Der Tod gehört zum Leben … – von Anja Kiefer

Heute lesen wir von Anja Kiefer über die Themen ‘Tod und Abschied’ und über ihre Erfahrungen und Gedanken dazu, die sie mit uns teilt. Sie ist Inhaberin der Werbeagentur Hundeimpressionen und Herausgeberin des Hundemagazins Mein Herz bellt und hat ihr Leben schon mit vielen Hunden an Ihrer Seite geteilt. … Sie schreibt in unserer Reihe Beschreibungen eines Gefühls und wir freuen uns auf einen herzlichen und sehr hilfreichen Artikel!

SAnja mit Schneggchen (Amber)icherlich möchten wir keine Sekunde im Leben mit unseren vierbeinigen Freuden missen, dennoch, wenn die Zeit kommt um Abschied zu nehmen (und manches Mal kommt sie wirklich ohne vorherige Anzeichen) ist es immer wieder schlimm. Man gewöhnt sich nie an diesen Augenblick, aber mit gewissen „Vorbereitungen“ ist dieser Augenblick und die Zeit danach zumindest etwas erträglicher.

Mit etwas Vorbereitung kann jedoch dieser Schmerz im Zaum gehalten und sich in der entscheidenden Situation einzig um den Hund gekümmert werden!

Hier möchte ich meine Erfahrungen zu diesem Thema aufzeigen. Es gibt unterschiedliche Arten von Abschied nehmen: plötzlich und unerwartet, im Alter von allein oder nach Rücksprache mit dem Tierarzt, aus Liebe zum Tier getroffen. Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig. Egal, um welche Art es sich handelt, es ist immer zu früh, niemals gerecht und der Schmerz ist nahezu unerträglich. Mit etwas „Vorbereitung“ in Form von Wissen aneignen kann jedoch dieser Schmerz im Zaum gehalten und sich in der entscheidenden Situation einzig um den Hund gekümmert werden.

AnakinUnser Anakin verstarb binnen 24 Stunden an nicht zu stoppendem Brechdurchfall. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade zehn Monate alt. Er verstarb in der Klinik. Allein! Wir hatten uns gerade auf den Heimweg gemacht um unsere anderen Hunde zu versorgen. Gerade dort angekommen erhielten wir die Nachricht: „Anakin ist soeben verstorben.“ Es war der 19.12.2004, der dritte Advent.

Wie das Weihnachtsfest in diesem Jahr ausgefallen ist, kann sich sicher jeder denken …

Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich mit dem Thema „Abschied nehmen“ auseinander gesetzt. Wie kann ich handeln, wenn es passiert? Ich wollte, dass alle meine Hunde bei uns im eigenen Garten begraben werden. Nur sind unsere Hunde zu diesem Zeitpunkt Deutsche Doggen und einen 90 KG Hund vergräbt man nicht so einfach im Garten. Anakin war da die „rühmliche“ Ausnahme, da er noch ein Junghund mit entsprechendem Gewicht war („nur“ 60KG). Als wir ihn noch am Abend seines Todes, nach Hause holten haben wir im Garten ein Grab ausgehoben und ihn dort beerdigt. Ich hatte wirklich Panik, dass unsere anderen Doggen Anakin im Sommer womöglich ausgraben könnten. Und von daher war mir klar:

Es muss eine andere Möglichkeit geben!

CamelotIch informierte mich und so stieß ich auf die Möglichkeit des Einäscherns in einem Tierkrematorium. Das wir dieses nur 14 Monate später in Anspruch nehmen mussten, war schrecklich. Unser Camelot ging am 14.02.2006 plötzlich und unerwartet von uns: Er fiel einfach um und war sofort tot. Mit noch nicht einmal fünf Jahren! Dieses Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und auch nach so vielen Jahren ist es noch präsent. Unsere Kira, sie war Camelots Schwester, und ihre Tochter Amber haben nur kurz an ihm geschnuppert und sich dann ihrer Wege getrollt.

So als wäre es das natürlichste und normalste der Welt. …

Für uns war dies jedoch eine Schocksituation und wir haben nur noch mechanisch gehandelt:

Camelot wurde auf ein Tuch gelegt, zu zweit haben wir, mein Mann und ich, hn ins Auto getragen und ins ca. 70km entfernte Tierkrematorium gebracht. Die Fahrt, um unseren geliebten Hund zum Einäschern zu bringen, schien keine Ende zu nehmen. Vor Ort wurde dann die Urne ausgesucht und alles Weitere besprochen.

Erst als Camelot aus unserem Auto geholt und in ein Körbchen gelegt wurde, ging bei mir gar nichts mehr. Meine Tränen liefen unaufhörlich. Eine Woche später wurde uns dann die Asche von Camelot nach Hause gebracht. Dabei haben der Tierbestatter und ich uns noch unterhalten, wie schlimm diese Situation ist, was man vielleicht schon im Vorfeld „regeln“ könnte.

KiraFast auf den Tag genau ein Jahr nach Camelots Tod ist unsere Kira verstorben. Sie hat eine Operation, die aufgrund einer Magendrehung notwendig war, nicht überlebt. Unmittelbar nach dem Anruf der Klinik rief ich beim Tierbestatter an und bat ihn, Kira aus der Klink abzuholen. Bevor er dort ankam sind mein Mann und ich noch in die Klinik gefahren und haben von Kira Abschied genommen. Der Tierbestatter hat uns die Urne mit Kiras Asche dann eine Woche später wieder nach Hause gebracht.

