auch Essen will seine Zeit haben und nicht verpasst werden! Der Kerl meckert immer mit mir, wenn ich nachts zu sehr rumzappel und verschwindet auch mal im Wohnzimmer, wo er sich dann wieder seine Kissenburg auf dem Sofa baut. Luna wandert immer mit, wenn ich mich umdrehe: ich hebe dabei vollautomatisch die Bettdecke etwas an, Luna klettert über mich rüber und wir schlafen wieder ein! Das klappt prima, denn wir haben ja schon ein paar Jahre Übung damit.

Morgens, wenn ich aufwache, steht Milow schon vor der Tür und macht sich Sorgen, das die Reihenfolge durcheinander kommen könnte: Rausgehen, Fressen und wieder Schlafen gehen. Luna währenddessen scheint zu dieser Zeit noch von einem Frühstück im Bett zu träumen. Wenn ich dann zur Arbeit gehe, fragen Lunas Augen, wie lange noch bis Freitag sei und der Milow kriegt kaum mit, dass ich gehe, weil er schon wieder pennt. Luna sorgt sich, ob ich wiederkomme und Milow ist froh, seine Ruhe zu haben! Allerdings ist Milow der erste, der mich begrüßt, wenn ich wieder nach Hause komme. Luna hingegen wartet gerne, bis ich zur Ruhe gekommen bin und macht dann ein entspanntes Nickerchen auf ihrem Lieblingsplatz – auf mir drauf!

Sie passen schon gut zusammen meine beiden Liebsten und wir haben es gut getroffen! Wir wissen eben, was wir aneinander haben und können es uns gar nicht mehr anders vorstellen. Jedem seine Eigenarten, höre ich die beiden grad mal wieder brummeln, die nächste Geschichte würden sie über mich und meine Schrullen schreiben – dann könne ich mal sehen, wer von uns hier Eigenarten habe. Um dieses abzuwenden, komme ich nun zum Ende: man gut, dass wir alle so verschieden sind, sonst wüssten wir gar nicht, worüber wir den ganzen Tag reden sollten. Der Milow ist schon eingeschlafen und ich schleppe mich mit Luna jetzt auch in Richtung Bett – die Heizung ist auch schon aus und es ist wieder spät geworden heute Nacht!

Wölfchen like Milow

aus „Mistköter und Seelenhunde“ von Severine Martens,
Manuela Kinzel Verlag, Dessau/Göppingen,
ISBN 978-3-95544-005-3,
9,90 Euro.
Ab Dezember 2013 im Buchhandel, Vorbestellungen über den Verlag möglich!
© Severine Martens und Manuela Kinzel Verlag

4 Gedanken zu “Der kleine Unterschied …?

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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