Köta, Thöle und die Misthunde

Neulich vor irgendeinem Supermarkt hier im Ort. Auf dem Heimweg nur mal schnell reinflitzen, um noch schneller ein paar Sachen einzukaufen. Null Problemo für Hundemenschen wie mich und für die tollsten Hunde der Welt – bis auf neulich:

Luna&Milow WUFF 6Milow war schon wieder am nöhlen und Luna guckte wie immer äußerst verzweifelt. Musst Du da jetzt rein, wirklich? Das war ihre Frage und ihre Augen verfolgten jeden meiner Schritte. Sie geht da wirklich rein, jammerte Luna, die haut einfach ab und lässt uns hier draußen im Stich. Bring wenigstens was zu Essen mit, brüllte der Halunke mir hinterher. Pizza oder Nudeln wären toll – oder was Feines von der Fleischtheke. Die Hoffnung würde ja zuletzt sterben, man könne ja mal was sagen und überhaupt wären das alles keine Zustände mehr! In diesem Punkt waren sich beide mal wieder einig und ich lies beide mit schlechten Gewissen einsam und hungrig auf dem Gehsteig zurück, um mir im Laden heimlich den Bauch mit den tollsten Sachen vollzuschlagen, nur um danach satt und zufrieden niemals wiederzukommen!

Hinterher kriegen wir sowie nichts ab, brüllte der Milow sich die Seele aus dem Leib, und auch Klein Luna gab sich mit ihrer hellen Stimme alle Mühe, nicht in Vergessenheit zu geraten. Nein, es war mir bis zum hintersten Winkel in der Gemüseabteilung nicht möglich, meine beiden Süßen auch nur für einen kleinen Moment zu vergessen. Die Kassiererin schaute mich schon von weitem mitleidig an – wir kennen uns und sie kennt meine Hunde, was das Rockkonzert vor der Tür aber kaum erträglicher machte. Die Schlange an der Kasse war lang, sehr lang und ich lief gefühlte 200 mal raus, um ein kurzes aber schneidiges „Nein“ um die Ecke zu brüllen, was jedesmal wirkte – für sagenhafte 4,3 Millisekunden. Aufgeschnappte Worte wie „Mistköter“ und „ruhestörender Lärm“ versuchte ich zu ignorieren – was gar nicht schwer war, weil ich mich überhaupt nicht angesprochen fühlte. Misthunde, brummte ich vor mich hin, um bloß nicht aufzufallen und nahm etwas später den anderen Ausgang – meine Hunde kläffen nämlich nicht vor Supermärkten rum, niemals!

Was hast Du denn, fragte Luna, als ich hintenrum über den Parkplatz bei ihnen angeschlichen kam. Hast Du was? Du guckst so gequält, ist was passiert im Laden? Milow schaute mich nur lange an und seine Augen sprachen Bände. Mal wieder ohne Wurst, wie immer und alles alleine weggeputzt – Oh wie schön war Portugal. Dem vorbeilaufenden Nachbarrüden wurden mal kurz und ganz nebenbei die Zähne gezeigt – der kannte das schon und irgendwo muß der Frust ja auch mal hin, fand der Milow. Der pinkelt sowieso immer gegen unseren Zaun, blaffte er los, und als Hund würde mich das auch sehr ärgern – das muß ich zugeben. Außerdem sähe der viel zu gut genährt aus, stimmte Luna ein, und gibt schnell auch noch ihren Senf dazu. Bei ihr könne man ja schon die Knochen zählen, jammert sie weiter, und der Halunke würde sich vor Lachen am liebsten den Bauch halten, wenn er könnte. Das könne er nämlich nicht, weil er gar keinen habe – da sei nur ein riesiges und dunkles Loch, aber das würde ja sowieso keinen interessieren, außer ihn. Wenn einer hier mager sei, dann ja doch wohl er.

