Augenschnuddel und Schlafgeruch

Milow hat viel gelernt und Luna hat Stinkefüße. Der Halunke riecht, als wenn er heimlich mein Deo benutzten würde, und Luna hat keine guten Augenschnuddel. Außerdem putzt sie diese morgens heimlich ab, lange bevor ich wach werde. Der Milow hat morgens dicke Premium-Schnuddel in den Augen, die mit meiner Hilfe unbedingt und sofort raus müssen. Luna riecht nicht nach Deo und vor allem morgens hat sie einen tollen muffigen Schlafgeruch, vor allem an den Füßen. Ich bin süchtig nach Milows Augenschnuddeln und Lunas Stinkefüßen.

Augenschnuddel sind eine tolle Sache, vor allem bei Hunden. Gäbe es keine anderen Gründe, dann wären Augenschnuddel immer noch ein Grund, mit Hunden zusammen zu leben. Hunde zu entschnuddeln gehört zu den tollsten Sachen, die man mit ihnen machen kann, vor allem morgens. Das ist noch viel besser als Gassi zu gehen, weil man es morgens gleich nach dem Aufwachen machen kann. Im Schlafanzug und noch mit den eigenen Schnuddeln im Auge. Hunde haben viel bessere Augenschnuddel als wir Menschen und manche von ihnen mögen sie sogar auffressen, was ich besonders toll finde – für Hunde!

Auf das Entschnuddeln bin ich schon früh gekommen, damals bei meiner ersten Hündin Leika. Ich hatte das Buch ‚Die Intelligenz der Hunde‘ von Stanley Coren gelesen (eines meiner ersten Hundbücher) und der berichtete dort von einem morgendlichen Begrüßungs-Ritual mit seinen Hunden, das er allen seinen Lesern nachdrücklich empfiehlt. Man solle es sich zur Gewohnheit werden lassen, mindestens einmal am Tag die Süßen komplett abzustreicheln, regelmäßig und nach Möglichkeit am Morgen. So wäre man immer auf den laufenden, hätte morgens schon eine intensive Begegnung mit seinen Freunden und würde Veränderungen sofort mitbegkommen. Grundsätzlich geht es mir dabei natürlich um das Entschnuddeln, so emotional meine ich, und ich muss mich immer zusammen reissen, die anderen Körperteile nicht zu vernachlässigen. Bisher hat das aber immer geklappt!

Ich mache das bis zum heutigen Tag, jeden Morgen und alle meine Hunde fanden das bisher unglaublich toll. Frollein Suleika war immer ganz versessen darauf, ihre eigenen Schnuddel aufzufressen. Tiffi musste mehrmals täglich dringend entschnuddelt werden und der Rocky hatte gigantische Schnuddel. Er war mit seinen fast 50 Kilo aber auch ein gigantischer Hund. Die Schnuddel waren etwas kleiner, logischerweise! Luna ist ein schlechter Schnuddelhund, sie ist nämlich viel zu klein und macht keine guten Schnuddel. Außerdem sind ihre hübschen Augen viel zu klein für meine Wurstfinger und wir beide finden keinen rechten Spass daran. Der Milow ist da anders, der macht Erste-Klasse-Pemium-Schnuddel und das nicht nur morgens. Manchmal haben wir sogar Mittags wieder dringender Entschnuddelungs-Bedarf und wenn ich es einrichten kann, bis zum Abend zu warten,  haben wir doppelten Spass. Die müssen nämlich spätestens abends raus, denn sonst fallen sie im der Nacht von selber ab, um denen für morgens Platz zu machen. Das muss ja nicht sein!

Leider war der Halunke anfangs gar nicht so dafür, dass ich ihm morgens schon in den Augen rumpulen wollte. Er hatte nie still gehalten, ohne Ende rumgezappelt und manchmal sogar nach mir geschnappt. Das fand ich doof – wegen dem Schnappen und wegen der unerreichbaren Premium-Schnuddel. Aber ich habe mich durchgesetzt! Ich war schon immer der Meinung, dass Hunde auch mal Sachen über sich ergehen lassen müssen, auf die sie grad keinen Bock haben – jedenfalls nicht in diesem Moment. Dabei ging es mir natürlich nicht um die Schnuddel, es ging mir um eine reine erziehungstechnische Angelegenheiten und darum, dass ich eben die Scheffin bin. Die Scheffin, die an die Schnuddel will!

Und er hat es gelernt, wie er in seinem Leben mit Luna und mir schon so viel gelernt hat. Zugegeben, es gibt im Leben eines Hundes wichtigeres zu Lernen, als seine Augenschnuddel rauszurücken. Aber mittlerweile hält er wenigstens still! Etwas bedauerlich finde ich seine offen zur Schau getragene Unlust, aber auch das wächst sich noch aus – ganz bestimmt! Auch der Halunke wird noch verstehen, wie toll unser morgendliches Ritual eigentlich ist! Leider mag er seine eigenen Schnuddel selber nicht auffressen, da lässt er klein Luna gerne den Vortritt. Die findet Milows Schnuddel nämlich auch toll und manchmal ist sie sogar schneller als ich. Das kommt immer häufiger vor, meistens in der Nacht, und ich gehe am Morgen leer aus! Meine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen, aber Luna darf alles – auch das, leider!

Nichts ist schöner, als den Hunden morgens die Schnuddel aus den Augen zu pulen, bis auf eines. Ich meine Lunas morgendlichen Schlafgeruch, vor allem an den Füßen. Unvorstellbar, ohne diesen lieblich muffigen Geruch morgens überhaupt in Gang zu kommen. Das ist für mich wichtiger als der erste Kaffee im Bett, das Frühstück und die erste Zigarette auf dem Klo. Beim Aufwachen Lunas Fußgeruch in der Nase und der Tag ist mein Freund. Sie ist in dieser Hinsicht eine kleine Perle und vor allem nach warmen Sommernächten sind ihre Stinkefüße einfach wunderbar. Dafür könnte ich jeden Augenschnuddel links liegen lassen, hundertprozentig – versprochen!

Nur der Milow riecht, als wenn erheimlich mein Deo benutzt (sagte ich das schon?), aber das ist wieder eine andere Geschichte!

Milow

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