Der Opa in Ägypten

Der Milow hat einen Opa in Ägypten und der soll sogar so etwas wie ein Gott gewesen sein, angeblich. Der Halunke findet das natürlich toll und gibt jetzt an wie eine Tüte Mücken. Hätte ich es ihm bloß nicht erzählt. Und, dass sein Opa dann selber noch einen Opa haben soll, der ein richtiger Schakal war, macht ihn richtig bischen verrückt – noch verrückter als sonst! Wer wolle denn schon vom Wolf abstammen und so ein ganz normaler Haushund sein, wie zum Beispiel Luna und all die anderen. Nene, der Milow ist ein Podengo und die halten nicht viel vom Mainstream. Anderssein ist bei ihm sowieso Programm und auch nur einen Nano-Bruchteil vom Schakal in sich zu tragen, das hätte schon was.

Na klar ist dieses Dings mit dem Schakal strittig und die moderne Kynologie geht, was die Abstammung des Haushundes betrifft, wohl generell vom Wolf aus. Aber eben auch nur generell, denn bei wenigstes ein paar Hunden, die dem Podenco sehr nahe stehen, kann die Abstammung vom Wolf genetisch ausgeschlossen werden. Und wer solls dann sonst gewesen sein wenn nicht der Schakal, oder? Ob es sich hierbei um esoterisches Wunschdenken, einen Laborfehler oder um wissenschaftlich fundiertes Wissen handelt, kann ich von meinem Tellerrand aus nicht beurteilen. Ich weiss nur, dass mein eigener Hund gerade die Welt der Haushundeforschung und Hundeauskennerei auf den Kopf stellt und sehr oft die Worte ‚Opa‘ und ‚Schakal‘ drin vorkommen . So ganz ohne finde ich dieses Dings mit dem Schakal allerdings auch nicht. Irgendwie hat das was und Schakal klingt ja auch ein wenig wie Schalk und den hat mein Süßer auf jeden Fall im Nacken.

Außerdem gäbe es in Afrika, das um Ägypten herum liegt, gar keine Wölfe, hat der Milow noch einzuwenden. Letztlich bräuchte man sich ja nur die vielen Bilder von seinem Opa anschauen. Wer nicht gerade Tomaten auf den Augen hat, würde sofort sehen, dass da ein Schakal mit drin sein – eben ein Schakal und ein Gott in einem Podengo drin, alles zusammen! Wenn schon kein Gott, dann doch wenigstens ein Schakal. Beweise gäbe es da genug, man bräuchte sich ja nur all die Fotos in Internet anschauen. Alleine die Ohren sprächen doch Bände und der Halunke gibt sich gerade Mühe, wenigstens mal so ähnlich wie sein Opa oder wie ein Schakal auszusehen – aber Knickohren bleiben halt Knickohren, so leid es mir tut!

Mithin wurde das alte Ägypten tatsächlich als Ursprungsort aller Podencos  ausgemacht. Über 4000 Jahre soll das her sein und manche sprechen sogar von 6000 Jahren. Opas Name soll Tesem (von altägyptisch Tjesem) gewesen sein und die alten Ägypter haben jede Menge Bilder von ihm aufgemalt, wo er wie ein windhundartig gebauter Hund mit Stehohren und Ringelrute aussieht. Manchen Bildern und alten Schriftstücken aus dieser Zeit kann man entnehmen, dass der Tesem schon damals als Jagdhund gearbeitet hat. Er ähnelt schon sehr den heute bekannten Podencos, vor allem denen von Ibiza und Malta, das muß ich dem Milow schon lassen. Aber vieleicht waren die Ägypter ja auch nur die ersten, die Bilder von ihm gemalt haben und über ihn geschrieben haben. Vieleicht ist Milows Opa in Wirklichkeit ja noch viel älter und von ganz woanders her als aus Afrika oder Ägypten, wer weiss!

