So ein Schiet

Der Halunke ist krank, denn er hat Durchfall. Dabei ist der Durchfall eigentlich gar nicht die Krankheit, sondern das, was mein lieber Hund mal wieder daraus macht. Er leidet ohne Ende, verzweifelt an der Bösartigkeit der Welt und an der Gemeinheit seines Fraules. Durchfall bedeutet Nulldiät für mindestens einen Tag und für ihn ist das so, als wenn ihm am Tag des Weltuntergangs auch noch der Himmel höchstpersönlich auf den Kopf fällt. Fressen hat eine enorrm große Bedeutung für ihn und das liegt immer noch an seiner Vergangenheit auf den Straßen und Müllkippen Portugals. Wir alle wünschen uns heute nur noch, dass der  Abend ganz schnell kommt und er wieder eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen darf. Das es sich dabei nur um einen kleinen Reisteller mit etwas Huhn handeln wird, mag ich ihm noch gar nicht sagen – aber im Moment würde er sogar mit einer alten Schuhsohle ohne Soße zufrieden sein, glaube ich!

Wenn der Milow reden könnte (in Menschensprache), dann würde es wohl so klingen:

Ich habe die Nase voll, wollte ich nur kurz mal sagen und ich glaube, die wollen mich hier absichtlich verhungern lassen. Alle hauen sich hier heimlich die Bäuche voll und ich schiebe Kohldampf, fast so wie früher, und das ist ein Unding finde ich!

Kaum hat man auch nur ein klitzekleines bisschen Durchfall, da wird man auch schon dafür bestraft. Das Essen hat sie mir gestrichen und morgen soll es nur Reis und ein wenig Hühnchen geben, das habe ich nämlich sehr wohl mitbekommen. Ist das nicht fies und gemein? Gar nichts habe ich heute bekommen und gestern Abend auch nicht. Es riecht hier auch überhaupt nicht nach Abendbrot, so wie sonst. Normalerweise würde die schon längst in der Küche stehen und alles dafür vorbereiten

Dabei geht es mir gar nicht gut! Erstens kommt hinten alles raus, was drinnen  war, und zweitens kommt von vorne nichts mehr rein. Luna hat gut lachen, denn die hat heute morgen ganz normal zu essen gekriegt. Mit der war sie nämlich alleine draußen und hat ihr heimlich was gegeben, als wenn ich das nicht riechen würde. Nur ich darf mal wieder in die Röhre gucken. Ehrlich, so habe ich mir das hier nicht vorgestellt und dann machen die sich alle auch noch lustig über mich. Naja, wer den Schaden hat, braucht auch für den Spott nicht zu sorgen.

Es ist doch wohl völlig verständlich und normal, dass ich meinen Lebenmittelpunkt jetzt in die Küche verlagert habe. Direkt vor dem kalten Schrank mit der Plopp-Tür, wo die ganzen tollen Sachen drinne sind. Aber sollen sie ruhig lachen – ich kriege schon noch raus, wie dieses blöde Ding aufgeht, ganz sicher! Ich habe in meinem Leben nämlich schon ganz andere Dinge geschafft.

Ich würde ja auf der Stelle wieder normale Haufen machen, wenn ich könnte. Aber ich kann ja nicht, weil in mir gar nichts mehr drin ist – aber wirklich überhaupt gar nichts mehr. In meinem Bauch sind nur noch Grummeln, Knurren und Brummen – und davon gehen keine Haufen zu machen. Und dann noch diese Standpauken! Ich hätte ja angeblich selber schuld, weil ich mir auf der Straße wieder selber was zum Fressen besorgt hätte, dabei mache ich das gar nicht mehr so oft. Mit meinem Durchfall hat das außerdem nichts zu tun, da bin ich mir ganz sicher.

Auf jeden Fall kann die sich mal warm anziehen, wenn wir nachher wieder rausgehen. Irgendwo werde ich auf der Straße schon was Feines finden und wenn es nur ein altes Kaugummi ist. Dann schleife ich die einfach wieder wie ein Fähnchen hinter mir her, so wie früher, bis ich es habe. Nur weil ich mir das mittlerweile (fast) abgewöhnt habe, heißt das nicht, dass ich das nicht mehr kann. Soll sie dann doch ruhig mit mir meckern, das ist nicht mein Problem. Selber schuld, wenn sie solche Behauptungen aufstellt! Ich komme damit klar, denn ich bin ein Kerl und habe früher sogar mal als Straßenhund gearbeitet. Das war ganz schön schwer und gar nichts gegen so ein bisschen Durchfall, der auch ganz bestimmt ohne diese doofe Diät wieder weggehen würde.

Und dann ist die heute morgen auch noch mit klein Luna alleine Fahrrad gefahren. Angeblich wollte sie mich ja schonen, aber mir hatte das gar nicht gefallen. Okay, ich lege da ja auch sonst nicht so einen gesteigerten Wert drauf. Aber so alleine zu Hause zu bleiben, dass ist doch schon ziemlich doof. Da wäre ich dann doch lieber mitgekommen und hätte die ganze Zeit rumgenöhlt, dass ich wieder heim will. Das hätte mir jedenfalls viel mehr Spaß gemacht. Es macht ja auch gar keinen Sinn, den Plopp-Schrank in der Küche zu bewachen, wenn keiner da ist, der ihn öffnen könnte. Also hatte ich mich dann in mein Schicksal ergeben und mich auf das Sofa gelegt.

Nicht das mir das jetzt auch noch als Schwächeanfall oder so ausgelegt wird. Mir war einfach nur langweilig, denn ich bin nicht krank. Ich bin einfach nur hungrig und bei diesem Baustellenlärm in meinem Bauch kann man sowieso nicht schlafen! Ich denke einfach etwas an die Sonne Portugals, einen schönen frischen Pansen und das nette Dackel-Mädel von nebenan – mehr nicht! Vielleicht passieren ja noch kleine Wunder und die bringen von draußen was Feines mit rein.

(Bei unserer Rückkehr pennt der Halunke langgestreckt auf der Couch und bekommt kaum mit, dass wir wieder da sind – Der tollste Halunke der Welt!)

Milow Bauchgrummsel