Milow und das Bett

Heute morgen ging die mir mal wieder so richtig auf den Keks, wie fast jeden Morgen. Wenn ich  nicht genau wüsste, dass die das gar nicht so meinte, dann hätte ich sie gebissen. Dann wurde ich ohne Ende belästigt, auch wie fast jeden Morgen. Schmusen nennt die dass, aber ich glaube, die wollte mich einfach nur ärgern und ihren Kopf durchsetzen – sowas Verrücktes! Manchmal kann die einen damit ganz schön nerven, vor allem, wenn man noch gar nicht richtig wach ist. Ich bin dann aufgestanden und wollte mir im Wohnzimmer eine schöne und ruhige Schlafhöhle bauen. Kaum hatte ich damit angefangen, da kommandierte die mich wieder ins Bett und versperrte mir den Weg zurück ins Wohnzimmer. Ich solle endlich Ruhe geben und mit dem Radau aufhören. Ich! Die hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank, kann die mich nicht wenigstens morgens in Ruhe lassen?

Ich rollte mich wieder auf den Rücken, fand mich mit meinem Schicksal ab und liess sie einfach machen. Wenn ich nicht genau gewusst hätte, dass mir nichts Schlimmes passiert, hätte ich es der schon gezeigt. Aber die kann sich nicht so richtig ausdrücken und ist auch ein kleines bisschen wirr im Kopf – vor allem Morgens. Ich grunzte ein bisschen vor mir her und hoffte, dass die bald wieder einschläft. Naja, immerhin hatte ich es schön warm und als die endlich aufstand, rollte ich mich wieder zur Seite und hatte noch eine Weile meine Ruhe. Manchmal frage ich mich, wie die kleine Prinzessin das schon so lange aushält. Die dreht sich einfach nur gleich auf den Rücken, macht ein paar lustige Geräusche und schläft einfach weiter. Ich träume manchmal von Portugal, wo ich immer machen konnte, was ich wollte. Naja, auch das war nicht immer schön, und ein voller Magen hat eben seinen Preis. Verstehe einer diese Menschen! Wie würden die nur ohne unsere Hilfe in dieser Welt klarkommen, so verstört und durcheinander wie die manchmal sind. Mein Gott, bin ich froh, ein Hund zu sein!

Am liebsten hätte die das wohl, wenn ich bei der unter der Bettdecke schlafen würde, ganz so wie Klein Luna. Aber da hat die sich geschnitten, soll sie ruhig weiter träumen. Welcher Hund will sich von seinem Menschen schon auf eine Wärmflasche reduzieren lassen. Na gut, da gibt es bestimmt genug, wie zum Beispiel Luna – aber mein Ding ist das nicht, definitiv nicht. Ich schlafe lieber am Fußende, da riecht es auch besser, oder auf meiner eigenen Couch im Wohnzimmer. Die gehört nämlich mir, auch wenn die das immer noch nicht so wirklich wahr haben will. Hier habe ich meine Ruhe, kann mir jede Nacht eine neue Kissenburg bauen und gehe ab und an mal im Schlafzimmer gucken, ob es schon was zu fressen gibt. Ich muss nur ganz vorsichtig und leise sein, damit ich die nicht aufwecke. Am gefährlichsten ist es, wenn die nicht mehr schläft und auch noch nicht richtig wach ist. Dann lockt die mich immer mit süßesten Versprechungen ins Bett und ich werde wieder zwangsbeschmust. Wie ich das hasse, vor allem weil ich immer wieder drauf reinfalle. Mittlerweile könnte sogar ich verstanden haben, dass es im Bett nichts zu Fressen gibt – jedenfalls nicht Morgens. Aber ich bin ja so dusselig – andere nennen es verfressen, was ich aber unverschämt finde und mit aller Entschiedenheit weit von mir weise. Aber wie ich schon sagte: In solchen Fällen ist Flucht wirklich zwecklos! Einfach auf den Rücken drehen, Augen zu, etwas vor sich her grunzen und hoffen, dass die bald wieder einschläft oder endlich aufsteht und in die Küche geht. Im zweiten Fall hätte die ganze Aktion sich für mich wenigstens gelohnt.

