Es ist was es ist – von Rosa Hackl

Teil IX unserer Reihe Beschreibungen eines Gefühls: Rosa Hackl stellt sich heute die Frage warum man einen Hund liebt und findet viele Antworten. Sie ist die Gründerin von DOGnews und gibt im Team mit der Hundezeitung WUFF das Hundemagazin WUFFnews heraus. … Wir wünschen Euch erneut eine gute Unterhaltung und viel Freude beim Lesen!


Warum liebt man einen Hund?

Liebe hinterfragen ist nie eine gute Idee, das hat schon Erich Fried erkannt und dass mag ihn inspiriert haben zu seiner bekanntesten Ansammlung von Wörtern, die man Gedicht nennt:

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Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe


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Das meiste davon ist anwendbar auf unsere Beziehung zum Hund, abzüglich der sogenannten „Beziehungskiste“, denn natürlich sind unsere Hunde keine Menschen und daher führen wir mit ihnen andere Beziehungen als mit einem menschlichen Partner. Die sexuelle Komponente scheidet aus, die Gefahr der Untreue ist gering, das Verlassenwerden eher selten, wenn dann ist es der Mensch der geht.

Mensch und Hund ist eine faszinierende Symbiose, so unterschiedliche Wesen, der Zweibeiner und der Vierbeiner, die doch zu einer Seele werden können. Die sich im stillen Einverständnis ein Leben teilen, voneinander lernen und sich mit fortschreitender Beziehung immer ähnlicher werden.

Man sagt auch, der Hund spiegelt den Menschen, das ist wohl wahr, unsichere Menschen haben oft unsichere Hunde, grantige Menschen meist einen knurrigen Vierbeiner.

Und unsere Hunde sind Lehrmeister, sie verändern uns und sie verändern unser Leben, wenn man sich auf sie einlässt. Heinz Rühmann hat gemeint, ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es sei nicht lebenswert. Aus meiner Sicht, er hat wohl recht. Denn ein Vierbeiner ist eine unheimliche Bereicherung. Hat man das Glück mit Hunden aufwachsen zu dürfen, dann fühlt sich ein Leben ohne Vierbeiner leer an. Ich habe schon als Kind mit meinem Hund die Wälder durchstreift, die Hundehütte und, nach erfolgreichen Protest, auch das Bett geteilt. Es war eine schöne, erfüllte Kindheit, eine an die ich mich gerne erinnere. In meiner Sturm und Drangzeit, der Zeit wo der Mensch viele Dummheiten macht, da war ebenfalls ein pelziger Begleiter Teil meines Lebens und vermutlich, habe ich dadurch viel weniger dumme Dinge getan, als man das sonst vielleicht tut. Und auch als das Leben ruhiger und vertrauter wurde waren sie, die Hunde, meine vertrauten Gefährten. Immer genau der richtige Hund zur richtigen Zeit.

In meiner Sturm und Drangzeit war ebenfalls ein pelziger Begleiter Teil meines Lebens und vermutlich habe ich dadurch viel weniger dumme Dinge getan.

Man sagt es gibt den „Seelenhund“, das mag stimmen, aber es gibt nicht nur den einen, es gibt Hunde die uns prägen, die uns zu besseren Menschen machen und es gibt Hunde die vielleicht weniger Eindruck hinterlassen, aber blickt man zurück, merkt man dass auch sie ein wichtiger Teil des bereits gegangenen Weges waren, der ohne sie, vielleicht die eine oder andere Biegung genommen hätte.

2Ich habe Hunde seit ich denken kann, aufgewachsen mit Hunden, die Kindheit verbracht mit Hunden, die Pubertät überlebt mit Hunden, erwachsen geworden mit Hunden und ich denke ich werde auch alt werden mit Hunden. Denn ein hundeloses Leben ist für mich nicht wirklich verlockend, ich bin gerne frei, aber an den Hund an den binde ich mich gerne. Und Hunde, das bedeutet Bindung. Denn nicht nur der Vierbeiner bindet sich an den Menschen, er erwartet, dass auch der Zweibeiner es tut, nur dann ist er ein glücklicher Hund. Unsere pelzigen Freunde wollen jeden Moment mit uns teilen und wenn wir uns ihnen zuwenden, strahlen ihre braunen Augen vor Glück.

