Ich bin hier bloß der Mensch

Anne, Milow und LordicIch bin hier bloß der Mensch und ich habe einen Job zu machen – einen beinharten Job, könnte man so sagen:

Ich renne den halben Tag wie angestochen durch die Gegend, fahre mit dem Fahrrad etliche Kilometer und bin hier für alles verantwortlich. Dafür, dass der Kühlschrank immer voll ist, und dafür, dass wir alle gesund und fit bleiben. Ich rühre jeden Tag frisches Futter für meine beiden Süßen zusammen und mache mir Gedanken, ob sie auch alles bekommen, was sie für ein langes und gesundes Leben brauchen. Ich schleppe bergeweise Einkaufstüten ins Haus und verstecke alles an geheimen Orten, nur um es dann häppchenweise zu verteilen und am nächsten Tag wieder loszufahren.

Die Hunde schlagen sich erst mal den Bauch voll und legen sich zum Verdauen hin.

Ich sauge die Wohnung, bis der Staubsauger glüht, und ich ich wasche jeden Tag ab, damit wir von sauberem Geschirr essen können. Luna und Milow werden regelmäßig gebürstet und der Milow wird ab und zu sogar mal gewaschen. Jeden Tag nehme ich erneut den Kampf gegen die Fussel und ähnlichem Gesocks auf, nur um zu verhindern, dass sich unsere Wohnung mit der Zeit in einem Flokati verwandelt. Im Sommer trage ich im Rucksack immer mehrere Hundebürsten mit mir rum – für jeden Hund eine eigene und ganz spezielle! Ich tausche regelmäßig die Hundedecken aus, von denen ich unzählige besitze, weil hier irgendwie jede Decke eine Hundedecke ist.

Die Hunde nutzen die Zeit zum Dösen und zum weiterfusseln.

Ich bin mit etlichen Tierärzten per „Du“ und die kleinste Veränderung am Verhalten meiner Lieben löst in mir einer riesigen Stapel Sorgen und taglanges Grübeln aus. In meinem Handy sind gefühlte einhundert Notfall-Nummern gespeichert und wenn es drauf ankommt, ist das Internet mein bester Freund. Hat der Milow vorhin nicht gehumpelt? Lunas Fell sieht heute irgendwie total strubbelig und stumpf aus! Ich sollte bei beiden dringend mal wieder die Zähne kontrollieren und vieleicht wäre es ja doch besser, ihnen regelmäßig die Beisserchen zu putzen. Vieleicht haben sie ja schon länger irgendetwas und ich Döspaddel habe es bisher nur nicht bemerkt. Bin ich ein gutes oder ein schlechtes Fraule?

Die Hunde sind mittlerweile eingeschlafen, schnurcheln zufrieden vor sich hin und träumen von saftigen Mammut-Steaks.

Bin ich eine gute Scheffin? Sollte ich überhaupt eine Scheffin sein? Dieses mit dem Rudel- und Alpha-Dings ist ja sowas von out. Oder ist es inzwischen schon wieder in? Die kynologischen Forscher (was ist das eigentlich?) können sich ja einfach nicht einigen und alle hacken aufeinander rum – alle anderen auch! Jetzt habe ich ein ganz modernes Hundebuch gelesen, eines über Hunde-Erziehung und da steht fast genau das drin, was in meinem alten Buch von 1971 auch drin steht. Also Bauchgefühl ist auf jeden Fall hipp und Cool-Sein in jeder nur denklichen Situation auch. Das gefällt mir, ist aber auch nicht gerade neu! Lese ich zuviel doofe Bücher? Bin ich ein Hundeerziehungs-Depp oder habe ich es richtig gut drauf? Fünfunddreißig Jahre Hundehaltung könne sich doch nicht täuschen – im Bauch, meine ich! Mache ich mir zuviele Gedanken?

Den Hunden ist es wurscht! Hauptsache einen vollem Magen, einen warmen Pennplatz und genug Kollegen zum verkloppen.

