Eine schicksalhafte Begegnung … von Sabine Ilk

Das fünfte Türchen unseres Adventskalenders Wauzige Wuffnacht 2015 wird heute von Sabine Ilk aufgeschuppst. Sie betreibt das Hundeblog „It’s about DOGS and Chiru“ und sie schenkt uns heute eine ihrer wunderschönen Geschichten: Diesmal über eine engelsgleiche Begegnung, die zwei Leben für immer verändert soll.


Ziellos ging ich von Geschäft zu Geschäft. Mir fiel es schwer die Tage mit Leben zu füllen und am liebsten wäre ich morgens oft einfach liegen geblieben. „Du musst mehr unter Leute gehen“, sagte ich mir immer wieder. Daher hatte ich mir heute vorgenommen, in unserem Lieblings-Café einen Cappuccino trinken.

Bruno2 Schon beim Betreten des Cafés sah ich das es hoffnungslos überfüllt war. Suchend blickte ich mich um und bemerkte eine kleine alte Dame mit silbernen Löckchen, die mir zuwinkte. „Wer ist das?“, fragte ich mich und ging auf die Frau zu. „Bei mir ist noch ein Platz frei. Setzen Sie sich doch!“ „Oje“ dachte ich. Ohne unhöflich zu sein, konnte ich jetzt nicht gehen und so setze ich mich zögernd zu ihr. Doch schon nach wenigen Minuten war ich in ein angenehmes Gespräch mit ihr vertieft. Ohne es zu bemerken erzählte ich der Dame von meiner Angst vor Weihnachten und der Einsamkeit. Ich erzählte von den Reaktionen meiner Bekannten: „Das wird schon wieder.“ „Du bist noch jung genug eine Frau kennenzulernen.“ Ich fühlte mich unverstanden von ihnen. Schließlich wollte ich einfach nur meine Tage mit neuem Leben füllen und nicht mehr so einsam sein. „Ich glaube ich kann Ihnen helfen“, sagte die Dame zu mir und schaute mich mit ihren strahlend blauen Augen an, die so gar nicht zu dem faltigen Gesicht passten. „Ich kenne jemanden der genauso einsam ist wie sie und gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, dringend einen Freund benötigt! Bruno ist ein sehr enger und lieber Freund von mir. Ich bin leider nicht mehr da und wäre beruhigt, wenn ich wüsste er hätte jemanden an seiner Seite“, erzählte die alte Dame. Normalerweise hätte ich so ein Angebot zwar höflich, aber bestimmt abgelehnt. „Aber warum eigentlich nicht?“ dachte ich. „Wo wohnt denn dieser Freund?“, fragte ich, vielleicht kann ich einmal bei ihm vorbeischauen.“ Freudig lächelte die alte Dame mich an. „Das würden Sie wirklich machen? Gleich?“ Ich zögerte. Aber warum eigentlich nicht? Es war 15 Uhr und was hatte ich heute noch vor? „Das mache ich!“, sagte ich der Dame. Geben Sie mir die Adresse dann schaue ich bei Ihren Freund Bruno gleich mal vorbei. Ein glückliches Strahlen ging über das Gesicht der alten Frau. Sie bedankte sich und nannte mir eine Adresse gar nicht so weit vom Café entfernt.

Ich machte mich auf den Weg zur Leopoldstraße 8, die mir die alte Frau als Adresse genannt hatte. Das Haus machte einen verlassenen Eindruck und auf mein Klingeln öffnete niemand.

„Wollen Sie zu Simandas“, sprach mich eine Dame vom Nachbargrundstück aus an. Simanda? Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich ganz vergessen hatte, die alte Dame nach dem Familiennamen von Bruno zu fragen. „Ich suche Bruno“ versuchte ich mein Glück – vielleicht wusste die Nachbarin ja auch so wer gemeint ist. „Bruno suchen Sie?“ Na endlich kümmert sich jemand um ihn, das konnte ja auch nicht so weiter gehen!“ Noch bevor ich nachfragen konnte, drehte sie sich um und ging in Richtung Terrassentür. „Einen Moment“ rief sie mir noch zu „ich hole Bruno“. Ratlos blieb ich an ihrer Gartentür stehen. Nach wenigen Minuten kam sie mit einem großen zotteligen Hund an ihrer Seite zurück.

Bruno3_Welpe„Wurde ja auch Zeit, dass der Hund endlich abgeholt wird. Ich habe der Polizei gleich gesagt, das kann nur eine Notlösung bei mir sein. Sie wissen ja, das städtische Tierheim ist total überfüllt. Was hätte der arme Kerl denn da machen sollen?

Bruno trauert schrecklich um sein plötzlich verstorbenes Frauchen. Drei Tage lag der arme Kerl neben ihr bis sie von der Putzfrau, die einmal die Woche kommt, gefunden wurde. Die arme Frau Simanda hatte ja keine Familie oder Angehörige, nur noch den Bruno, seit ihr Mann im letzten Winter verstorben ist. Aber ich selbst bin mit dem großen Hund überfordert.“ Schnell drückte mir die Frau die Leine in die Hand. Entsetzt schaute ich den riesigen Hund an. Was sollte ich jetzt nur machen? Was hatte die alte Frau im Café mit Frau Simanda zu tun? Warum hatte sie mich im Glauben gelassen, dass Bruno ein Mensch ist. Aber hatte sie das? Hatte sie nicht nur gesagt „ein Freund“ von ihr? Unentschlossen stand ich vor der Nachbarin und suchte fieberhaft nach einer Ausrede warum ich Bruno nicht mitnehmen könnte. Der große Hund hatte die ganze Zeit still neben mir und der Frau gesessen und mich mit seinen braunen Augen beobachtet. Gerade als ich mit meiner Rede beginnen wollte, warum es unmöglich ist, mich um einen Hund zu kümmern, stupste mich der Riese an und leckte mir die Hand. „Das ist aber selten, dass Bruno auf einen fremden Menschen von sich aus zugeht. Normalerweise ist er allen gegenüber sehr schüchtern und zurückhaltend. Kennt er Sie?“, fragte mich die Nachbarin neugierig. Gerade als ich ansetzen wollte von der alte Dame im Café zu erzählen, stand Bruno auf. Er warf mir einen Blick zu und zog an der Leine. Dabei ging er in Richtung Straße, als ob er sagen wollte „Komm, wir gehen jetzt endlich los…“ Und das machten wir dann auch.

