Knautschi, Schnaufi und die Knutschkugeln

Milow fühlt sich wohl in Deutschland und auch Klein Luna findet ihn mitlerweile richtig toll. Viele Leute hat er kennen gelernt und auch dolle Kumpels gefunden, sagte er mir neulich. Ein dolles Land sei das hier, viel besser als früher! Vor allem auf der Hundewiese. Am besten seien die, mit denen man sich so richtig toll kloppen kann, ohne Mecker!

Nur manchmal sind da seltsame Typen auf der Wiese, Luna habe das ja schon immer gesagt und ihn auch gewarnt. Hunde, denen beim Trinken das Gesicht über die Augen fällt sind schon seltsame Zeitgenossen, finden beide. Aber Knautschi ist ein tolles Mädchen, wenn auch etwas schwer zu verstehen, weil sie auf der Wiese ihren Schwanz nie dabei hat und man ihr Gesicht so selten sieht. Luna ist ja der Meinung, dass die viel zu viel sabbert, vor allem beim Rennen und Toben. Milow stört das nicht die Bohne, denn die rennt und tobt wenigstens – der Sabber falle schon von alleine ab, sagt er!

Aber es gibt noch viel seltsamere Gestalten auf unserer Wiese, finde ich. Ohja, Schnaufi zum Beispiel, sagt Milow, der sei schon toll! Man muß nur seine zweibeinigen Begleiter ignorieren, die sich andauernd über ihn lustig machen und ihn auslachen! Schnaufi darf nie rennen, weil diese Angst haben, dass er ohnmächtig wird und umfällt. Schon schlecht, wenn man keine Nase hat, oder nur eine ganz kleine. Aber es geht noch und man könne mit Schnaufi ganz toll raufen und Kloppespiele machen. Der macht beim Spielen und Laufen viele Geräusche, weil die Luft so schwer durch die kleine Nase hin und hergeht. Manchmal blubbert der richtig, vor allem, wenn er sich aufregt. Seine Begleiter finden seine Atemnot lustig und manchmal sogar niedlich, während Milow und Luna gar nicht wissen, wegen was sie ihn mehr bemitleiden sollen: wegen seiner Atemnot oder wegen seiner Begleiter! Seinen Schwanz hat Schnaufi auch irgendwo mal verloren, aber das sei für ihn nicht ganz so schlimm, sagt er selber. Ist wenigstens noch ein kleines Stückchen da und sein Gesicht mit den Augen drin könne man ja auch sehen!

Ein Gesicht hätten die beiden Knutschkugeln allerdings auch – ein sehr großes sogar, fast wie ein Teller, wendet Luna gerade ein. Sie mochte die beiden noch nie so sehr, während Milow das anders sieht: Hauptsache Hund, alles andere ist doch egal, oder? Riesige Augen hätten die, so richtig toll und groß! Neulich sei sogar eins rausgefallen, weil die in den kleinen Kopf gar nicht richtig reinpassen, erzählt Luna und möchte noch schnell von der Atemnot der beiden berichten. Sei aber doch egal! Wenn man sich kaum bewegen kann, brauche man auch nicht soviel Atem. Sollen sie halt nicht rennen sagen die beiden Zweibeiner, die meistens mit auf der Wiese sind. Womit denn auch rennen, wenn man keine Beine hat, kommentiert Milow, der so langsam auch zynisch wird. Die Frage nach den Zähnen und wo diese sich aufhalten, verkneift er sich lieber, in Erwartung einer dummen Antwort.

Ob die beiden Knutschkugeln zur Wiese rollen oder immer ihre Beine einziehen, wenn sie dort ankommen? Luna kann diese Frage auch nicht wirklich beantworten, bisher wurden keine gefunden. Sie beobachte das ja nun schon einige Jahre und Milow wollte es bisher her nicht recht glauben. Den beiden geht’s aber wirklich schlecht, stellte Milow bereits bei der ersten Begegnung fest: da schleift ja der Bauch auf dem Boden und wenn die umfallen, dann können die nicht wieder aufstehen!