Je älter sie werden, umso besser lernen sie uns zu manipulieren, sie sind gnadenlose Opportunisten die alle Tricks anwenden um das zu bekommen, was sie wollen, ich bin sicher, wir durchschauen nicht einmal die Hälfte davon. Manchmal haben wir eine Ahnung, und dann lassen wir diese Manipulation mit einem Lächeln passieren, es tut ab und an auch gut manipuliert zu werden.

Treu sind sie, die Vierbeiner mit den braunen Augen, anders als der Mensch, haben sie kein Problem sich festzulegen und wie selbstverständlich ihr ganzes Leben mit einem Menschen, ihren Menschen, zu teilen. Das unterscheidet den Vierbeiner vom eher flatterhaften Zweibeiner, diese Treue, ein Leben lang. Manche Menschen sind undankbar, sie gehen und lassen ihre Vierbeiner zurück, dann bricht ein Hundeherz. Ich habe das nie getan, viel zu spannend, viel zu schön ist es einen Hund in all seinen Lebensphasen zu begleiten, denn auch als alternde Diven haben unsere Freunde mit der Kühlen Schnauze ihren Reiz.

Es gibt eigentlich nichts Schöneres als sein Leben mit einem Hund zu teilen. Ich bin da wie Rühmann, ich versteh nicht warum dass nicht jeder tut.

Natürlich brechen sie einem das Herz wenn sie gehen, leider ist ihre Lebensspanne nicht lang, jedenfalls nicht lang genug. Es kommt der Tag an dem man sie gehen lassen muss, dann nehmen sie immer ein Stück Herz mit, aber sie lassen auch ein Stück Herz zurück, eines das mit Liebe gefüllt ist, einer bedingungslosen Liebe, einer reinen Liebe, einer die keine Worte braucht. Und natürlich weint man, aber wenn der erste Schmerz abklingt und Raum frei wird für die Erinnerung, dann merkt man, dass man wieder ein Stück gewachsen ist, ein bisschen liebender geworden ist und dann lächelt man, wenn man an den gegangenen Vierbeiner zurückdenkt.

1Es ist Liebe die einen verbindet, mit dem Hund. Eine die man nicht erklären kann, die aber auch keine Erklärung braucht, eine die einfach ist. Und da ein Hundeleben kurz ist und unsere Hunde nicht über Liebe sprechen, sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen. Es reicht einfach jeden Tag zu leben und den Reichtum zu spüren, den ein Hund gibt.

Wenn ich in die Augen meines Hundes schaue und sich unsere Stirn berührt, dann verbindet uns ein Gefühl das man nicht in Worten fassen kann, eins das den ganzen Menschen ausfüllt und wohl auch den Hund. Ein kurzer stiller Moment, eins sein miteinander, glücklich, entspannt. … Es ist was es ist, und es ist schön !!

(Alle Copyrights an den Fotos und dem Text des Artikels liegen bei der Autorin Rosa Hackl)


„Treu sind sie, die Vierbeiner mit den braunen Augen, anders als der Mensch“ und noch so viel mehr wunderbare Worte! Vielen lieben Dank an Rosa und ihre vierbeinigen Freunde für diesen tollen Artikel.

Morgen lesen wir von  Katharina Queisser vom Zentrum für Hundewissen und sie schreibt über die Liebe zu ihrem Freund Pepno. Sie berichtet über gemeinsames Lernen, gegenseitiges Verstehen und darüber, dass Liebe manchmal ihre Zeit braucht und wachsen muss. … Ein wunderschöner Artikel und wir freuen uns drauf!