Und plötzlich sind sie alt

Ein Gastbeitrag meiner Freundin Sylvia Raßloff – Alle Rechte bei der Autorin!

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Irgendwann in unserem Leben mit Tieren kommt der Tag, an dem wir unausweichlich feststellen müssen, dass unser Tier ALT ist. Lange haben wir versucht, die kleinen Zeichen zu ignorieren, die grauen Härchen um die Nase haben schließlich auch schon ganz junge Hunde… Oder täuscht das Licht?

Doch dann ganz plötzlich, fast wie über Nacht, wachen wir auf aus unserem Traum, dass alles einfach immer so bleibt, wie es ist, sehen ganz deutlich den grauen Schleier, der sich über Fell und Augen gelegt hat. Oder wir werden herausgerissen aus dieser unbeschwerten gemeinsamen Zeit, wenn unser Liebling plötzlich beim Rennen mit den Hinterbeinen wegknickt, langsamer von seiner Decke aufsteht oder auf das Rascheln der Leckerlietüte in der Küche nicht reagiert. Vielleicht werden wir uns auch erst durch den Tierarzt, der uns besorgt beiseite nimmt, der Endlichkeit des Lebens bewusst…

Spätestens dann fangen wir an, unsere Tiere ganz anders anzusehen! Liebevoll streift unser Blick über ihren Körper, wir suchen nach Bestätigungen für ihr Wohlbefinden oder auch nach Anzeichen der Krankheit, die in ihnen tobt. Sorgenvoll beobachten wir jede kleine Veränderung, jede Appetitlosigkeit macht uns Angst. Und während er da so im Garten liegt, möchten wir jeden Sonnenstrahl einladen, die müden Glieder unseres Weggefährten zu erwärmen, das Licht bitten, mit seiner unendlichen Kraft jede Faser des geliebten Körpers zu durchströmen.

Wir wählen die Wege sorgsamer als früher, die Berge weichen kleinen Hügeln. Es sind langsamere Spaziergänge, auf denen wir unseren Gedanken nachhängen – anders als früher-, ruhen unsere Augen sanft auf seinem Körper, prägen sich jede Kleinigkeit, jede Stelle ein, um sie festzuhalten, für die Zeit danach. Jede Zelle unseres Körpers ist so eng mit dem anderen verbunden, verkörpern unser gemeinsames Leben, die vielen Erlebnisse und Erinnerungen… „Immer warst du dabei!“ … und es tut schon fast weh, auch nur daran zu denken, dass der, der da neben uns geht, irgendwann nur noch im Geiste bei uns sein wird.

Wir ertappen uns dabei, dass wir ängstlich nachschauen, wenn er morgens mal nicht erwartungsvoll neben uns steht. Beruhigt stehen wir dann neben seinem Bett und beobachten das entspannte Heben und Senken der Brust eines tief schlafenden Hundes, der in letzter Zeit öfters den Wecker verpasst. Wir geben in jedes Essen, das wir von nun an bereiten, so viel Liebe mit hinein, werden wählerisch, achtsam, möchten all die guten Sachen hineingeben, die den Zeitpunkt in unendliche Ferne rücken könnten…

Immer öfters kommt es vor, dass unser geliebtes Tier mit abwesendem Blick irgendwo in einer anderen Welt zu sein scheint, als ob es schon mal dort drüben auf den grünen Wiesen schnuppert… „Komm, erzähl mir von dort, wo wir uns irgendwann wieder sehen!“ möchten wir sagen. Es braucht keine Worte mehr, wir verständigen uns über lange Blicke, in denen wir tief in den Augen des anderen versinken. Ohne zu zwinkern tauchen wir ein in einen Dialog, der so oft die unausgesprochene Frage enthält: „Was mach ich, wenn du nicht mehr hier bist?“ Und es kommt die Antwort: „Aber ich bin noch hier.“ „Aber du musst irgendwann sterben?!“ Und zurück kommt: „Wir alle müssen irgendwann sterben!“ … So gelassen, dass wir gleichzeitig lachen und heulen könnten.

Wir haben das Gefühl, dass es noch so viel zu sagen gibt und plötzlich kommt die Angst, dass die Zeit nicht reichen wird. Denn der Tod sitzt auf unserer linken Schulter und die Uhr tickt unaufhaltsam weiter, für uns, die wir mit Tieren zusammen leben und diese in der Regel auch überleben werden. Aber auch unsere eigene Uhr tickt unaufhaltsam! Wenn jemand diese unsere Uhr an die Wand hängen würde, genau da hin, wo wir sie immer sehen können, und sie würde von einem statistisch zu erwartenden Lebensalter an rückwärts ticken, dann würden wir jede Sekunde unseres Lebens plötzlich als so wertvoll erachten, wie sie ist. Wir würden nicht so viel Zeit einfach vergeuden, sondern versuchen, jeden Augenblick das Beste draus zu machen… wie unsere Tiere!

Die Zeit mit unseren alten Tieren ist etwas ganz Besonderes! Es ist eine Zeit der Erkenntnisse, die wir durch ihre unendliche Weisheit über uns und über das Leben erfahren! Wir sollten jeden gemeinsamen Tag, jede Stunde genießen, denn heute ist nicht DER Tag, also sind wir einfach dankbar und glücklich über jeden weiteren!

