Kscht, Boing, ClickKlack & Quiek

Mensch Auh Backe,
sone Kacke,
jeder hat ne andere Macke!
-Nina Hagen-

Klein Luna ist anders und der Milow erst recht! Von Erziehung halten aber beide nichts, jeder auf seine ganz besondere Art. Wenigsten diesbezüglich sind sie einer Meinung. Das ist ja auch völlig normal, finde ich, denn wer wird schon gerne erzogen – Ich jedenfalls nicht!

Der Unterschied zwischen meinen beiden Süßen ist, das beide verschiedene Sachen doof finden – unterschiedlicher können Hunden eigentlich gar nicht sein und das ist sehr oft nicht leicht, jedenfalls für mich. Wenn Klein Luna sich erschreckt und Angst bekommt, dann versteckt sie sich zitternd unter dem Bett, frisst zwei Tage gar nichts und bekommt fürchterlichen Durchfall. Wenn der Halunke was nicht fressen darf, was er gerne fressen würde, dann wird er stinkesauer. Dann beisst und schnappt er um sich herum und in alles hinein, was sich in Reichweite befindet – in der Regel sind das Klein Luna, die Leinen und ich! Das ist vor allem für Luna und meine Beine sehr ungünstig!

Eigentlich habe ich damit die besten Voraussetzungen, mich mit den unterschiedlichsten Methoden der Hundeerziehung auszukennen. Und so ist das auch, wenigstens ein kleines bisschen. Ich habe nämlich viel in Büchern geschnüstert und im Internet so rumgelesen. Echt, ich kenne mich voll gut aus! Da gibt es total viele Menschen mit noch viel mehr Meinungen und Auffassungen, die in jedem Fall alles besser wissen und an den anderen meistens nichts gutes lassen. Ganz grob kann man die alle in zwei Gruppen aufteilen und zwischen denen herrscht Krieg. Ein Krieg der Meinungen und Weltanschauungen, und wir gehen nicht hin – jedenfalls eigentlich nicht! Antworten auf konkrete Anliegen und Fragen gibts selten, meistens aber unzählige Hinweise auf das, was man auf gar keinen Fall machen darf. Jeder kennt sich aus und die anderen sind doof, fies und mindestens tierschutzrelevant.

Wozu braucht diese Welt überhaupt Hundetrainer. Es ist wieder mal ein Beruf, der sich selber aus dem Boden stampft und von dem lebt, was früher mal eine Gefälligkeit unter Hundemenschen war: Der gute Rat und die Meinung des bekannten Hundemenschen auf der Wiese, der vieleicht einfach nur mehr Erfahrungen mit seinen Hunden hat. Wann ging das eigentlich los mit diesem Hundeschulen-Boom? Ich habe das gar nicht so richtig mitbekommen, irgendwie waren die auf einmal alle da. Wie Pilze aus dem Boden geschossen und alle wollen ein Stück von der Pizza abhaben. Überall gibts die mitlerweile: In der Gegend und auch weiter weg, im Internet, im Telefonbuch und im Bücherregal. Es werden immer mehr und es gelingt uns als Ottonormalhundehaltern kaum noch, an ihnen vorbei zu schauen. Sich selber auszukennen und seinem Hund ohne kostenpflichtige Hilfe selber erziehen zu können, liegt nicht gerade im Trend. Das schlechte Gewissen für den motivierten Hundemenschen ist in der modernen Hundehaltung schon eingebaut und wenn gar nichts mehr geht, dann geht immer noch der Vorwurf, steinzeitliche Methode anzuwenden. Es ist einem ja bald peinlich, keine Probleme bei der Erziehung seiner Hunde zu haben, wo leben wir denn?

Ich habe keine Ahnung, das gebe ich gerne zu. Brauche ich ja auch nicht, denn der nächste sogenannte Berufsauskenner um die Ecke wirds ja schon richten. Wie, sie besuchen keine Hundeschule? Nein, ich besuche mit Luna und Milow lieber unsere kleine Welt, die hier in Form von Wäldern und Wiesen überall rumliegt. Hier ist der Ort, wo wir lernen und wo ich mich mit viel Bauchgefühl auf jeder nach seiner eigenen Art einstellen kann. Es gibt, jedenfalls für uns, keine Patentrezepte und auch nicht die einzig allein gültige Erziehungsmethode – nicht für Menschen und schon gar nicht für Hunde.