Ich plane unsere Gassirunden, manchmal richtige Ausflüge mit Picknick und Co. und manchmal nenne ich diese sogar Abenteuerreisen. Ich bin über die regionale Großwetterlage stets informiert, besitze für jedes Wetter mehrere Garnituren passender Kleidung (auch für die Hunde) und ärgere mich jedes mal, wenn das Wetter sich anders als geplant verhält. An der Wand im Flur hängt ein großer Plan, in dem ich alle unsere Aberteuerreisen einzeichne, und wenn wir neue Strecken entdecken, freue ich mich jedes mal wie ein kleines Kind.

Die Hunde stehen vor der Tür und wollen mal kurz raus.

Ich mache mir Gedanken über die Auslastung meiner Hunde. Ob sie auch genug Kontakt zu Artgenossen haben, wie es heute so modern heisst, und, ob sie auch genug Auslauf ohne störende Leinen und menschliche Stimmen haben. Oft denke ich, dass wir doch mal wieder einem Hundesportverein beitreten könnten – ganz so wie früher. Mantrailing und Obidience halte ich dann für gute Ideen, aber irgendwie siegt immer wieder der innere Schweinehund und sein Kumpel, das schlechte Gewissen, kommt zu Besuch. Dann bin ich mir doch wieder sicher, dass ich genug mit den beiden unternehme und sie an meiner Seite sehr viel erleben. Morgen könnte mit ihnen ich ja mal wieder zu ihrem Lieblingsgeschäft fahren und die Spielzeugkiste (noch) weiter auffüllen. Oder wir machen uns mal einen ruhigen Tag, denn das brauchen die Rabauken auch mal. Gedanken über Gedanken!

Die Hunde machen derweil ein Nickerchen und überlegen mal kurz, ob schon Essenszeit ist.

Bin ich aufmerksam genug und bekomme ich alles mit, was die beiden mir sagen wollen? Wollen die mir überhaupt was sagen? Biete ich ihnen genug? Haben sie Spass an ihren Leben und nehmen wir alles mit, was für ein zufriedenes Hundeleben wichtig ist? Wie oft bin ich mit meinen Gedanken ganz woanders und, wenn ich wieder hinschaue, ist schon wieder ein ganzer Schwung Zeit vergangen. Immer im Pendelverkehr zwischen guten Vorsätzen und der Sorge, nicht genug oder vieleicht auch zu viel mit ihnen zu unternehmen. Überfordere ich die beiden machmal? Der Milow läuft nicht so gerne am Fahrrad und möchte lieber den Wald auf den Kopf stellen. Der Luna steht im Wald zu viel nasses Grünzeugs rum und sie liebt es, neben mir am Rad zu laufen. Die beiden sind so verschieden und doch so gleich! Mache ich alles richtig?

Die Hunde schauen mal kurz hoch und überlegen, ob es sich lohnt, aufzustehen – danach drehen sie sich auf die andere Seite.

Ich schreibe alles auf, was wir so erleben. Also das, was ich erlebe, und wie ich mir so vorstelle, was Luna und Milow erleben. Auch das, was ich früher schon mit anderen Hunden erlebt habe – oder mit den Hunden von andren Leuten. Ich achte immer darauf, dabei höchst kompetent zu wirken und trotz allem Unwissens, nicht allzu blöde da zu stehen. Manchmal stelle ich mir vor, wie Luna oder Milow die Dinge so sehen würden, die mich gerade beschäftigen. Dann schreibe ich das so auf! Dabei bin ich dann immer sehr froh, dass die beiden das nicht lesen können. Nicht, dass es mir peinlich wäre (oder doch?), aber lesen können brauchen die ja nun wirklich nicht auch noch.

Die Hunde sind inzwischen fest eingepennt und ich frage mich, ob ich heute abend mal alleine Gassi gehe.

Ich bin hier bloß der Mensch und ich habe einen beinharten Job, aber manchmal denke ich: Von deinen Hunden könntest Du eine Menge lernen. Luna und Milow schauen mich an und stellen fest, dass sogar ich mal gute Gedanken habe, wenigsten einmal!


Luna & MilowMoin Moin!

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Yeah! und schön, dass Ihr uns hier besucht habt. Wir freuen uns auf ein Wiederlesen! … Luna Luninata und der Milow H. Halunke.