Foto Sylvia Raßloff

Und zum guten Schluß noch eine Leseprobe aus Sylvias Buchprojekt. Ich habe es im Herzen schon bestellt und freue mich riesig drauf:

„Wir können 1000 Hundebücher lesen, wissen alles über Erziehung und Hundeverhalten, was man tun und lassen sollte… genau bis zu dem Augenblick, wo 4 Pfoten vor uns stehen… ein paar große Augen, durch die wir direkt in das Herz eines Hundes schauen können, der einzigartig ist… Es gibt keinen Plan, denn es ist unsere Intuition, die uns führt – im Tanz zweier Individuen mit Erfahrung und Vergangenheit – hin zu einer wunderbaren Beziehung.“ Ein Buch über Hunde, das nicht von Gehorsam, sondern von Partnerschaft handelt und davon, was wir von unseren Hunden lernen können, nicht nur für uns selbst, sondern für unsere Kinder, unsere Familie und für unser ganzes Leben. „Es geht um all das, was Sie in einem „normalen“ Hundebuch vielleicht vergeblich gesucht haben; um all die Dinge, die Hunde sich von uns wünschen und brauchen und die wichtig sind, um die Beziehung zu Ihrem Hund zu vertiefen und darum, wie Sie Ihren Hund verstehen und von ihm verstanden werden … wie in jeder guten Beziehung – auch ohne Worte.“

Copyright:
Text: Sylvia Raßloff, http://www.tiere-verstehen.com
Foto: Finca Lucendum, http://www.lucendum.animals.org

6 Gedanken zu “Und plötzlich sind sie alt

  1. Guten Morgen!

    Ein wunderschöner Beitrag, der genau das erzählt, was wir in unserem Leben schon mehrmals durchmachen mussten. Wir haben zwei junge Hunde und zwei alte Herrschaften. Fenrir ist bereits 12 Jahre und unser Tückchen bereits 13 1/2 Jahre alt. Wenn sie gehen müssen, wird uns das Herz einmal mehr brechen, aber so ist leider der Lauf des Lebens.

    Nochmals vielen Dank
    LG die Heidjer

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  2. Liebe Sylvia…bei deinen Zeilen kommen mir die Tränen.Meine Bordermixhündin Buddy verstarb am 15.7.08 mit 12 Jahren an Krebs.Im August 2008 hat mir mein Sohn eine Borderhündin Namens Kira zum 50.Geburtstag geschenkt…grosse Freude!!! Muss dabei erwähnen,dass ich auch im August 2008 eine kleine Operation hatte.Nach 10 Tagen kam die schreckliche Nachricht „Krebs“ich hatte vor meine Kira wieder abzugeben,da ich ihr nicht gerecht werden konnte..große Op und Chemo.Aber meine Frauenärztin meinte,Kira würde mir dabei sehr helfen.meine Töchter gingen mit Kira zur Hundeschule,belegten mit ihr die zwei Prüfungen.Ich versuchte während der Chemo,wenn es mir mal gut ging wenigstens anwesend zu sein!Die dritte Abschlussprüfung schaffte meine Kira und Ich mit viel Spass!!! Ich bin sehr stolz auf meine Kira,die ich so viel zu verdanken habe. ❤👼❤“ Danke für dich“ Ganz liebe Grüsse Bärbel

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  3. Beim Lesen dieses Textes musste ich an meine Hündin Astra denken.
    mit 3-4j kam sie zu uns und nach 11 gemeinsamen jahren mussten wir sie gehen lassen der Krebs.
    wir wurden vom tierarzt vorgewarnt als Astras Kreuzbandriss und kurz darauf ihre Milz anfing innerlich zu Bluten. Sie konnte gerettet werden doch man sagte uns sie hat vl noch 6 monate Krebs hat sie heimgesucht.
    von dem tag an wollten wir so viel zeit wie möglich miot ihr verbringen.
    Alles noch intensiver spühren.
    doch die tage wochen monate rasten dahin.
    sie überlebte die 6 monate ihr ging es den umständen ensprechend gut selbst die Ärzte waren verwundert.
    Wir fuhren ein letztes mal im urlaub letzten oktober mit ihr.
    da spührten wir das wird das letzte mal sein das wir so eng zusammen sind.
    nach dem urlaub ging es ihr immer schneller immer schlechter.
    nach 11 1/2 monaten gegen den Krebs 1 tag vor Nikolaus hat sie verloren und unsere herzen brachen in tausende scherben 😦
    in 4 monaten ist ihr erster todes tag uns graut davor.
    Unser einziger trost ist unsere 2 hündin Vika sie wird bald 2.

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  4. Liebe Sylvia,
    Jedes deiner Worte rührt an mein Herz und spiegelt wider, was ich empfinde. Mein Hund wird auch alt und mir geht es genau so, wie du es beschreibst. Wir wissen, dass wir unsere Seelentiere irgendwann gehen lassen müssen, dass es uns das Herz zerreißen wird, aber die Zeit mit ihnen, das was sie uns schenken, was sie uns lehren – wir möchten es niemals missen. Und die Trauer nach ihrem Tod nehmen wir in Kauf und leben damit.
    In diesem Sinne wünsch ich dir eine wunderschöne Woche
    Ulrike Taubek

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  5. liebe sylvia, wie immer, wenn ich zeilen von dir über tiere lese, berühren diese mich zutiefst und meine tränen rollen, ob ich will oder nicht, mal aus freude, mal aus trauer, mal aus dem wissen heraus, daß es so ist, daß es nicht abwendbar ist und letztlich immer wunderschön ist…
    d a n k e ….

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  6. Es rührt mich sehr die vierbeiner haben Katzen und auch wenn sie 3 jahre jung sind hab ich jetzt schon angst sie zu verlieren daher liebe und Zuneigung macht uns alle Froh auch unseren Jungs Othello und Baghira geb 6.7 2010

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Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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