popoloch! schnapp dich doch!

Der Milow ist ja der Meinung, dass die Luna mich viel zu sehr verwöhnt habe und er das nun alles ausbaden müsse. Nur, weil sie so dahinter her wäre, mir alles recht zu machen, müsse er nun auch so sein – das wäre ungerecht! Außerdem würde er immer als der ungezogene Halunke da stehen und sie als die kleine Prinzessin. Das ginge so nicht mehr weiter und es sei an der Zeit, endlich mal Klartext zu sprechen!

 

Recht hat er! Das müssen Luna und ich mit etwas schlechtem Gewissen zugeben. Man höre ja so einiges und vor allem auf dem Hundeplatz werde so manches erzählt – von früher, als die Tiffany noch da war. Die hatte wohl ab und an mal so aus dem Nähkästchen geplaudert: von Bettbezügen, Knöpfen und Katzenklos!

 

Luna verschwindet vorsichtshalber schon mal im Schlafzimmer unter der Bettdecke und ich muss zugeben, dass es mit der Kleinen damals wirklich nicht einfach war. Wer braucht schon Bettbezüge zum Zuknöpfen, außer Luna? Jedes Knöpfchen hat sie abgeknabbert und in kleinste Einzelteile zerlegt – nicht ohne eine gewisse chirurgische Begabung. Die danach angeschaffte Bettwäsche mit Reißverschlüssen war für sie zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer kleinen Weile hatte sie auch dieses Prinzip verstanden – schon faszinierend, was so ein kleiner Hund für eine Energie aufbringen kann, wenn er erst mal einen Plan hat.

 

Milow hat recht – was sind da im Vergleich schon diverse Bücher und Zeitschriften – ganz normaler Schwund ist das dagegen! Und auch die Sache mit meinem Handy: ich wollte doch sowieso ein Neues kaufen und deshalb könne ich seine Unterstützung diesbezüglich ruhig mal anerkennen. Außerdem hätte es ziemlich schlecht geschmeckt! Meine neue Angewohnheit, alle guten und interessanten Sachen hoch- oder wegzustellen, wenn ich die Wohnung verlasse, findet er allerdings ziemlich übertrieben und demütigend. Wenigstens eine kleine Kerze könne ich mal wieder für ihn auf dem Tisch stehen lassen – die seien nämlich lecker, findet er!

 

Es sei ja auch nicht von ungefähr, dass Luna heute noch den Spitznamen ‚Pütterine’ hätte, und wie er neulich so gehört hat, stand für sie früher wohl auch ein Katzenklo im Badezimmer. Voll peinlich sei das, und einem Hund nicht würdig. Er würde niemals in der Wohnung pinkeln – nicht ins Katzenklo und auch nicht ans Bücherregal. Der Rocky und die Tiffany hätten damals ja ganz schön was auszuhalten gehabt mit der Kleinen, glaubt der Halunke zu wissen, und tatsächlich: es war wirklich nicht immer leicht mit der Kleinen. Aber im Alter von drei Jahren noch umzudenken und es besser zu finden, seine Geschäftchen draußen zu machen, anstatt auf dem Teppich, ist eine riesige Leistung – finden wir jedenfalls!

Heute ist dieses zum Glück nur noch eine Geschichte aus der Vergangenheit und mein Mann wollte zu dieser Zeit sowieso alle Teppiche rausnehmen und Holzfußböden verlegen.

 

Trotzdem findet der Milow das alles viel schlimmer, als die paar Freiheiten, die er für sich in Anspruch nimmt. Wenn auf der Straße leckere Sachen rumliegen, dann dürfe man die auch aufessen – und wer ihm das dann wegnehmen will, der sei doof und dürfe auch geschnappt werden. Schnappen sei sowieso eine gute Methode, um klarzustellen, dass einem gerade etwas nicht passt! Völlig egal, ob beim Ausgehen gerade die Leine mal nervt, ob man sich beim Schlafen gestört fühlt  oder, ob einem gerade irgendetwas anderes nicht so in den Kram passt. Meine andauernde Meckerei deshalb würde ihm so ziemlich auf den Keks gehen und ich solle mir mal vor Augen halten, was die liebe Luna sich alles schon so geleistet hätte! Seine Kumpels auf der Wiese würden das auch so sehen und ich solle mich nicht so anstellen: er könne ja auch nichts dafür, dass ich nur ein Mensch sei!

 

Neulich hätte Luna sogar zugegeben, dass auch sie früher nur an der Leine raus durfte. Soll die also gar nicht so tun, als wenn sie was besseres wäre. Schade, dass er mit der Tiffany nicht mehr reden könne, die würde bestimmt so einiges erzählen können! Und tatsächlich, ich gebe es nicht gerne zu, wird die liebe Luna zu einer fiesen Ziege, wenn sie angeleint ist und andere Hunde in Sichtweite kommen – egal, ob es bekannte oder fremde Kollegen sind. Manchmal sei das fast so, als wenn sie ein zweites Gesicht hätte, meint der Milow und findet es dann doch ganz gut, dass die Luna meistens ohne Leine mit uns geht.

 

Er brauche eben noch etwas Zeit, um sich an das Zusammenleben mit uns zu gewöhnen und ich solle mir doch mal überlegen, wie es mir an seiner Stelle gehen würde. Es sei nicht leicht, die Verantwortung für sein Leben in die Hände anderer zu legen – schon gar nicht in die von Menschen –  vor allem, wenn man fast sein ganzes Leben auf sich alleine gestellt war! Er wolle ja auch gar nicht schlecht über Luna reden, aber die sei ja auch viel älter und hätte schon viel mehr Zeit gehabt, sich an mich zu gewöhnen. Ich solle lieber mal die ganzen Dinge sehen, die er schon gelernt habe – dann könnten wir uns auch mal gegenseitig auf die Schultern klopfen! Manchmal würde ihm auch schon etwas weniger Meckern völlig ausreichen. Irgendwann würde er alles auch so toll können, wie die Prinzessin und bis dahin bittet er mich doch um etwas mehr Zeit und Geduld. Sein Schnappen sei ja auch nie böse gemeint, sondern seine einzige Möglichkeit, auf seine Bedrängnis aufmerksam zu machen und sich etwas mehr Freiraum zu verschaffen – jedenfalls ginge es ihm um nichts anderes.

 

Ziemlich müde geworden, finden wir es aber gut, mal drüber gesprochen zu haben, und werden so langsam in unserem Bettchen verschwinden! Aber trotz allem Verständnis für den tollsten Hund der Welt: Schnappen mit Wehtun ist trotzdem doof und wir werden uns doch etwas mehr anstrengen müssen, hier eine Lösung zu finden!

Luna und Milow - Frühling

aus „Mistköter und Seelenhunde“ von Severine Martens,
Manuela Kinzel Verlag, Dessau/Göppingen,
ISBN 978-3-95544-005-3,
9,90 Euro.
Ab Dezember 2013 im Buchhandel, Vorbestellungen über den Verlag möglich!
© Severine Martens und Manuela Kinzel Verlag

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