Zum ersten Mal mussten wir diese Entscheidung selbst aktiv treffen:

Unsere Amber mussten wir am 07.11.2011 einschläfern lassen. Zum ersten Mal mussten wir diese Entscheidung selbst aktiv treffen. Unsere Tierärztin wurde vormittags angerufen und sie sagte zu nach Dienstschluss vorbeizukommen. Unseren Tierbestatter hatten wir informiert, so dass sichergestellt wurde, dass Ambers sterbliche Überreste noch am selben Abend bei uns Zuhause abgeholt wurden.

AmberAls „es“ soweit war hielt ich den Kopf von meinem geliebten „Schneggchen“, mein Mann streichelte ihr den Popo. Archy, ihr Bruder, den wir zwischenzeitlich wieder zurückbekommen hatten, gesellte sich ebenfalls zu uns. Einzig unsere Amy (Milli-Mi), eine kleine Mischlingshündin aus dem Tierschutz, die wir nach Kiras Tod bei uns aufnahmen, war nicht davon zu überzeugen, bei uns zu bleiben. Das musste sie auch nicht und sie trollte sich ins Schlafzimmer. Kurze Zeit nachdem Amber gegangen war kam der Tierbestatter zu uns. Wir haben uns noch eine gute halbe Stunde unterhalten, bevor Amber dann in das mitgebrachte Körbchen gelegt wurde.

Diese Situation war überhaupt nicht mehr schrecklich. Sicher, getrauert haben wir, aber dieser Abschied war würdevoll, friedvoll und ruhig von statten gegangen. …

Einzig, als Amber dann aus dem Haus getragen wurde, habe ich darum gebeten, mich bereits vorher verabschieden zu dürfen. Mit Archy und Amy bin ich ins Zimmer nebenan gegangen, während mein Mann und der Tierbestatter Amber aus dem Haus trugen. Die Urne mit Ambers Asche haben wir eine Woche später im Krematorium abgeholt. Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns auch das gesamte Krematorium ansehen. Es gibt sicherlich schönere Orte, aber wenn man weiß, mit wieviel Liebe und Respekt dort die sterblichen Überreste kremiert werden, verliert auch dieser Ort seinen Schrecken.

Archy2Unseren Archy mussten wir am 08.09.2013 gehen lassen. Leider genau so, wie ich es nie wollte. In einer unbekannten Tierklinik. Wir sind am 08.09.2013 umgezogen und gerade so, als ob unser „Öpi“ (mit 9,5 Jahren durften wir ihn liebevoll so nennen) nur noch mal sehen wollte, wo es uns hin verschlagen hat. Meine einzige Sorge, wo finde ich einen Tierbestatter? Also wurde, während der Fahrt in die Tierklinik bei unserem „alten“ Tierbestatter angerufen, die Situation geschildert und dieser hat dann alles Weitere für uns organisiert – aus 550km Entfernung! Die Urne mit unserem Öpi wurde dann von uns auf einer Heimfahrt in unser „altes“ Zuhause bei unserem Tierbestatter abgeholt und ebenfalls zu den anderen DoDo´s in unserem Garten beigesetzt.

Abschied nehmen ist immer schwer, …

… aber ich bin überzeugt: Wenn man sich rechtzeitig mit dem Thema „Abschied für länger“ befasst und Informationen einholt verliert der Tod etwas von seinem Schrecken!

(Alle Rechte am Text und an den Fotos liegen bei der Autorin Anja Kiefer)

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Vielen lieben Dank an Anja für diesen schönen Artikel zu einem schweren Thema – auch dafür, dass Du Deine sicher nicht immer leichten Erfahrungen mit uns geteilt hast!

Morgen lesen wir von Eva Heynen die uns erzählt warum sie Hunde liebt – vor allem ihren Freukeks und Nervzwerg Amy. In den Vereinen Soka Run e.V. und Foreningen Fair Dog kämpft sie für die Abschaffung der Hunderasselisten und damit gegen die Hunde-Rassendiskriminierung. … Freut Euch mit uns auf einen liebenswerten und unterhaltsamen Artikel!

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Anmerkung von Anja:

Wer sich überlegt diese Rasse als „Statussymbol“ zuzulegen, dem sei klar gesagt: Finger weg!

ArchyDiese Hunde sind keine Anfängerhunde, diese Hunde sind keine pflegeleichte Rasse. Dafür sind sie gesundheitlich recht anfällig, teuer in der Haltung und die Tierarztkosten bemessen sich immer an der Größe des Hundes. Wer sich diese Rasse in die Familie holen möchte, obwohl ihm bewusst ist, dass eine Dogge in den seltensten Fällen über sieben Jahre alt wird; wer bereit ist, sich der Verantwortung zu stellen, die seine solche Rasse mit sich bringt; wer die Kosten tragen und die Nerven aufbringen kann, diese Hunde auch medizinisch immer optimal zu versorgen: Dem sei das Finden eines verantwortungsvollen Züchters gegönnt.

Dennoch haben wir uns damals (zugegebener Maßen etwas „blauäugig“) in diese Rasse verliebt und in der Zeit von 2001 bis 2013 sehr viel Erfahrungen rund um den „Apoll“ unter den Hunden sammeln dürfen – um nicht zu sagen: müssen.

Wir möchten keine Sekunde davon missen!

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