Mistköter

Mein Name ist Milow und ich werde meistens Milow H. Lunke genannt. Ich bin eine Mischung aus portugiesischem Podengo und Mistköter, weil ich ein Podengo aus Portugal bin und gerne Mist mache. Wenn mein Frauchen Mistköter sagt, dann bin ich der beste Mistköter der Welt, und das finde ich toll! Mein Frauchen, die ich meistens einfach nur ‚Die‘ nenne, ist nicht besonders schlau und sie ist kein Hund. Aber sie gibt sich immer große Mühe und das ist in meinen Augen eine ganze Menge wert.

Ich hatte bisher kein so tolles Leben, jedenfalls wird das von vielen immer wieder behauptet. Ich sehe das etwas anders! Na klar ist es doof, auf der Straße zu leben und nie zu wissen, wann und wo es das nächste Mal was zu essen gibt. Das versteht die wohl auch – jedenfalls tut die immer so und scheibt ja auch andauernd drüber. Das gute an meinem alten Leben war, dass ich hingehen konnte, wohin ich wollte. Und wenn ich da wieder weg wollte, dann bin ich da eben wieder weg. Und wenn mir was zu blöd oder zu gefährlich wurde, dann bin ich eben abgehauen. Hat auch immer geklappt – bis auf das eine Mal, da haben sie mich geschnappt, und deshalb bin ich ja jetzt auch hier.

Milow PodengoIch krieg jetzt jeden Abend was zu essen und ich kann mir das inzwischen sogar merken und freue mich jedes mal drauf. Jeden Abend nach der Flitzewiese rückt die meine Schüssel raus und ich finde das richtig toll. Aber erstens könnte da nun wirklich etwas mehr drin sein und zweitens könnte die das Essen auch gleichmäßiger über den Tag verteilen. Am besten wäre es, wenn ich mir das selber einteilen könnte – aber die will ja alles selber bestimmen und einem noch viel mehr vorschreiben. Ich habe mich sogar ein wenig dran gewöhnt, dass ich mir draußen selber nichts besorgen darf. Ist zwar blöd, aber die wird immer sauer und dann werde ich auch sauer! Naja, soll die halt denken, dass sie recht hat – abends gibt es dann ja immer. Da kann ich mich wirklich drauf verlassen und das finde ich gut so!

Angeblich bin ich ja auch noch ein Baustellenhund, jedenfalls redete die neulich so mit einer anderen. Die stand da mit ihrem brennenden Stöckchen in der Gegend rum und hat einfach behauptet, dass sie mit mir andauernd neue Baustellen hätte. Die kann einem ja richtig leid tun, wie schwer sie es mit mir hat – angeblich! In Wirklichkeit denkt die sich doch immer nur neue Sachen aus, die ich machen soll oder nicht mehr machen darf. Könnt ihr Euch vorstellen, wie lästig das sein kann?

Milow neuIch finde ja, dass ich schon richtig viel und toll gelernt habe. Bei meinen letzten Leuten wurde ich festgebunden, wenn die sich zum Essen hingesetzt hatten – naja, waren ja auch nur neun Tage und die hatten echt nur Angst um ihre Frikadellen. Heute darf ich mit der kleinen Luna neben Frauchen liegen, wenn die am essen ist. Das klappt schon richtig toll, findet die auch! Und, wenn wir draußen spazieren gehen, bin schon gar nicht mehr so hinter alten Kaugummis, Brötchentüten und anderem Müll hinterher – meistens jedenfalls. Die hat mir einfach mal gezeigt, dass sie immer viel tollere Sachen zum Essen dabei hat, als auf der Straße rumliegen. Die krieg ich aber nur, wenn ich die anderen Sachen liegen lassen. Und ich krieg das auch immer öfters hin, glaube ich jedenfalls. Und weil das mitlerweile alles so toll klappt, brauche ich die auch gar nicht mehr zu schnappen. Sachen, die ich von der kriege, nimmt die mir nämlich nicht wieder weg. Mit dem Essen von der Straße war das anders – das wollte die immer selber haben und mir wegnehmen.