Stimmt nicht, höre ich von hinten, denn dieser Anubis sei nochmal 2000 Jahre älter als Opa Tesim – und das stimmt sogar, jedenfalls, was die allerersten Erwähnungen und Abbildungen betrifft. Na, der soll ja nun in echt ein Gott gewesen sein, auch wenn sein Spezialgebiet nicht gerade etwas war, womit man jeden Tag zu tun haben möchte – er war nämlich ein Totengott. Dieser Anubis wird meistens als liegender schwarzer Hund (oder meinetwegen Schakal, damit Milow den Schnabel hält!) dargestellt, dessen Silouette einschließlich der pommestütenähnlichen Ohren starke Ähnlichkeit mit Opa Tesim und einem modernen Podengo aufweist. Verdammt ähnlich sogar, höre ich gerade wieder vom Halunke, der gerade versucht, seinen Bauch einzuziehen und die Ohren aufzustellen, was ihn nur leidlich bis gar nicht gelingt. Soviel zum Thema Ähnlichkeit mit Schakal und Gott im Hund, den Rest davon überlassen wir gerne der Ungewissheit.

Und wie kamen Opas Enkel denn nun bis nach Portugal und noch weiter? Diese Frage steht, während ich hier so schreibe und im Zickzack durch das Internet hüpfe, in Milows Augen geschrieben. Also gebe ich mir endlich mal etwas Mühe und fasse zusammen: Das waren die Pödizier und die haben Hunde in Ägypten eingesammelt und  in viele andere Länder rum ums Mittelmeer gekarrt – sozusagen eine Früh-Migration altertümlicher Hunde. Die Phödizier waren podi-verliebte Hundenarren und vieleicht wurde ja auch damals schon gerne mit Hunden rumgezüchtet und gehandelt. Nicht? OK, das ist viel zu knapp formuliert und weder richtig noch falsch! Wie war es nun richtig?

Also, die Pödizier waren in Wirklichkeit Phönizier, nannten sich selber aber viel lieber Kanaanäer, weil sie aus Kanaan kamen, jedenfalls hauptsächlich! Kannan lag ungefähr da, wo heute Isreal liegt, und das ist bei Ägypten quasi so ums Eck. Die Phönizier konnten gute und stabile Boote bauen und waren meistens solche Leute, die alle möglichen Sachen von A nach B schleppten, um dann irgendwann bei C mit viel mehr anzukommen als sie ursprünglich bei A mitgenommen hatten. Boote waren sehr praktisch dafür, wenn man am Meer wohnt. Sie bereisten den ganzen Mittelmeerraum und gründeten nebenbei viele Städte, in denen sie unter anderem mit ihren Hunden wohnten. Auf diese Weise kamen sie und die Hunde aus ihrer Heimat bei Ägypten sogar bis nach Spanien und Portugal, manchmal sogar noch viel weiter.

Die Enkel von  Opa Tesem wurden also so ganz nebenbei und ohne Absicht in alle Länder verteilt, wo man damals mit dem Schiff hinkonnte. Irgendwann später fingen die Menschen in einigen Ländern dann an, ihre Hunde umzumodeln und größer, kleiner, bunter, oder sonstwas zu machen – vieleicht, weil hier ein kleinerer Hund praktischer für die Jagd war und dort ein größerer, und so weiter. Vieleicht war ihnen auch nur langweilig, was ich aber weniger glaube! Das machten sie in voller Absicht, was man dann Zucht nannte. Oder sie machten es aus Versehen, indem sie auf ihre Hunde gar nicht aufpassten und sich immer die passendsten vom Nachwuchs raussuchten. So wurden die Hunde der Pödizier irgendwann zu den vielen Arten von Podengos, die wir heute kennen.  Auf jeden Fall blieben alle dem Opa Tesem sehr ähnlich und deshalb sagt man ja auch heutzutage, dass sie Opas Urhunde-Gene in sich tragen – abgesehen von diesem Dings mit dem Gott und dem Schakal. Milow schmollt schon wieder!

Das alles war natürlich nur die Geschichte, wie der Milow und ich sie gut finden. Durchsetzt von einigen Körnchen Wahrheit und alles, was fehlt, wird bestimmt in den folgenden Kapiteln zu finden sein. Bei uns zu Hause ist immer noch alles beim Alten: Milow ist ein Podengo, Opa bleibt in Ägypten, der Schakal in Afrika und jeder Podi ein Vertreter der wohl ungewöhnlichsten Hunderasse der Welt – Mythen und Mysterien inclusive!

Nur ist eines sicher, das wissen wir jetzt genau – der Milow hat einen Opa in Ägypten – und jetzt will er hin und ihn besuchen, ich nicht!

Milow Mistköter

2 Gedanken zu “Der Opa in Ägypten

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