Ich kann Luna und Milow nicht erklären, warum viele Menschen die Gesellschaft von kranken Tieren so sehr bevorzugen, dass sie sich diese ganz gezielt aussuchen und andere Menschen bezahlen, die diese Tiere gezielt krank machen. Sie würden es nicht verstehen in ihrer freundlichen und zugewandten Art, so wie Hunde nun einmal sind! Ich weiß auch nicht, ob Hunde heutzutage kranker sind als früher – vielleicht haben nicht die Krankheiten zugenommen, sondern nur unser Wissen über sie, weil es immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen, Tests und Veröffentlichungen zu diesem Problem gibt!

Knautschi ist eine Vertreterin einer uralten chinesischen Hunderasse, ursprünglich mal für Hundekämpfe gezüchtet, wie mir ihr Herrchen oft stolz versichert. Eigentlich wollte er ja eine englische Bulldogge, aber die sei ihm zu teuer gewesen und ein Shar-Pei tat es dann zur Not halt auch. Luna findet Knautschi doof, weil die sehr aufdringlich ist und man nie genau weiß, ob die nun gute oder schlechte Laune hat. Milow ist das alles so ziemlich egal. Die kriegt gut Luft und kann deshalb super über den Platz gescheucht werden. Außerdem kann man die gut durchknautschen, ohne dass sie meckert – und das findet der Halunke einfach klasse!

Schnaufi ist eine Französische Bulldogge. Klein, kräftig und fast genauso breit wie lang. Ein klasse Hund, hätte der Mensch bei seiner ganzen Züchterei nicht die Schnauze, bzw. Nase am Hund vergessen. Unser kleiner Schnaufi hat zudem noch eine angeborene Abwehrschwäche, weshalb er regelmäßig sehr starke Tabletten einnehmen muss. Diese Pillen, die sehr teuer sind, machen so ganz nebenbei die Puste weg und den Kreislauf platt. Eigentlich sollte Schnaufi deshalb tot gemacht werden, von seinen Vorbesitzern, denen er zu teuer wurde und die keine Lust auf einen kranken Hund hatten. Deshalb hat Schnaufi es heute auch gut, weil er leben darf und weil er dann doch noch richtig Glück hatte. Und aus dem gleichen Grund sind seine neuen Leute auch gar keine Doofen, sondern allerhöchstens seltsam lustige Zeitgenossen, die Ihrem Hund durch ihre lockere Art das Leben ein Stückchen erträglicher machen.

Konnte ich ja nicht wissen, brummt Milow da hinten rum und gibt dem Schnaufi in Gedanken einen Schubs, der Kerl rede ja so wenig! Trotzdem sei es gemein, findet Luna: sich über seinen Hund lustig zu machen, das gehöre sich nicht. Gerettet hin und gerettet her, sie wäre beleidigt! Das glauben die beiden Jungs nun allzu gerne, schnaufen gemeinsam etwas, das wie ‚Weiber’ klingt und würden jetzt versuchen, sich gegenseitig umzuschubsen, während Luna sich beleidigt unter die Sitzbank zurückzieht und dort … ach, ist doch egal, Kerle sind doof!

Die Knutschkugeln sind zwei sehr moppelige Möpse. Möpse sollen früher einmal wirklich kernige und gesunde Hunde gewesen sein. Es ist noch gar nicht so lange her, so Mitte des letzten Jahrhunderts, da hatten Möpse noch richtige Hundegesichter und einen Körperbau, der sie eindeutig als Hunde auswies – sogar Schwänze hatten die! Heutzutage soll es Möpse geben, die nur noch im Sitzen schlafen können. Im Liegen würde es ihnen schlicht die Luftröhre zudrücken! Züchter verkaufen dieses gerne als reizende Eigenart dieser Rasse, wie ich neulich in einer Zeitschrift las: Es seien so tolle Hunde – die wollen einfach nichts um sich herum verpassen und hätten deshalb gar keinen Bock zu schlafen!

