Hundeahnungshabersprechblasen

NeNe, geht mir dieser Mensch auf den Pinsel und was raus muß, das muß auch mal raus! Nach über dreißig Jahren Zusammenleben mit Hunden bin ich bestimmt keine Diplom-Auskennerin und ich möchte das auch gar nicht sein. Aber ich bin nunmal auch nicht gerade hundedoof, denn so ein klein wenig Erfahrungen machen im Verlaufe der Jahre selbst die größten Deppen. Auch Hundehalter brauchen klare Grenzen und hier geht es um meine Grenzen, meine Nerven und um die Grenzen meiner Hunde.

Luna und Milow – so heißen meine Hunde – dürfen nicht alles, es sei denn, ich erlaube es ihnen! Dieses zu können ist mein Ziel und sollte m.E. die Basis jeglicher Hundeerziehung sein. Dieses ewige ’Die machen das unter sich aus‘ einiger Besucher auf unserem Freilauf regt mich auf und ist darüber hinaus gemeingefährlich. Ich werde in Zukunft fern bleiben, wenn ihr da seid, jawoll! Ich würde dem Milow seine seine Kommunikationsfähigkeit rauben, wenn ich ihm untersage, ständig und andauernd alle anderen anwesenden Rüden nach Herzenslust durchzurammeln. Sein neuestes Hobby übrigens, höhö und gar nicht lustig. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe damit überhaupt kein Problem und gönne ihm seinen Spaß nach Herzenlaune. Ich bin auch nicht sexuell verklemmt und liege diesbezüglich eher im gesellschaftlichen Durchschnitt. Ich möchte ihm diese nervige Dauerrammelei nur verbieten können, damit ich es im Ausnahmefall auch mal erlauben kann. Was ist daran so schwer zu erstehen?

Wenn der Eddie da ist, geht es zwischen den beiden Kloppekumpels so richtig zur Sache und in den Spielpausen wird dann auch immer mal wieder ordentlich gerammelt. Wir hätten inzwischen etliche zweifelhafte und schwule Hundepornos auf Video aufnehmen können. Die beiden haben Spaß dran, kennen sich schon eine kleine Ewigkeit und ticken diesbezüglich absolut gleich. Das Wichtigste ist für mich aber, dass Eddies Frauchen und ich es zulassen und wir beide damit einverstanden sind. Das Vertrauen in die andere Person ist doch entscheidend. Genauso, wie das Wissen, die Situation jederzeit beenden zu können (btw. beenden zu wollen!), wenn die ’Stimmung‘ dann doch mal entgleisen sollte.

Jetzt kommt Karl-Heinz ins Spiel. Der ist ein Herdendingshund und regelt alles. Und weil Herdendingshunde immer alles regeln, darf Karl-Heinz das auch – sagt sein Frauchen! In Karl-Heinz seiner kleiner Welt stehen alle anderen Hunde und Menschen möglichst gleichmäßig verteilt, regungslos und unauffällig auf der Wiese herum. Sobald etwas Bewegung ins Spiel kommt, regelt Karl-Heinz, und die gesammte Wiesenbesatzung tanzt nach seiner Pfeife. Regeln heißt in diesem Fall, daß er dazwischenstürmt, alle auseinandertreibt und dabei auch mal böse werden kann. Karl-Heinz regelt vollkommen ungeregelt – das sei toll von ihm, äußerst hundekommunikativ und völlig normal, findet sein Frauchen – und es ist nicht meine Welt!

Und nun war gestern Jungspund Nino das erste mal mit dem Milow zusammen auf der Wiese. Milow erstes Vorhaben nach dem Begrüßungsgeschnüffel: durchrammeln, durchrammeln und nochmals durchrammeln. Milow hat dieses Hobby noch nicht allzu lange und ich arbeite mit ihm zur Zeit sehr intensiv daran, dass wir damit denn auch mal aufhören, wenn ich das so möchte. So ein klein wenig können wir es auch schon, wir müssen nur noch in den Griff bekommen, daß er nicht andauernd wieder anfängt. Wie gesagt, wir arbeiten dran und im Grunde meines Herzens gönne ich ihm das intensive Training seiner Lendenmuskulatur sogar sehr.

Da hetze ich also den halben Abend hinter Milow und Nino hinterher, verfolgt von den mitlerweile genervten Blicken seiner Leute und den Kommentaren von Karl-Heinz seinem Frauchen, wonach ich eine artgerechte Kommunikation stören würde. Ich meine auch, daß die beiden ausgesprochen gut kommuniziert haben, nur alles Schöne muss auch mal ein Ende haben. Gefühlte einhundert mal habe ich meinen Hund vom anderen runtergepult, eine kleine Weile festgehalten, damit er aus seinem Tunnel rauskommt, und dann wieder losgelassen. Nino, der inzwischen auch in Stimmung gekommen war, erging es nicht viel anders. Ohja, wir waren sehr bemüht, die Sache in den Griff zu bekommen und eine gewisse Hilflosigkeit war uns bestimmt auch anzumerken.