Die meint ja immer, ich würde mich daran irgendwann gewöhnen oder so. Als ich damals hier eingezogen bin, weil die ja dringend einen richtigen Kerl in ihrem Weiberhaushalt brauchten, war mir dieses Zwangsbeschmusen oft richtig umheimlich. Ich kannte Menschen doch nur von ihrer schlechtesten Seite und alles was mit Festhalten verbunden war, machte mir füchterliche Angst. Manchmal habe ich da dann sogar zugebissen, was mir kurz danach aber immer sehr leid tat. Ohje, war das Gejammer da immer groß – aber die kann auch wirklich nichts ab, rein gar nichts. Ich glaube, die wollte mir dann beweisen, dass das alles gar nicht so schlimm sei und kam immer öfter mit ihrer Schmuserei an. Irgendwann hatte ich das dann ja auch verstanden, dass die es nur nett meinte und mir gar nicht weh tun wollte. Auch bei Klein Luna habe ich mir viel abgeguckt, die ja tatsächlich schon viele Jahre mit diesem seltsamen Verhalten klar kam – und immer noch lebte! Klar, man stirbt nicht vom Schmusen, dass habe ich begriffen, aber trotzdem bin ich immer noch ein richtiger Kerl und nicht so ein Weichei wie Klein Luna. Die findet das nämlich in Wirklichkeit total gut – das kann sie ruhig mal zugeben. Ich finde es besser, eine Sache nach dem anderen zu machen. Wenn ich zum Beispiel schlafen möchte, kann ich nur schlafen, und wenn ich hungrig bin, kann ich nur hungrig sein und auf die Napfzeit warten – und ich bin meistens hungrig. Für diese Schmuserei ist da einfach nicht so viel Zeit übrig – Punkt! Frauen und Hündinnen sind da einfach anders, glaube ich.

Manchmal, wenn die ganz fest schläft und ich sicher sein kann, dass die nichts zum Fressen rausrücken kann, springe ich auf das Fußende von ihrem Bett und mache es mir da gemütlich. Das ist eine Sache, die mir sehr gut gefällt. Da bin ich immer in der Nähe und weit genug von ihren Armen entfernt. Hier merke ich auch rechtzeitig wenn die wach wird und kann mich in meine Kissenburg zurückziehen, falls Schmuse-Gefahr droht. Meine Schlafhöhle auf der Couch bereite ich vorsichtshalber jeden Abend nach der Napfzeit schon mal vor – was man hat, das hat man! Und wenn ich ehrlich bin, habe ich an Anfang dieser Geschichte auch etwas übertrieben, denn so oft holt die mich gar nicht ins Bett zurück. Einerseits ist die Morgens nämlich noch viel zu schläferig, um wirklich was mitzukriegen, und zweitens hat sie wohl auch ein klein wenig dazu gelernt. In der letzten Zeit hatte die mich auch gar nicht mehr so doll festgehalten und da hatte ich gemerkt, dass Schmusen auch eine ganz tolle Sache sein kann.  Wenn ich weiss, dass ich jederzeit aufstehen und mich um andere Dinge kümmern kann, ist das nämlich ein ganz anderes Gefühl. Das hat die anscheinend jetzt verstanden, was ich für ein tolle Leistung halte. Ich merke mal wieder, dass Ausdauer und Geduld sich in der Arbeit mit Menschen immer wieder als nützlich erweisen.

Ich werde wohl nie zu einem richtigen Schmusehund werden. Aber mein Plan ist es, alle guten Dinge im Leben mitzunehmen, die ich irgendwie bekommen kann. Und so langsam kommt auch bei mir an, dass Menschen noch viel mehr tolle Sachen machen können, als jeden Abend einen vollen Fressnapf rauszurücken. Es ist halt nicht einfach, wenn man in seiner Vergangenheit so viele schlechte Dinge erlebt hat und das ganze Leben nur aus einem hungrigen Magen bestand. Unsere Scheffin, wie ich die jetzt immer öfters nenne, hat aber auch ganz viel gelernt. Neulich hat sie mir sogar mal verraten, dass sie noch nie so einen Hund wie mich hatte, und ich ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt hatte. Erst hatte ich ja etwas dusselig geguckt, aber dann wurde mir klar, dass das ein sehr großes Kompliment war. Ich sei der tollste Hund der Welt, sagte die dann noch, und ich kuschelte mich einfach nur an sie.

Freiwilliges Schmusen mit der tollsten Scheffin der Welt und ein sicher Platz am Fußende im Bett – was will man mehr als richtiger Kerl!

Milow

(… außer mehr zu Fressen! Liebe Grüße von Eurem Halunken, Straßenhund a.D.)

2 Gedanken zu “Milow und das Bett

  1. Unser „kleiner“ will auch immer mit ins Bett.
    Ebenfalls darf er uns die Füße wärmen, jedoch ist man dann halt zu 3. im Bett, was echt auf dauer viel ist 😀
    Da er ein großes Tier ist 😀 Altdeutscher Schäferhund…

    Grüße, Juliane

    Gefällt mir

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s