Klein Luna ist ein kleiner Angsthase und versteckt sich den halben Tag zitternd unter dem Bett oder in ihrer Schlafhöhle, wenn mir in der Küche mal was runterfällt. Wenn ich dann noch so rumfluche und schlechte Laune habe, geht für sie ihre kleine Welt unter. Luna ist ständig bemüht, mir alles recht zu machen, lässt mich niemals aus den Augen und entfernt sich auch draußen nie weiter als fünf (oder zehn?) Meter von mir. Tut sie es doch einmal, weil der andere Hund da hinter so nett wedelt oder, weil sie sich irgendwo festgeschnuffelt hat, dann brauche ich mich nur kurz zu rüspern und sie ist wieder da. Dann kommt sie sofort angeflitzt, um sich zu vergewissern, dass die Welt noch n Ordnung ist und sie eigentlich gar nicht falsch gemacht hat.

Luna ist ein Clicker-Hund und das Klack, wie ich es nenne, bedeutet für sie, dass sie der tollste Hund der Welt ist und sie keine Angst zu haben braucht. Luna liebt dieses Klack und ich hasse dieses Clickdings, weil ich es ewig verliere. Für mein kleines Mädchen ist es eine ganz tolle Sache, weil ich so auch mal von dem Milow genervt sein kann, ohne befürchten zu müssen, dass auch sie sich angesprochen fühlt. Bis vor kurzem war genau dieses ein sehr großes Problem für uns, denn der Milow ist da anders.

Auch der Halunke ist ein Sensibelchen, aber seine Vergangenheit als Straßenhund hat ihm eine harte Schale verpasst. Wer sich immer wieder in Lebensgefahr begeben muss, um an Fressbares zu kommen, stumpft irgendwann auch ab und blendet einen großen Teil seiner Wahrnehmung einfach aus. Milow geht gerne auf Tour und alles, was ihn daran hindern könnte, wird auf „ignore“ gestellt. Ich weiss, ich darf nicht, aber ich tue es trotzdem. Andere nennen es ganz einfach: Leck mich am Arsch! Hingehaltene Leckerchen nimmt er bei Gelegenheit gerne, aber in der Regel als Ergänzung zu den Angeboten, die im Dorf und in der Natur so überall rumliegen. Click und Klack interessieren ihn nicht die Bohne, sie erreichen ihn gar nicht.

Milow ist ein Kscht-Hund und am liebsten wäre es ihm wohl, wenn ich selber ein Hund wäre. Dann könnte ich mich wenigstens anständig mitteilen, sagte er mir mal. Ich hatte mir das sehr zu Herzen genommen und seit ich von ihm einfach erwarte, dass er kommt, wenn ich ihn rufe, klappt das auch. So funktioniert das nämlich unter Hunden: wer nicht hört muß fühlen! Auf das nicht Befolgen meines Rufes folgt sofort die Warnung – und wenn auch das nicht hilft, folgt die bittere Konsequenz für ihn – in der Regel ein kleiner Stupser oder Anrempler. Diese hundliche Art, mit ihm umzugehen bewirkt tatsächlich kleine Wunder, und seit einer Weile sind wir in Feld und Flur fast nur noch im Freilauf unterwegs.

Inzwischen ist der Milow ein richtiger Hörhund geworden und nach über einem Jahr haben wir unseren Weg gefunden. Es ist einfach herrlich, freihändig mit beiden gemeinsam durch jedes Gestrüpp strolchen zu können. Immer die Gewissheit im Gepäck, das uns keiner abhanden kommt. Das ist die Freiheit, die ich meine! Diese hängt eben nicht an einer 50 Meter langen Wäscheleine mit Hochsicherheits-Windhunde-Doppelgeschirr und Maulkorb. Diese Zeit haben wir Gott sei Dank hinter uns gelassen!

