Hundeerziehung mit Meckern

Ich soll ein Buch schreiben! Jedenfalls sagt mein Hund das und er meint es dabei nicht nett mit mir. Milow sagt: schreibe ein Buch über Deine ganz persönliche Art, mit Hunden umzugehen und nenne es „Hundeerziehung mit Meckern“! Klein Luna stimmt ihm zu, denn klein Luna stimmt Milow immer zu – jedenfalls wenn es um mich und meine Launen geht. Klein Luna findet diese Idee auch richtig gut! Ich würde ja sowieso immer nur rumquaken und nie könnte man mir es recht machen. Endlich würde mir einer mal richtig die Meinung sagen, höre ich sie noch denken. Manchmal wäre ich sogar richtig unausstehlich – sagen beide. Ziemlich oft sogar. Das macht mich nachdenklich!

Andere Menschen hätten wenigstens für Ihre Hunde immer ordentlich zu Essen mit dabei – da würde sich ein Besuch auf der Hundewiese richtig lohnen! Diese beneidenswerten Hunde wüssten wenigstens, warum man sich in den seltsamsten Situationen hinsetzen soll oder total langsam an der Leine neben unsereins herschleichen muss. Da würde sich Gehorsam noch lohnen, höre ich immer wieder von beiden. Es könne doch nicht sein, dass Hunde sich nur benehmen müssen, damit ihre zweibeinigen Begleiter nicht andauernd emotional entgleisen. Gehorsam sein, nur um seine Ruhe zu haben und sonst nix. So könne es nicht weitergehen! Auf gar keinen Fall!

Ich soll jetzt dieses Buch schreiben oder wenigstens einen kleinen Text dazu. Und dann soll ich mal sehen, wie andere Hundemenschen mir die Ohren lang ziehen und den Kopf waschen. Dann würde ich schon sehen, wie ungerecht und gemein meine Einstellung zur Hundeerziehung sei.

Milows Einstellung zum Essen ist sowieso sehr speziell. Wenn es nach Milow ginge, würde er den ganzen Tag essen und nur noch rausgehen, um das alte Essen von gestern wegzubringen und Platz für neues zu schaffen. Für etwas Fressbares würde er alles tun, sagt er, und ich glaube es ihm ohne jeden Zweifel. Allerdings geht auch nichts anderes mehr in seinen Kopf rein, wenn er Fressbares in oder vor der Nase hat. Er reißt sich den Hintern auf, um möglichst schnell an möglichst viel heranzukommen und, wenn alles auf ist, dann gibt’s nur noch ein langes Gesicht – sonst nix! Aus dem braven Hund von vorher wird ruckzuck ein bettelndes Hundchen – aus dem soeben noch brav befolgten „Sitz“ wird ein dauerhafter Sitzstreik mit hungrigem Blick auf meine Hände!

Ich bin doch kein Futterautomat, sage ich – und Milow antwortet: doch das bist Du! Wir würden doch nicht zum Fressen auf den Hundeplatz gehen, wende ich ein und Milow kontert stets mit der Frage: warum denn sonst? Aber Diskussionen mit mir hätten ja keinen Zweck, und bevor ich mich wieder aufrege und mit dem Meckern anfange liegt dann meistens auch noch ein paar Mal „Platz“ machen oder das Befolgen artverwandter Kommandos drin. Ich hätte sowie keine Ahnung von Hunden und die Hoffnung auf ein paar Leckerchen zwischendurch gäbe er sowieso bald auf. Hauptsache, ich würde mich nicht wieder aufregen und unausstehlich werden. Wenigsten würde zu Hause dann ja ein voller Napf auf ihn warten – Essen ohne irgendwelche seltsamen Kunststücke, die man erst vorführen muss. Das hätte ja auch was, lenkt Milow meistens ein und macht dabei auf mich meistens einen recht zufriedenen Eindruck.

Ich werde dieses Buch nicht schreiben, denn das haben genug andere schon getan. Gestern las ich in genau solch einem Buch, dass die Menschen in Deutschland jährlich mehr Geld für Hundeleckerchen ausgeben als für Babynahrung – das sollte jeden nachdenklich machen! Im gleichen Buch stand – und ich erinnere mich selber noch an diese Zeiten -, dass vor gut zwanzig Jahren ein einziges Hundefutterprodukt auf dem Markt war, welches sich als schnelles Leckerli eignete. Und heute? – na das wisst ihr ja selber!

Es gäbe aber auch andere Bücher, die das ständige Füttern von Hunden mit kleinen Häppchen rund um die Uhr fordern, behauptet Milow. Das stimmt sogar, sage ich – aber die stammen doch fast alle von ein und demselben Menschen der in jedem Buch immer wieder ein und dasselbe schreibt. Diesen Menschen, der auch im Fernsehen ganz viele Hunde ganz doll versteht und darüber richtig lustig erzählen kann, mag Milow sehr gerne. Er sei ein großer Fan von ihm und möchte in Zukunft keine Folge von ihm mehr verpassen. Wenigstens in der Glotze sei die Welt noch eine heile Welt – wenigstens da!

Aber vorher gehen wir noch schnell raus – Pipi machen und rummeckern! Luna muss ich wohl erst wecken gehen – die konnte mein Geschwätz nicht mehr ertragen und hatte sich schon hingelegt. Milow steht schon kopfschüttelnd an der Tür. Ich solle mich beeilen und die Leckerchen nicht vergessen, höre ich ihn noch mit einem allerletzten Funken Hoffnung sagen bevor es mal wieder mit leeren Händen los geht