In der Stadt

Gestern sind wir in der Stadt gewesen, da wo ganz viele Hunde und Menschen herumlaufen und es überall ganz toll riecht – aber auch wirklich überall. Mir gehört da jetzt jeder Laternenpfahl, ich habe mich allen Hundekollegen laut und deutlich vorgestellt und vor der Sparkasse habe ich einen großen Haufen gemacht. Das würde schon passen, hatte das Fraule gesagt, und dann hat sie ein ganz komischen Gesicht gemacht, weil sie keine Plastiktüten in der Tasche hatte. Das war lustig!

Erst waren wir mit dem Fahrrad gefahren. Damit ich nicht ganz so nervig sei, hatte die sich sovorgestellt, und damit ich schön ausgelastet sei. Dann hatten wir das Rad an einem von meinen Laternenpfählen festgemacht und sind von einem Haus zum anderen gelaufen, die da dicht an dicht rumstehen und meistens wunderbar riechen. Die erste Zeit hatte das Fraule ganz schön an der Leine gezogen, immer nach hinten und etwas später hatte Luna einem großen Schäferhund lautstark ihre Lebensgeschichte erzählt. Das sie ein gefährliches Monstrum mit einer ganz schlimmen Vergangenheit wäre, hatte sie gebrüllt und das Herrle von dem großen Kollegen war schwer beeindruckt. Der hatte dann auch ganz doll an der Leine gezogen – in die andere Richtung !

Milow, der HalunkeIn die meisten Geschäfte, wie die Häuser hier heissen, durfte ich nicht mit rein. Meisten fand ich das doof und habe mir die Zeit damit vertrieben, die anderen, die hier Passanten heissen, nach etwas zum essen zu fragen oder einfach nur anzubellen. Nur vor einem Geschäft fand ich das richtig toll, draußen zu warten: Da standen viele Tische herum wo die Menschen ganz viel von diesem zusammgeklebten Papier draufgestapelt haben, das sie Bücher nennen. Die gehören jetzt auch alle mir! Das Fraule hatte dann mal wieder so ein seltsames Lied gesungen, irgendwen angebrüllt, der wohl hinter mir stand, und etwas von weniger Futter geredet. Keine Ahnung was die hatte, mich konnte sie ja wohl nicht gemeint haben – und ich dachte immer, die würde Bücher mögen. Menschen sind schon seltsam!

Danach sind wir gleich zu einem ganz merkwürdigen Geschäft gegangen, denn dort war nichts anderes drin als ein großer Kasten aus Eisen, der vorne dran geleuchtet hat. Dort holte das Fraule lauter kleine und bunte Zettelchen raus, die wir dann zum Geschäft mit den vielen Büchern brachten. Die hatten sich darüber ganz doll gefreut, nur das Fraule hatte ganz schön schlechte Laune. Aber wenigstens nahmen wir danach meine Bücher mit – warum nicht gleich so? Geht doch!

Luni Luninata Lunip?hSonst sind Luna und das Fraule immer ohne mich dahin gefahren und ich musste Zuhause bleiben und einen riesigen Ochsenziemer vernichten. Wenn das erledigt war, hatte ich mich erstmal aufs Ohr gehauen und eine kleine Weile vergessen, dass ich alleine war. Wenn ich aufwachte, waren entweder Luna und das Fraule heimgekommen, oder ich war gezwungen, mir selber eine kleine Auslastung und Ablenkung zu verschaffen. Hierzu eigneten sich allerlei Schuhe oder Bücher, aber auch die Überprüfung des Mülleimers konnte mich zeitweise mein Alleinesein vergessen lassen – und mir einen vollen Magen verschaffen! Wenn das Fraule dann tatsächlich heim kam, stand ich immer im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Manchmal hat sie mich dann so richtig durch die Wohnung gejagt und dabei laute Geräusche gemacht und Sachen durch die Gegend geworfen, was ich lustig fand. Das war doch schon eine tolle Zeit !

Aber wie Ihr ja schon gelesen habt, sollte seit gestern alles anders werden. Ich wäre ein Zappelhund, hatte ich die sagen hören, und es wäre jetzt an der Zeit, mal was neues kennenzulernen. Boah, hatte ich mich gefreut, als die die große Tasche packte und ich dann auch noch mit durfte. Ich bin gleich losgeflitzt und in alle Richtungen gleichzeitig gehoppst. Natürlich hatte die gleich wieder zu meckern und damit wir überhaupt loskommen, habe ich erstmal den Schnabel gehalten. Das war eine gute Idee, ruckzuck waren wir auch schon draußen und jetzt konnte der Spaß so richtig losgehen. Blöderweise sollte ich mich dann erstmal hinsetzen und ruhig werden, anstatt gleich los zu sausen. Ich solle das jetzt üben, hatte die gesagt, und ich frage mich jetzt noch, was die damit eigentlich meinte. Ruhig werden, damit ich loszuflitzen kann – was für ein Käse!