Ein Hammer war allerdings, als die damit ankam, dass ich zu klein für mein Gewicht sei und ab sofort nur noch Diät zu essen bekommen würde. Angeblich hätte die Tierärztin gemeckert, aber das hätte Frauchen auch ruhig mal aushalten können. Und wer zahlt wieder die Rechnung? Und das mit Diät essen ist auch Käse, denn ich kriege immer noch das Gleiche – es ist einfach nur weniger als vorher. Als wenn ich das nicht merken würde, ich bin doch nicht blöd! Und dann noch dieses Sportprogramm, das die sich für mich ausgedacht haben. Ich hasse dieses Fahrradfahren. Immer so langsam und schnurstracks geradeaus, das finde ich total langweilig. Die sagt ja immer, das sei gut für meinen Rücken, und angeblich hätte Frau Doktor das auch gesagt. Alles Quatsch, denn in Wirklichkeit geht es meinem Rücken saugut und er tut beim Toben und Kloppen schon lange nicht mehr so weh. Das ist schon eine ganze Weile so und hat mit dieser blöden Diät und dem Radfahren gar nichts zu tun – bestimmt nichts, da bin ich mir total sicher!

GutelauneeinohrhundEhrlich, mir geht das so richtig saugut. Vor allem, seit das Wetter wieder schöner geworden ist und wir viele Neulinge auf der Hundewiese treffen. Ich finde ja, dass diese Wiese mir gehört und, dass ich das einigen Jungs auch klipp und klar sagen sollte. Natürlich hat die da wieder was gegen und nervt ohne Ende. Angeblich hätte die damit wieder eine neue Baustelle und bla bla bla! Nix darf man hier in diesem Land und vor allem bei der nicht. Da haben andere Hunde bei anderen Leuten es tausendmal besser, aber ich darf ja nichts sagen! Das ist vieleicht auch besser so, bevor hier jemand denkt, dass es mir schlecht geht.

Ich bin ein portugiesischer Podengo mit Mistköter drin. Ich lebte in einem anderen Land auf der Straße und ich lernte, für mich selber zu sorgen. Ich wurde vor ca. einem Jahr eingefangen, sollte getötet werden und wurde gerade noch rechtzeitig gerettet. Ich wurde aufgepäppelt und nach einer Weile in dieses Land verfrachtet. Ich war bei Menschen, die mich eigentlich gar nicht wollten. Danach nochmal das Gleiche, bis ich dann hier angekommen bin. Ich wurde nie gefragt und man wollte immer nur mein Bestes. Alles, was ich an Regeln auf der Straße gelernt hatte, war über Nacht wertlos für mich geworden. Und die Regeln meiner neuen Welt waren mir unbekannt und ich konnte sie nicht verstehen. Ich war unsicher, hatte Angst – und ich klammerte mich an jeden Strohhalm!

Heute nach einem Jahr bin ich hier angekommen. Ich habe in dieser Zeit mehr gelernt, als manch ein Mensch sich vorstellen kann. Ich bin der tollste Mistköter der Welt – und ich bin es gerne!

Luna & MilowMoin Moin!

Das war mal wieder ein kleiner Text von unserem Fraule. Hat er Euch gefallen? Ja? Dann abonniert uns doch gleich via Mail. Einfach unten rechts auf das blaue Nuppsi mit dem +folgen tippsen, Mailadresse eingeben und für jeden neuen Artikel eine kurze Mail erhalten. Oder Ihr folgt uns auf Facebook oder Twitter – das geht auch.

Yeah! und schön, dass Ihr uns hier besucht habt. Wir freuen uns auf ein Wiederlesen! … Luna Luninata und der Milow H. Halunke.


Seelenhunde: Geschichten und Gedanken über die Liebe zu unseren Hunden

Severine Martens
TwentySix, 1. Auflage (15. März 2016)
ISBN 978-3-95544-005-3
19,90 Euro
Gebundene Ausgabe, 308 Seiten