Luna und der Wackelzahn

Ein Zahn ist weg und der daneben wackelt! Die Tierärztin sagt, das sei nicht so schlimm und sie könne ohne diesen Zahn sehr gut leben. Wir gehen da nie wieder hin, habe ich beschlossen. Aber Luna findet diese Ärztin einfach Klasse und deshalb denken wir nochmal drüber nach. Immerhin seien ihr eine Betäubung und eine lebensbedrohliche Operation erspart geblieben. Jedenfalls würde bei ihr dieser Eindruck entstehen, weil ich mich schon im Wartezimmer immer so fürchterlich anstellen würde. Luna findet, die Ärztin sei schon in Ordnung, aber sie versucht bestimmt nur, mich damit zu beruhigen. Alles sei gut, bis auf diese blöde Salbe, die sie mir mitgegeben hat, die sei wirklich total fies. Luna mag ihre Wackelzahnsalbe nicht und ich muß zugeben, die schmeckt wirklich fürchterlich. Die Tierärztin meinte, die würde Hunden gut schmecken, aber Luna sieht das anders. Jeden Morgen und jeden Abend haben wir nun das gleiche Theater. Luna will ihre Wackelzahnsalbe nicht und zeigt das auch gerne mit allen Mitteln, die Hunde so zur Verfügung haben.

Meistens haut sie ab und versteckt sich ruckzuck unter dem Bett. Ich krieche meistens hinterher, nur um festzustellen, dass sie inzwischen unter dem Sofa in der Stube hockt. Lange bevor ich dort nun wieder angekommen bin, ist sie schon wieder im Schlafzimmer und so weiter und so fort. Ich mag Luna nicht so einfach schnappen und festhalten, das hat sie in ihrer Kindheit allzu oft erfahren müssen. Außerdem mutiert sie dann schnell zu einem Lunigator, der mit seinen Zähnchen gerne bleibende Abdrücke auf diversen Körperteilen hinterlässt. Meistens gelingt es mir dann doch noch, sie irgendwie anzulocken, meist auf Kosten meiner Leberwurstvorräte. Blitzartig schiebe ich dann meinen Finger mit der blöden Salbe in ihr Schnäuzchen und bevor sie beleidigt sein kann, kommt schon der nächste Schwung Leberwurst angeflogen. Natürlich nur wegen dem besseren Geschmack!

Der Milow versteht diese ganzen Aktionen überhaupt nicht und beobachtet uns meistens äußerst skeptisch. Das Fragezeichen über seinem Kopf ist dabei nicht zu übersehen. Der Halunke würde sogar die Tube mit verspeisen, die Salbe und die Leberwurst natürlich inclusive. Aber seine Zähne wackeln ja nicht und da gibts auch keine Wackelzahnsalbe. Milow hätte gerne Wackelzähne, in diesen Momenten!

Vor einigen Tagen hatte ich es erst durch Zufall entdeckt und eigentlich wollte ich nur mal so nachschauen. Ich sagte zu Luna so aus Spass, dass ich nur schnell mal ihre Beisserchen nachzählen wollte, nur so aus eine Idee heraus. Um dann war der Schreck natürlich groß. Fehlte da doch glatt einer von ihren kleinen Knibbelzähnen im Unterkiefer – und der daneben wackelte auch schon ganz schön. Ich schwöre, mir war vorher überhaupt nichts aufgefallen und auch heute zeigt sie beim Fressem kein verändertes Verhalten. Luna scheint es überhaupt nicht zu stören. Nur bei mir war der Schreck natürlich riesengroß und ich hatte plötzlich richtig Schiss um mein kleines Mädchen. Sie ist doch noch nicht mal sieben und dann schon Zahnausfall. Ich bin ja schon fast gestorben, als sich vor so einem Jahr die ersten kleinen grauen Strähnchen um ihre Augen herum zeigten.

