Halb drei bei den Elefanten

Sie hat es schon wieder getan und sie kann es immer noch nicht. Sie sollte die Finger davon lassen, denn sie hat es einfach nicht drauf. Sie kann einfach keine Tiergeschichten schreiben und wir sind schon wieder drauf reingefallen! Es ist eigentlich ein noch schlechteres Tierbuch als das Buch mit den Pinguinen, wo wenigstens am Schluss ein wenig Klarheit über deren Liebesleben geschaffen wurde. Im Elefanten-Buch kommen Dickhäuter grad zwei mal am Rande vor – und da auch nur als Treffpunkt für ein etwas abgedrehtes Liebespaar. Aber jetzt mal ehrlich und im Ernst, es ist ein tolles Buch geworden, im dem es natürlich wieder um eine verrückte Liebesgeschichte geht. Von uns allen Dreien den allergrößten Respekt für diese Leistung!

Es beginnt wieder mit einem chronisch leeren Kühlschrank. Scheinbar eine Leitfigur in Kyras Romanen, was mich aber sehr anspricht – vor allem, wenn ich in meinen Kühlschrank gucke. Ich jedenfalls fühlte mich sofort zu Hause. Max, die kleine Heldin der Geschichte, toppt Feli aus dem Pingu-Buch noch um Längen. Die große chaotische Welt-Verweigerin wird brilliant und lebensnah dargestellt, vor allem im Kontrastprogramm zu ihrer doch sehr konformen Zwilingsschwester Jo. Ich hatte sie sofort ins Herz geschlossen, hätte ihr am liebsten die ganze Zeit das Händchen gehalten und sie auch von Anfang an vor diesem seltsamen Moritz gewarnt. Wer heimlich fremde Menschen knippst (und das auch noch um halb drei bei den Elefanten) muss einfach einen an der Murmel haben. Naja, vielleicht etwas übertrieben, aber ich konnte mich von Anfang an nicht von dem Verdacht lösen, dass der Junge etwas zu verbergen hat – und das war nicht sein kleiner Sohn und auch nicht sein schief gelegtes Verhältnis zu seiner alternativ-desolaten Ex Jana. Aber Moritz gewann im Verlauf der Handlung enorm an Sympathie und zum Ende hatte Max dann ja auch alles richtig gemacht, dass sie ihn doch noch genommen hat. Mit Jonas, ihrem alten Schulfreund, Kumpel und ewigem besten Freund wäre das alles nicht so schön geworden.

Mal wieder ein Roman vom Erwachsen werden. Vom Loslassen, vom Träume wahr machen und von dem Ding mit dem Verantwortung übernehmen. Ein Liebesroman mit Tiefgang und mitten drin junge Menschen mit den Schönheitsfehlern aus denen das Leben besteht. Ehrlich und aufrichtig dargestellt mit der brillianten Wortwahl einer Kyra Groh: manchmal rotzfrech aber immer sprachlich eloquent und ausgewählt, niemals billig oder verletzend. Ab Mitte des Buches nimmt die Geschichte streckenweise rasant Fahrt auf. Zeitweise wird es unmöglich das Buch wegzulegen, sei man noch so müde. Eine kleine Schlägerei zwischen den beiden Hähnen Jonas und Moritz erlebe ich so dermaßen intensiv, fast schon explosiv – also das, liebe Kyra, hast Du Dir nicht ausgedacht, das musst Du selber mal so erlebt haben. Kopfkino pur! Moritz Streitereien mit Jana, Max ewige Zeifel an sich selber und das dumpfbackene Selbstbewusstsein eines Jonas. Die Studi-Freundin Kim mit dem Macho-Tick und die sexy-hexy Schwester Jo. Alles schmilzt zu einer wunderbaren Geschichten zusammen und wenn schon alles vorbei ist, dann kommt das Beste – das Ende.

Der Schluss ist wirklich das Beste, nicht weil das Buch zu Ende ist, sondern weil mir tatsächlich ein paar Tränen gekullert sind, ein richtiges Showdown war das. Diese Idee von Moritz mit den Fotos und den Tagebuch-Einträgen drauf, ich möchte nicht zuviel verraten. Diese wunderbare Idee, wie der Junge, der alles (aber auch wirklich alles) verkackt hatte, seiner angebeteten Max seine Liebe zeigt – ich muss schon wieder heulen! Puh, das war ein klasse Geschichte und sogar ich mit meinen 54 jahren habe noch ordentlich was lernen können. Zum Beispiel, dass unsere alten Plattenspieler heutzutage Turntables heissen und bei einigen Bands slash Kapellen musste ich sogar googeln, um noch mitzukommen – eigentlich kannte ich nur die Toten Hosen. Aber sie hat es ja wohl auch nicht für meine Altersgruppe geschrieben (die liesst Tierbücher, höhö), außer Max und Jos Papa ist da keiner über Mitte Zwanzig – und genau so muss das auch sein in einer Geschichte über das Erwachsen-Werden.

Bleibt die Frage (und da muss ich schmunzeln), was die liebe Kyra Groh wohl so in 20 oder vielleicht 30 Jahren schreiben wird. Was mir bleibt, ist jedem unserer LeserInnen dieses Buch wärmstens ans Herz zu legen – völlig egal, ob ihr grad postpubertär am kriseln seid oder, ob ihr zur Zielgruppe der tierbuchlesenden Mittfünziger gehört: Ne, echt, ehrlich, es lohnt sich, wirklich, ein tolles Buch, versprochen!

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