Herkommen , wenn ich rufe, ist eigentlich auch das einzige, was ich von Luna und Milow verbindlich erwarte. Warten und Bleiben sind auch noch ganz praktische Sachen, aber alles andere halte ich für mehr oder weniger unsinnige Kunststückchen. Mir persönlich ist es völlig wumpe, ob sie bei Warten oder Bleiben rumliegen, sitzen oder knapp über dem Boden schweben und Kreise fliegen – hauptsache sie Warten oder Bleiben!

OK, ein Kommando für den sogenannten Abbruch ist auch sehr praktisch und kann auch Leben retten, das gebe ich gerne zu. In diesem Eingeständnis steckt dann auch etwas verschämt die nächste Baustelle mit dem Milow, der nämlich ein Baustellenhund ist. Ich denke gerade an die leckere und schon halb verweste Ente, die er neulich am Teichufer fand. Meinem Rufen folgte er prompt und er machte sich neben mir gemütlich, um anschließend die mitgebrachte Ente vor meiner Nase zu verspeisen. Nach teilen war ihm nicht zumute!

Zum Schluß dann doch noch mal liebe Grüße an die vielen lieben Hundetrainer und so, derren viele und gutmeinte Ratschläge immer wieder kreuz und quer durch meinen Kopf flirren. Es ist gut, das es Euch gibt – ich wollte niemals was anderes sagen, ehrlich! Letztendlich liegt es doch an uns Ottonormalhundehaltern, unsere Hunde kennenzulernen und sich aus Eurem Wissen die Stückchen rauszusammeln, mit denen wir auch was anfangen können. Wir sind alle anders, und das ist völlig normal – auch unsere Hunde! In diesem Sinne bin ich dann doch froh, das es Euch gibt. Gleiches gilt für Eure vielen Bücher, Websites, Foren und Blogs. Ihr alle seit klasse und ihr alle habt recht, jeder auf seine Art und jeder ein kleines Bisschen.

Im übrigen wird bei uns niemand geblechschüsselt, außer ich manchmal! Allerdings beneide ich die Menschen nicht, die mit Hunden zu tun haben, wo es oft nicht mehr anders geht. Ich beneide auch diese Hunde nicht, auf deren Rücken meistens mehr ausgetragen wird, als eine augenscheinlich brutale Erziehungsmethode.

Meine beiden Süßen habe eingebaute Notfallbremsen, die auch wirken, wenn nichts anderes mehr geht. Bei Klein Luna hilft immer und grundsätzlich ein lautes und deutliches Qietschen mit ihrem Ball und sofort vergisst sie alles, was sie bis zu diesem Moment in ihrem Köpfchen hatte. Sie komt sofort angeflitzt und ihre kleine Welt besteht nur noch aus ihrem Ball und meiner rechten Hand. Der Halunke vergisst alles um sich herum, wenn ich mit einer Tüte raschel. Spätestens, wenn ich einen Schwung Futter aufs Feld werfe, ist er auf Wolke7 und interessiert sich für nichts anderes mehr, bis der letzte Krümel aufgelesen ist. In diesem Moment könnten ganze Herden von Rehen an ihm vorbei spazieren, er hätte höchstens Schiss um seine Krümel. Ich tue so etwas echt nicht gerne und habe es bisher auch nicht wirklich getan – aber es ist doch praktisch zu wissen. Schon toll, wenn man seine Hunde kennt!

Ich glaube wir raffen uns dann demnächst doch mal wieder auf und besuchen eine kleine Hundeschule hier in der Nähe. Unser Plan: Mülltrailing für den Halunken, Red Flyball für die Lütsche und Sachkunde fürs Frauchen. Bestimmt keine schlechte Idee und ganz ehrlich: Wir freuen uns drauf!

Hundeerziehung mit Meckern

Unsere Freunde, die gerne noch etwas weiter Lesen möchten, bringt ein kleiner Klick auf die Blechschüssel zur Wahrheit über unsere Einstellung zur Hundeerziehung. Viel Spass beim Lesen!

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Ich bin hier bloß der Mensch‭ ‬-‭ ‬Geschichten mit Hund
Severine Martens
Monsenstein‭ & ‬Vannerdat,‭ ‬2014
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