Kynopolis – eine Stadt für Hunde

„Ich hab geträumt, der Winter wär vorbei
Du warst hier und wir waren frei.
Und die Morgensonne schien.
Es gab keine Angst und nichts zu verlier’n,
Es war Friede bei den Menschen und unter den Tier’n.
Das war das Paradies.“

– Rio Reiser / Ton Steine Scherben – 1972

Vor langer Zeit haben sich die Vorfahren unserer Hunde den Menschen angeschlossen. Warum auch immer sie es taten, sie taten es freiwillig und ohne Zwang. Wahrscheinlich waren es etliche Reste von erlegten Tieren, die wärmenden Feuer oder irgendwelche anderen Annehmlichkeiten in der Nähe unserer Vorfahren. Auch die  Menschen brauchten nicht lange, die Vorteile der Anwesenheit der  Hundevorfahren zu bemerken und ein langer Prozess der Domestizierung und Haustierwerdung des Wolfes begann. Nun sind aus ihnen Hunde geworden – unsere Haushunde – die besten Freunde des Menschen. Das haben sie nun davon!

Die Menschen bauten Ihre Erde immer weiter um, bis zum heutigen Tag. Immer weniger Natur, immer weniger Lebensumstände und Gefahren naturgewachsener Umgebungen und Landschaften. Immer mehr künstliche Gefahren und Barrieren wie Straßen, Autoverkehr, Lärm. Immer mehr asphaltierte Großflächen, immer weniger Wälder und Wiesen. Aber auch die von der Natur verbliebenen Reste, wie zum Beispiel Parkanlagen, Felder und Wiesen, wurden von der Lebenswirklichkeit der Menschen dominiert. Oft wurden und werden unsere besten Freunde von dort ausgeschlossen. Kein Zutritt für Hunde!

Wir erziehen unsere Hunde heute, damit sie leidlich unter Führung und Anleitung in dieser Welt klarkommen. Hunde müssen gehorchen und am Straßenrand wartend sitzen, weil ihnen ihre eigenen Verhaltensregeln keine Sicherheit im Straßenverkehr geben. Hunde müssen leinenführig sein und meistens angebunden neben Menschen herlaufen, weil sie von sich aus nicht in der Lage sind, die Gefahren einer menschengemachten Welt einzuschätzen.

Die Hunde mussten und müssen sich immer wieder anpassen. Die Menschen gestalten eine Welt, die nicht nur für sie selber ungesund ist, sondern auch für unsere Hunde und auch alle anderen Tiere, die sich in dieser übertechnisierten Welt zurechtfinden müssen. Das tun sie seit Jahrzehntausenden, bis zum heutigen Tag. Und sie werden es immer weiter tun, wenn nicht irgendwann etwas entscheidendes passiert.

Es wird Zeit für Veränderungen: Es wird Zeit für eine neue und bessere Welt, in der Hunde bestimmen und die Menschen sich anpassen müssen.

Wir bauen uns eine Stadt für Hunde: Wir brauchen eine Stadt und  jede Menge Landschaft, Wiesen, Wälder und Weiden. Wir brauchen keine Autos und wir brauchen keinen Lärm:

Parkplätze gibt’s außerhalb der Stadt genug, Versorgungsstrecken verlaufen unterirdisch. Lebensmittelmärkte liegen zentral und sind von allen bequem zu erreichen. Hunde haben Vorfahrt. Es gibt keine Hundesteuer, sondern eine staatliche Entschädigung für Menschen mit Hund. Hunde entscheiden selber, bei wem sie wohnen. Hunde sind kein Besitz der Menschen, keine Sache vor dem Gesetz. Sachkunde über Hunde wird Schulpflichtfach. Wer Hunde nicht mag, muss die Stadt verlassen oder sich ein Baumhaus bauen. Vielleicht bauen wir hochgelegte Wege wie Brücken quer durch die Stadt – für die Menschen, die es eilig haben und schnell sein wollen – damit wir die Hunde nicht gefährden. Alles in dieser Stadt sollte mit dem Fahrrad oder zu Fuß bequem erreichbar sein. Und wir brauchen Unterkünfte und Schlafplätze für die Hunde, die keine Lust auf die Gesellschaft von Menschen haben. Wir müssen eine frei zugängliche Wasser und Futterversorgung für die Hunde organisieren und sicherstellen. Wir brauchen ausgebildete Kräfte für die Hunde. Medizinleute, Ausbildungskräfte, etc. – vielleicht sogar vollberufliche Hundeanimateure und Berufsbespaßer für Hunde. Wir brauchen Hospitäler, Pflegeeinrichtungen und lauter geschulte Betreuungskräfte für unsere Hunde. Tiersitten soll eine sehr angesehene Tätigkeit werden. Die Häuser sind alle flach, haben ein grünes Dach mit vielen Pflanzen drauf und viele kleine Türen, die immer offen sind. Hier wohnen die Hunde und die Menschen dürfen mit rein, wenn die Hunde sich für sie entschieden haben!

Wir bauen eine Stadt für Hunde!