Kranke Menschen erschaffen kranke Tiere und solange andere kranke Menschen diese kranken und armen Seelen ‚kaufen’, wird sich da auch nicht viel dran ändern! Die Nachfrage bestimmt das Angebot und da ist es in dieser Welt völlig egal, ob es um Margarine, Dosenbier oder um Tiere geht! Wer einen Hund möchte, der immer traurig guckt, legt sich einen Basset zu. Die schweren Ohren ziehen das Gesicht nach unten und die Augen teilweise gleich mit! Hunde, die ständig unter Bindehautentzündungen leiden und mit offenen Augen schlafen müssen, sehen nicht nur traurig aus, sondern sind es auch! Wer einen großen und ganz besonders auffallenden Hund braucht, ist mit einem Mastino bestens bedient. Das waren mal Hunde, die schwerste Lasten ziehen konnten und berühmte Feldherren über Gebirgszüge begleitet haben – heute sind sie kaum noch in der Lage ihren eigenen Körper aufrecht zu halten, geschweige denn den Kopf. Äußerlich sind sie kaum noch als Hunde zu erkennen! Wer einen Hund möchte, der nicht lange lebt, sollte sich eine Deutsche Dogge aus dem Katalog bestellen. Kaum eine wird heute noch älter als sechs oder sieben Jahre – und wenn, dann für den Preis schlimmster Schmerzen, weil sie irgendwann mit ihrem Körpergewicht ihr eigenes Skelett zerquetscht haben!

Professor J. und B. Geröllheimer sind zwei Brüder, die des öfteren bei uns zu Besuch sind! Tolle Kerlchen mit richtigen ‚Papieren’ vom FCI und ständig im Einsatz als Zuchtrüden – die beiden haben einen Riesenspaß dran, welchem Kerl würde es nicht so gehen? Laut ihrer Papiere sind beide astreine Jack-Russel-Terrier: aber J’s Papa war ein Mini-Bulli und B’s ein kleiner Staff-Rüde. Eigentlich wären sie ja Mischlinge, aber unter dem Dach eines Zuchtverbandes war das nur eine Linien-Auffrischung des zuchtbuchführenden Vereines. Toll, wo bitte brauchen nun ausgerechnet so kernige Kerlchen wie die Russels eine Auffrischung, oder Mini-Bulllis und Staffis? Die Hunde aus diesen Zwingern gehen weg wie warme Semmeln und uns bewegt die Frage, wie diese Rassen in einigen Jahrzehnten wohl aussehen werden.

Trotzdem sind die Jungs liebenwerte Hunde, möchte mir klein Luna mit einem Blick aus ihren Augen sagen und ich solle endlich mal aufhören, über andere zu schreiben. Schnaufi sei ein klasse Kumpel, soll ich noch sagen, und die Knautschi könne man ganz toll durch die Gegend schubsen – Milow legt großen Wert auf diese Feststellungen. Und tatsächlich, ich habe genug gejammert und gemeckert für heute! Alle Hunde sind klasse Hunde und keiner von denen kann etwas für sein Aussehen oder für seine Handicaps. Bei den Menschen muss man allerdings etwas genauer hinschauen, um zu sehen, wessen Geistes Kind man vor sich hat! Oft hilft dabei ein Blick auf ihre vierbeinigen Begleiter und jeder sollte sich die Frage gefallen lassen, warum die Entscheidung nun gerade für diese eine Rasse oder diesen einen Hund gefallen ist.

Die Tierheime in diesem Land sind überfüllt von heimatlosen Seelen, die sich alle nur eines mit aller Kraft ihrer Sehnsucht wünschen: ein ZuHause! Welch ein krasser Gegensatz zu den immer weiter produzierten Designerhunden, die zudem so oft unter schlimmsten Handicaps leiden, nur weil der mode- und trendbewusste Mensch Wert darauf legt, sich seinen Wunschhund nach Maß aus dem Katalog aussuchen und bestellen zu können.

Hunde sollten aus dem Himmel fallen, bei allen Menschen! Liebe entsteht durch Begegnung und die erste Zuneigung, nicht durch die Anschaffung eines Produktes! Keiner braucht eine weitere sinnlose Vermehrung von Tieren, solange auch nur eines von ihnen heimatlos ist und in den Tierheimen oder auf den Straßen der Welt Not leidet – keiner! – und am wenigsten die Tiere selber!!

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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