Noch nicht einmal an dieses schöne alte Kaugummi da vorne würde er herankommen. Und wenn, dann hätte ich bestimmt sogar da was gegen und würde wieder rummeckern. Aber so sei sein Leben jetzt wohl, gefesselt und mit einer Leine in der hintersten Ecke festgebunden. Noch nicht einmal dem Kollegen da gegenüber im Auto, könne man richtig Bescheid sagen. Der würde schon die ganze Zeit so blöde gucken, dabei sei er ja noch nicht einmal von hier – entweder ein Neuer oder einer von außerhalb. Auf jeden Fall ein guter Grund für ihn, seinen Unmut noch einmal so richtig rauszulassen. Luna macht mit und unterstützt ihn nach Kräften, obwohl sie gar nicht weiss, worum es geht – glaube ich. Die Frage der beiden Passanten, was das denn für Thölen seien, habe ich irgendwie gar nicht so richtig mitbekommen – ich habe mit diesen Kötern nichts zu tun, sage ich leise – rein gar nichts und ich stehe hier nur ganz zufällig rum. Einige Sekunden später überlege ich mir, dass Köta und Thöle eigentlich tolle Namen für meine beiden Süßen wären. Der Gedanke gefällt mir und ich kann mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Doch eigentlich bin das nicht wirklich ich, eigentlich nicht!

Ich hätte Lunas Ball mitnehmen sollen, dann wäre einiges anders gekommen – ganz bestimmt. Der bremst meinen Hundegesangsverein nämlich immer einigermaßen aus. Mit Ball kann Luna nichts sagen, außer sie würde ihn ablegen, und das würde sie niemals freiwillig tun. Wo kämen wir denn da hin! Eine völlig verschrobene Einstellung zu Bällen hätte ich, würde sie wohl leise und etwas gequält mit ihrem roten Gummistöpsel im Gesicht zischeln. Ohne Lunas Unterstützung ist auch der Halunke wesentlich verträglicher, jedenfalls was meine Ohren und die Ohren aller anderen im näheren Umkreis betrifft. Er mache nämlich immer nur mit, im treuen Glauben, dass es schon einen Grund gäbe. Auch die arme Kassiererin bräuchte nicht so leiden und gequält dreinzuschauen – was so ein kleiner Ball alles so kann, erstaunlich! In der Vergangenheit äußerte der Milow öfters den Wunsch, doch etwas näher an den Mülltonnen angefesselt zu werden, was ich aber nie gemacht habe. Die Art des Zeitvertreibes, den er sich dort so erhoffte, mag sich jeder selber vorstellen können – ich hatte einfach keine Lust, hinterher die halbe Straße fegen zu müssen.

Auf dem Heimweg hatte ich wieder die ruhigsten und bravsten Hunde der ganzen Gegend. Sie liefen friedlich neben mir und ließen die Einkaufstüte auch nicht ein einziges mal aus den Augen. In der Wohnung aßen sie brav auf dem Flur vor der Küche und beobachteten mich ausführlich beim Auspacken der Beute. Am liebsten würden sie mithelfen, auf ihre ganz spezielle Art, dass weiss ich genau. Nichts entgeht ihren wunderschönen und großen Augen in diesen Momenten. Sie sitzen einfach nur da rum und wissen ganz genau, wo die ganzen leckeren Sachen aus der Tüte hinwandern und verstaut werden. Vor allem aber wissen sie, das sich auf dem Boden der Tüte dann doch immer noch was für sie findet, was zufälligerweise herunterfällt. Warum eigentlich immer erst dann und ganz zum Schluß? Aber das ist ihnen jetzt auch egal und ich habe wieder zwei tollste Hunde der Welt, die jauchzend und schmatzend mit ihrer schwer verdienten Beute auf ihren Plätzen verschwinden – möglichst weit weg von mir, in diesem Moment.

Luna und Milow

Die tollsten Hunde der Welt heißen Luna und Milow, ich würde sie niemals anders nennen! Bis es an der Türe klingelte, aber das ist wieder (fast) eine andere Geschichte.

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