Heute drei Monate später bin ich selbst noch überrascht über meinen spontanen Entschluss Bruno mitzunehmen. Die ersten Tage waren anstrengend. Wir mussten unseren gemeinsamen Rhythmus finden und uns kennenlernen.

Kurz vor Weihnachten hetzte auch ich wieder durch die Geschäfte. Aber diesmal nicht um Geschenke zu kaufen, sondern um einen Hundekorb, Fressnäpfe und Spielzeug für Bruno zu besorgen. Gut den Hundekorb hätte ich mir sparen können. Am liebsten liegt Bruno neben mir auf dem Sofa. Ein Hund im Bett, darüber hatte ich früher nur den Kopf geschüttelt. Heute tröstet es mich, wenn Bruno auf der anderen Seite des riesigen Doppelbettes schläft und leise schnarcht. Sogar an den Weihnachtstagen vor denen es mir so graute, hatte ich kaum Gelegenheit dazu traurig zu sein. Ich hatte Heiligabend den großen Fehler gemacht, die Weihnachtsgans mit Bruno zu teilen. Die Folge war, dass der arme Kerl davon Durchfall bekam und wir im Stundentakt raus mussten. Heute kenne ich Brunos Lieblingsfuttersorten und weiß, dass er nur mageres Fleisch verträgt. Mittlerweile haben Bruno und ich viele feste gemeinsame Gewohnheiten und dazu gehört auch die tägliche Runde durch den Stadtpark. An unserer Lieblingsbank sitzen wir dann immer einen Augenblick und beobachten die Enten.

Bruno1Heute sah ich schon vom weiten, dass die Bank besetzt war. Die silbernen Löckchen kenne ich doch, dachte ich, als mir die alte Dame schon zuwinkte. Bruno zog und zerrte an seiner Leine und konnte es kaum abwarten, die Bank zu erreichen.

„Da bist du ja mein Freund“ begrüßte sie ihn und ein Strahlen ging über ihr Gesicht. „Du hast es gut getroffen wie ich sehe, mein Junge“. Bruno leckte der alten Dame begeistert über das Gesicht und der ganze Hundekörper bebte vor Freude. Endlich erreichte auch ich die Bank und setzte mich zu ihr. „Warum haben Sie Bruno nicht selber bei sich aufgenommen. Man sieht doch wie sehr er sie mag?“, frage ich sie verwundert. „Dort wo ich jetzt bin konnte ich ihn nicht mitnehmen“ antwortete sie mir. Bruno legte seinen Kopf mit einem lauten Seufzer auf ihren Schoß und schaute sie lange an. „Er war ein ganz entzückender Welpe“, fing die alte Dame an zu erzählen. Mein Mann hatte sich für ihn entschieden, weil er der größte und schwerste Rüde im Wurf war. Sie kennen ja die Männer. Aber ich verliebte ich mich in diese klugen und sanften braunen Augen.“ Dabei streichelte sie Bruno zärtlich über den Kopf. Bevor ich überhaupt dazu kam, eine Frage zu stellen, stand die alte Dame auf und küsste Bruno auf seine Hundenase. „Leb wohl mein Schatz – ich bin froh, dass du einen neuen Freund gefunden hast. Ihnen möchte ich von ganzen Herzen danken, dass Sie ihr Versprechen gehalten haben. Jetzt muss ich leider gehen.“ „Werden Bruno und ich Sie noch einmal wiedersehen?“, fragte ich sie. „Nein, leider nicht, aber jetzt wo ich weiß, dass es Bruno gut geht, fällt es mir leichter zu gehen.“ Traurig verabschiedete ich mich von der alten Dame. Bruno schaute der kleinen Gestalt lange nach.

Doch dann er stand auf, schaute mich an und wedelte mit dem Schwanz, als ob er sagen wollte: „Komm mein Freund lass uns auch nach Hause gehen“. Das haben wir dann auch getan. Die alte Frau mit den silbernen Löckchen haben wir nie wiedergesehen, dabei hätte ich ihr so gerne noch einmal danke dafür gesagt, dass sie meinem Leben einen neuen Sinn gegeben hat, indem sie mir ihren Bruno anvertraute.

(Alle Rechte am Text und an den Fotos liegen bei Sabine Ilk)


Vielen lieben Dank an Sabine Ilk für diese weihnachtliche und schöne Geschichte über eine engelsgleiche Begegnung.

Morgen öffnet Katharina von der Leyen, Autorin und Journalistin beim Hundemagazin Lumpi4, für uns das sechste Türchen unseres Adventskalenders. Ein ganz besonderer Tag … und das nicht nur weil der Nikolaus kommt, um die zweite Kerze an Fabelschmiedes Adventskranz anzuzünden.


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