Den Abend verbrachten wir dann bei unserer Tierärztin, die nach meinem Notruf leider keine Veranlassung sah, umgehend zu uns zu kommen. Ich sollte am nächsten Tag in die normale Sprechstunde kommen, was ich natürlich nicht tat. Ich fuhr sofort los und eine halbe Stunde später stand ich mit Klein Luna auf dem Arm bei ihr vor der Tür. Meine freudige Feststellung, dass sie ja doch da sei, quittierte sie mit einem Lächeln, das ich bis heute nicht richtig deuten kann. Wahrscheinich war sie nur müde oder hatte sich über irgendwen kürzlich geärgert, war ja auch egal. Wir kamen sofort dran und waren auch fast sofort wieder draußen, gut ausgerüstet mit der Wackelzahnsalbe und dem Rat, mich zu beruhigen und morgen wieder anzurufen. Mit der rettenden Notfallmedizin in der Hand gelang mir das dann auch bald und ich konnte eigentlich recht gut einschlafen. Natürlich erst, nachdem ich Lunas Schnäuzchen reichlich mit der seltsam riechenden Paste eingeschmiert hatte. Ich machte mich auch schon längst nicht mehr so verrückt und, dass ich ab und zu mal nachgucken musste, ob die Salbe schon wirkt, ist ja wohl verständlich oder? Aber eigentlich konnte ich gut einschlafen.

Am nächten Morgen waren wir dann im aller Ruhe schon wieder auf dem Weg zur Tierärztin, die übrigens Saskia heisst und die ich schon sehr lange kenne. Wir waren mit Abstand die Ersten und wurden, nachdem wir draußen noch eine knappe Stunde gewartet hatte, auch freundlich empfangen und kamen auch sofort dran. Gutes Timing ist halt alles!

Ich soll mir keine Sorgen machen, das sei bei kleinen Hunde schon mal normal und sie würde so etwas des öfteren erleben. Bei diesen Kleinzüchtungen könne das schon mal vorkommen und die Hunde kämen auch ganz prima ohne ihre Knibbelzähne klar. Lunas Unterkiefer sei halt zu schmal für ihre Zähne. Ihr Zahnfleisch ist weder gerötet noch geschwollen und auch Zahnstein hat sie so gut wie gar nicht, einfach nur zu große Zähne. Ok, es war mir schon immer aufgefallen, dass vor allem ihre Eckzähne sehr groß wirken und auch etwas schräg nach außen stehen – fast so wie bei einem kleinen Vampir. Aber deshalb gleich Zahnausfall? Und ich soll mir keine Sorgen machen? Naja, wenigsten alle anderen Zähne seien noch fest und zur reinen Vorbeugung hätten wir dann ja die Wackelzahnsalbe. Ja genau, ich hatte auch nicht wirklich geglaubt, dass davon der verlorene Zahn wieder nachwächst. Mit einem Kontrolltermin für in 6 Monaten werden wir ins Ungewisse entlassen und, wie solls anders sein, ich soll mich beruhigen und mich nicht unnötig verrückt machen.

So soll es sein, so machen wir das und zu Hause schaue ich erstmal nach, ob ich in meinem neuen Handy schon Saskias private Handynummer gespeichert habe – nur vorsichtshalber. Meine Überlegungen, wie lange ich zur nächst erreichbaren Tierklinik brauche, schiebe ich locker und entspannt zur Seite. Die Nummer ist ja gottseidank auch im Handy gespeichert, wie ich vorhin ganz zufällig gesehen habe.

Klein Luna hat jetzt eine Pfeiflücke und einen Wackelzahn. Sie stört das nicht Bohne, wenn nur diese blöde Wackelzahnsalbe nicht wäre. Und ihr Frauchen würde sie auch noch wieder in den Griff kriegen, hauptsache, die käme jetzt nicht andauernd zum Nachzählen an. Ich bemühe mich um Entspannung und schlafe nun wohl auch bald ein – mit dem Wissen, in jeden Notfall und jederzeit eine tolle Tierärztin zur Seite zu haben.

Luna Wackelzahn

2 Gedanken zu “Luna und der Wackelzahn

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