MilowIn der Stadt hatte die das denn immer wieder so mit mir gemacht. Andauernd sollte ich so doofe Sachen machen, die gar nichts mit dem zu tun hatten, was ich grad im Kopf hatte. Meistens hatte ich das ja gemacht, um meine Ruhe zu haben, aber manchmal waren da einfach wichtigere Dinge und mal ehrlich: Die hätte ja auch mitmachen können, die Laternenpfähle zu bepullern, Kollegen anzupöbeln, in Zickzack hin und her zu laufen und alle Menschen zu fragen, ob sie was Essbares für uns übrig haben. Man gut, dass ich meinen eigenen Kopf habe und weiß was ich will, sonst wäre das wirklich ein langweiliger Tag geworden. Wenn man mit Menschen zu tun hat, braucht man schon stählerne Nerven!

Auf der Heimfahrt sind wir wieder mit dem Fahrrad gefahren und ich sollte die ganze Zeit daneben her laufen, was total blöd war. Das Fraule hatte die ganze Zeit an der Leine gezogen, was mache ich da nur? Beim kleinen Teich legten wir dann eine Pause ein und Luna hatte im Wasser gespielt und ihre Runden geschwommen, wobei sie immer mit dem Schwanz wedelte und dabei fast untergegangen wäre. Sie lernt es einfach nicht! Ich hatte mich auf die Wiese in den Schatten gelegt und so getan, als wenn ich schlafe. Da hörte ich doch, wie die sich mit Luna unterhielt und sich bei ihr für mein Betragen entschuldigte. Ich könne ja nichts dafür, meinte Luna zum Schluss, ich wäre ja nur ein Kerl, der halt alles anpissen müsse, und was solle man sonst auch von so einem Zappelphillip anderes erwarten. Hallo, was war das denn, ich ein Zappelirgendwas? Wir hatten einen tollen Tag, einen so richtig tollen – Basta!

Milow BauchgrummselDa fehlte eigentlich nur noch was Feines im Magen, um den Tag perfekt zu machen. Ich begab mich sofort auf die Suche und, guck mal einer her, da lag doch ein altes Entenbrot im hohen Gras. Die Menschen füttern hier oft die Enten, die gerne mal was für mich liegen lassen, und manchmal muss man sich ganz schön anstrengen, um was zu finden. Aber heute ist einfach ein wunderbarer Tag – mein Glückstag! Ich machte mich mit meinem Brot erstmal vom Acker und suchte mir hinten bei den Bäumen eine ruhige Stelle, sicher ist eben sicher. Luna und das Fraule hatten davon gar nichts mitbekommen und wie sich nach mir umdrehten, fingen sie an, laut nach mir zu rufen und hektisch durch die Gegend zu rennen. Hallo, wer ist hier zappelig?

Bald waren wir dann auch wieder Zuhause und als ich mich brav vor der Küchentür anstellte, wo wir nach unseren Ausflügen immer einen kleinen Imbiss bekommen, da funktionierte das Fraule irgendwie nicht richtig. Was war denn jetzt los, hatte ich etwas falsch gemacht? Wo blieb mein kleiner Snack und wieso machte Fraule die ganze Zeit so ein seltsames Gesicht? Erst als Luna sich zu mir gesellte öffnete sich doch noch die Tür vom tollen Schrank und wir beide zottelte mit unseren Knochen auf unsere Decken. Allerding: Ein wenig kleiner als sonst war er schon, der Knochen – irgendwie schon!

Milow - Sleeping Podengo-StyleHeute würden wir uns dann mal einen ruhigen Tag machen, stellte das Fraule heute früh fest, und bei dem Wort ‚ruhig‘ bekam ich sofort eine kleine Gändeshaut. Wir würden uns heute Nachmittag fein ins Bett legen, ein schönes Buch schmökern und dabei Streuselkuchen mampfen. Puh, ist mir da ein Stein von der Seele gefallen, denn genauso stelle ich mir einen ruhigen Tag mit Luna und dem Fraule vor. Vor allem, weil der Kuchen so toll krümelt!

2 Gedanken zu “In der Stadt

  1. Wie schön geschrieben … besonders weil ich mir die Gefühle dazu gut vorstellen kann 😉 Auf ähnliche Weise habe ich mal ein paar Stiefel IN einem Geschäft gekauft – ist zum Glück schon viele Monde her.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

    Gefällt 1 Person

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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