Wir könnten ja auch klein anfangen, mit einem kleinen verlassenen Dorf. Einem Dorf, wo noch keiner wohnt. Irgendwo auf der Welt wird es doch ein kleines verlassenes Dorf geben. Muss ja nicht in Deutschland sein. Irgendwo auf der Erdkugel. Sollte nicht zu heiß und auch nicht zu kalt sein – nicht gerade am Äquator oder am Südpol. Auch nicht am Nordpol. Wasser sollte in der Nähe sein – vielleicht ein kleiner Fluss oder Bach. Und die Umgegend sollte geeignet sein für Landwirtschaft. Und Wälder wären auch nicht schlecht. Wiesen uns Weiden für unserer Milchvieh sind Pflicht – weil bei uns wird nicht geschlachtet. Und weil Hühner und Gänse auch viel Platz brauchen, brauchen wir noch mehr grünes Land für uns alle. Ein Lieferant für jede Menge Zaun sollte in der Nähe sein. Und vielleicht stehen in unserem Dorf ja schon alte  Häuser oder Hütten rum, die wir wieder herrichten können. Für einen Anfang wäre das nicht schlecht. Den Rest bauen wir dann selber auf. Also, ein Baumarkt oder ähnliches in der Nähe wäre dann ja auch nicht schlecht.

Viele Fragen gehen mir durch den Kopf:

Haben wir auch Pferde? Die könnten zu den Kühen auf die Weiden, falls wir Kühe haben. Wo lassen wir unsere Autos? In der Hundestadt haben Autos nichts zu suchen. Verlegen wir die Straßen unterirdisch, sozusagen eine zweite Ebene unter der Hundestadt. Und jedes Haus hat dann im Keller seinen Parkplatz? Oder bauen wir riesige Parkplätze vor die Stadt, dann bleiben alle Autos draußen. Neben den Parkplätzen oder auch Parkhäusern brauchen wir Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und ähnliche unmotorisierte Gefährte – park and ride sozusagen. Lassen wir Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu? Führen wir eine Höchstgeschwindigkeit von 7 km/h für die gesamte Stadt ein? – oder noch weniger? Alles andere wäre schon wieder eine Gefahr für Hunde. Haben wir so etwas wie Supermärkte in der Hundestadt? Wie kommen die Waren in diese Märkte und auch wieder raus in die Haushalt? Oder man kauft außerhalb der Stadt ein. Aber dann muss man alles ohne Auto bis nach Hause schleppen. Aber es gibt ja auch Fahrradanhänger!

Wer macht mit?

Lasst uns gemeinsam eine Stadt für Hunde bauen: Eine Stadt wie unsere Hundestadt baut sich nicht von selber! Macht mit und habt Spaß daran, etwas verrückt zu sein und gemeinsam rumzuspinnen. Hier herrscht die Phantasie und jede Idee ist herzlich willkommen!

Lasst uns gemeinsam eine Stadt für Hunde bauen!

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Ich bin hier bloß der Mensch‭ ‬-‭ ‬Geschichten mit Hund
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4 Gedanken zu “Kynopolis – eine Stadt für Hunde

  1. Canisurbicus – Meine Stadt der HundeMan sagt, das was man in der ersten Nach im neuen Zuhause oder Bett träumt wird wahr. Inspiriert durch den Text von Severine habe ich von meiner ganz persönlichen “Stadt der Hunde” geträumt. In ihrem Text, den sie auf ihrem Blog Fabelsch…

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  2. Fallobst für die Hunde 😀 … lecker, gesund und sinnvolle Tätigkeit da sie mit für Ordnung sorgen … Und natürlich alle zusammen. Einer für alle, alle für einen, frei nach den Musketieren … Jeder hat Aufgaben und die Ernte ist für alle. Geld braucht man dann auch keins mehr, so schalten wir gleich die Habgier aus …

    Träume von einer besseren Zukunft …

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  3. Alle Häuser haben Merle-Türen! 😉 das mit dem Gemeinschaftsauto fine ich gut, aber das müsste recht groß sein und dürfte nicht rein in die Stadt, finde ich. Vieleicht einen Parkplatz direkt vor der Stadt und dann müüsen alle mit dem Rad kommen und sich ihre Sachen holen – wie son alter mittelaterlicher Markt! Gemüseanbau und Obstplantagen finde ich auch toll! Aber: jeder für sich oder alle zusammen? In der Stadt oder draußen und drum herum? Draußen hätte den Vorteil, dass man die Hunde nicht unötig einschränken müssten.oder nehmen wir in Kauf, dass di sich selbständig an der Ernte beteiligen?

    Ausbaufähig? Aber sicher doch, will ich doch hoffen! 🙂

    Liebe Grüße zurück
    Severine, Luna und Milow

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  4. Jaaa … gute Idee … Aber Autos brauchen wir keine … Wir versorgen uns selber, bauen alles selber an. Vielleicht ein Gemeinschaftsauto, damit fahren wir alle paar Monate mal in die nächste Stadt und kaufen, was wir nicht anbauen können … Und rund um unser kleines Dorf herrscht Autofahrverbot, dann können unsere Hunde immer frei rumlaufen … Und unsere Häuser bekommen Hundetüren … wie der Merle eine hatte …

    Sehr ausbaufähig 😀
    Liebe Grüße
    Anke, Lucy und Leo

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Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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