Luna & der Weihnachtsmann

Der Artikel ‚Luna und der Weihnachtsmann‘ entstand im November 2012 und war einer der ersten, die in der Öffentlichkeit größere Beachtung fanden. Nach Seelenhunde und  Hundemensch gehört er zu den beliebtesten Texten der Fabelschmiede! Heute und fast drei Jahre später schicken wir ihn in einer neuen Fassung wieder los: Schenkt Euren Kindern keine lebenden und fühlenden Wesen als Spielzeug, und schon gar nicht zu Weihnachten!

Luna vor der OPLuna ist ein kleiner Hund, deshalb nennen wir sie oft Klein Luna. Luna wiegt heute so ungefähr 7 Kilo – mal mehr und mal weniger! Luna ist heute sechs Jahre alt und als sie vor drei Jahren zu uns kam wog sie keine 4 Kilo. Luna ist nicht doppelt so groß geworden – das tun Hunde in dem Alter nicht mehr, wie wir alle wissen. Luna ist auch kein dicker Hund geworden – das wissen alle, die Luna kennen und mal bei uns waren. Trotzdem hat Luna zugenommen! Und warum das so ist, ist eine lange Geschichte, in der eine kleine Seele drei lange Jahre leiden musste. Junge Menschen, eigentlich noch Kinder, mussten straffällig werden, damit diese Geschichte überhaupt aufgeschrieben werden konnte.


IMG_0037Es ist eine kurze Geschichte, weil sie schnell erzählt ist – und es ist eine lange Geschichte, die sehr schmerzt, weil sie sich durch die Dummheit vieler Menschen jedes Jahr neu erfindet.

Und heute ist ein guter Tag diese Geschichte vom ungeliebten Weihnachtsgeschenk zu erzählen – denn bald ist Weihnachten!

Die Geschichte von Luna geht so:

Luna war ein Geschenk vom Weihnachtsmann! Luna war ein Geschenk für vier Kinder im Alter zwischen 2 und 10 Jahren, weil diese Kinder sich so sehr einen Hund wünschten und Weihnachten vor der Tür stand. Eine Anzeige in der Zeitung brachte den Eltern die Erlösung und eine Wochenendfahrt in den Harz beendete das Begehren der Kinder. Luna war erst sechs Wochen alt und der Züchter machte gerne einen Sonderpreis, um den kleinen Unfall loszuwerden, den Nachbars Rüde im Zuchtbetrieb verursacht hatte. Eine glückliche Familie fuhr nach Hause zurück –und für einen kleinen Hund begann das Grauen!

hp 3Der anfängliche Spaß am kleinen Tier ließ wohl sehr schnell nach. Auch solch ein junger Hund lässt sich nicht alles gefallen, lässt sich nicht in irgendwelche Tüten oder Taschen stopfen, wie eine Spielpuppe an- und ausziehen oder bei Bedarf überall mit hin schleppen. Hunde lassen sich nicht einfach abschalten und Hunde machen auch Arbeit und bringen Verpflichtungen. Irgendwann fing Luna an sich zu wehren und diese Familie kam zu dem Schluss, das ein Hund kein gutes Spielzeug für Kinder sei.

Anfänglich noch durchwachsen von sporadischen Freigängen im kleinen Garten, wurde Luna für den Rest des Tages ein Platz im Keller zugewiesen. Während ihrer Freiläufe stand sie gern am Zaun und machte lautstark auf ihr Alleinsein und ihren Wunsch nach Gesellschaft aufmerksam. Vor allem, wenn andere Hunde vorbeikamen, legte sie sich so richtig ins Zeug. Nachbarn beschwerten sich, die Kinder mochten sie auch nicht mehr und der kleine Hund wurde immer seltener in den Garten gelassen. Luna wurde immer häufiger in den Keller verbannt und irgendwann wurde auch die Türe dorthin geschlossen gehalten. Für die Notdurft musste ein selten gereinigtes Katzenklo reichen. Manchmal, wenn Besuch von anderen Kindern da war, wurde Luna aus ihrem Verließ geholt. Guck mal, wir haben einen Hund, hieß es dann, und sie wurde zum Spielen mal kurz wieder rausgekramt. Genau das war irgendwann Lunas Rettung, genau deshalb erfuhren wir von ihrer Existenz.