Dann kam Karl-Heinz, der uns mal zeigen wollte, wie man sowas regelt! Karl-Heinz sein Frauchen ist eine Hundeahnungshaberin, sagte ich das schon? Also sie steht breitbeinig mitten auf dem Platz, bewegt sich kaum und kommentiert andauernd das Verhalten ihrer Hunde und die der anderen. Alles nur Kommunikation und bloß nicht eingreifen, denn das könnte dann gefährlich werden. Warum kommt die eigentlich mit und schickt die Hunde nicht alleine los? Sie kennt sich mächtig gut aus, kann ganz viele Sprechblasen und Karl-Heinz regelt es ja im Notfall – hauptsache sich selber nicht bewegen und immer recht haben, ohne Bescheid zu wissen!

Nun war da diese eine Situation: Ich hielt den Milow am Halsband fest und dem Nino erging es frauchenseitig nicht anders. Menno, wir wollten den beiden doch nur eine kleine Kommunikationspause gönnen. In dem geschaffenen Raum von höchstens einem Meter gaben sich unsere beiden Fußhupen Luna und Jule ordentlich Mühe, das Geschehen lautstark zu kommentieren. Für Karl-Heinz war das einfach zu viel Unordnung. Da stößt dieser regelwütige Fleischkloß vor – und zwar mitten rein in einen Haufen aus zwei festgehaltenen notgeilen Rüden und zwei kläffenden Kleinhunden. Eine üble Beißerei entstand nur deshalb nicht, weil ich Milow impulsiv beiseite zog und mich vor Karl-Heinz stellte! Warum eigentlich immer ich? Ist doch wahr, immer bin ich die blöde und die Geschichten meiner Hundebisse wären eigentlich mal einen Blogbeitrag wert – mit dem Titel ’Doof bleibt doof!‘ Prompt kam auch die Feststellung der Hundeahnungshaberin, wonach der Karl-Heinz nur eingegriffen hätte, weil wir Hundedoofen uns eingemischt hätten. Die ganze Situation war extrem grenzwertig und um das zu kapieren braucht es auch nicht viel Hundeverstand. Jule, ein Minidackel mit Schutzhund-Ambitionen, hätte eine klasse Beißwurst abgegeben und auch klein Luna stand in der ’kritischen‘ Zone. Frage an Karl-Heinz sein Frauchen: Hast davon irgendetwas mitbekommen? Hat sich an Dir überhaupt etwas bewegt, außer Deine Sprechmuskeln.

Du standest dann wieder da rum und doziertest ohne Ende darüber, daß Karl-Heinz ja nur regelt – war da vieleicht sogar etwas Stolz in deiner Stimme? Hattest Du mitbekommen, wie Scheiße es dem Milow danach ging? Schon wieder so eine blöde Beißerei, nachdem er die vom vorletzten Monat mit einem ca. 55 Kilo Mastino/Staff so gerade verdaut hatte. Du hast es definitiv nicht mitbekommen! Hast Du gemerkt, das Angsthund Maggy völlig eingeschüchtert über den Platz schlich? Auch Maggy verdaut gerade noch ihren letzten Erfahrungen mit zähnebenutzenden Artgenossen. Ist Dir aufgefallen, dass wir geschlossen den Platz verlassen hatten und Du alleine mit Deinen beiden Hunden zurückgeblieben bist? Du hast Dich gefragt warum? Hier die Antwort: Wir wollten den Freiraum Deiner Hunde und ihre artgerechte Kommunikation nicht weiter durch unsere nervigen Regeln einschränken. Auf die weitere Teilhabe an Deinem Hundeahnungshaben mussten wir dann leider verzichten. Wir haben es schweren Herzens in Kauf genommen – sorry dafür!

Jetzt nur noch ein letztes Glas im Stehen: Natürlich war das alles ganz anders und mit Sicherheit bin ich diejenige, die keine Ahnung hat. Meinetwegen sei das auch so! Ich stelle mich aber auch nicht regungslos auf den Hundeplatz und tu so als ob. Und ich rede anderen auch nicht in Dinge rein von denen ich keine Ahnung habe! Ich stehe lieber zu meinem bescheidenen Horizont und gehe fragen, wenn ich nicht weiter weiß! Und genau dies könntest Du mal einfach so ganz lässig als kleinen Tipp von mir mitnehmen. Und um es noch etwas deutlicher zu machen: Kriege Du doch erstmal deine eigenen Hunde in den Griff, bevor Du andere mit Deinen ungefragten Sprechblasen nervst! Wenn Du möchtest, empfehle ich Dir auch gerne einige Leute, die dazu m.E. in der Lage wären. Bis dahin nehme ich mir die Freizügigkeit, dir in netter Absicht mit Luna und Milow aus dem Weg zu gehen – sicher ist sicher!

Zwei Cent von einer, die nicht viel Ahnung hat! – Die aber in dem Bemühen, ihren Hunden in einer menschengemachten Welt ein bedarfsgerechtes Leben zu ermöglichen, gerne immer wieder dazulernt!

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s