Luna Blue TausendschönZwei junge Menschen waren zu Besuch und schützen vor, mit Klein Luna eine Runde um den Block gehen zu wollen. Sie kamen nie wieder zurück – diese Gassirunde dauert bis heute an. Luna wurde gerettet, zwei junge Menschen wurden vom Gericht dafür hart bestraft und wir bekamen nach langen und endlosen Streitigkeiten die Gelegenheit, Luna ihrer alten Familie abzukaufen – was natürlich auch so geschah!

Als das kleine Mädchen zu uns kam, war sie krank – keiner hatte es bemerkt! Sie hatte hochgradig Fieber, war völlig abgemagert und der Bauch tat ihr fürchterlich weh. Ihre Gebärmutter war entzündet und so aufgedehnt, dass sie kurz vor dem Durchbruch stand. In einer Notoperation wurde Luna ein zweites mal gerettet – von einem Tierarzt, der heute ein guter Freund unserer Familie ist. Er alleine konnte Lunas alte Besitzer davon überzeugen, den Hund an uns zu verkaufen. Erst sein Hinweis darauf, dass noch weitere tierärztliche Behandlungskosten anfallen könnten, brachte uns diesen Erfolg.

Luna nach OPDrei Jahre sind im Leben eines Hundes eine unendlich lange Zeit – vor allem die ersten Drei! Luna ist ein toller Hund geworden, der in der Welt und im Umgang mit anderen Hunden seinen Weg gefunden hat. Aber in ihrem kleinen Kopf, der ganz leicht zweimal in meine linke Hand passt, sitzt sie immer noch im Keller und kann nicht raus. Da ist immer noch der Gartenzaum: sie kann alles sehen aber nicht hingehen! Luna steht oft auf dem Hundeplatz inmitten spielender Hunde und bellt. Sie möchte mitspielen, steht aber auf dem Rasen wie festgenagelt und ruft die anderen zu sich her. Luna kann nicht hinlaufen und mitmachen – sie ist eingesperrt und einsam, weil die anderen nicht kommen und sie nicht verstehen. Wie oft muss sie so in ihrem Keller gesessen und verzweifelt gerufen haben! Mein kleines Mädchen hat so viel gelernt und ist dennoch so oft verzweifelt und unsicher. Wenn Luna auf meinem Schoß liegt und mit mir schmust kommt es mir oft so vor, als wenn sie nicht auf mir liegt, sondern in mir. Was muss dieses kleine Wesen für Ängste in sich tragen, die im Moment erfahrene Liebe wieder verlieren zu können – für immer! Luna mag Dunkelheit nicht – seit drei Jahren brennt bei mir auch in der Nacht eine kleine Leuchte. Dunkelheit macht ihr Angst, denn sie muss immer sehen können, wo ich gerade bin!

GlückspilztagUnser Leben ist durch unser Mädchen reicher geworden! Sie hat bis hierher so unendlich viel gelernt und nachgeholt. – Sie ist jetzt mit sechs Jahren ein richtig großes Mädchen geworden. Und seitdem der Milow bei uns ist, der wie ein großer Bruder für Luna ist, denken wir oft an die Zeit vor drei Jahren zurück.

Damals ging es auch auf Weihnachten zu und in Erinnerung an diese Zeit schließe ich diesen Text mit der Bitte:

Betrachtet Tiere niemals als Spielzeug für Eure Kinder! Wenn ihr selber Tiere mögt, dann gebt Euren Kindern die Gelegenheit, daran teilzuhaben und zu wachsen – dann lebt Euer Leben gemeinsam mit Tieren und bringt Euren Kindern bei, wie es geht!

Schenkt Euren Kindern bitte niemals Tiere zum Spielen – und schon gar nicht zu Weihnachten!!

Den zweiten Teil von Lunas Geschichte erzählt unser Halunke Milow in der Geschichte Der verschenkte Hund, die 2013 erschien. Der dritte Teil Wunschzettel eines Hundes, in dem Luna ihre Geschichte selber erzählt, erschien 2014 in diesem Blog!! … Klickt Euch doch einfach mal durch, es lohnt sich – versprochen!


Aus dem Buch:

Seelenhunde: Geschichten und Gedanken über die Liebe zu unseren Hunden

TwentySix, 1. Auflage (15. März 2016)
ISBN 978-3-95544-005-3
19,90 Euro
Gebundene Ausgabe, 308 Seiten