Ballade vom Weihnachtsgeschenk … von Hannelore Nics

Logo - Mariposa VerlagDas zwanzigste Türle unseres Adventskalenders Wauzige Wuffnacht 2015 öffnet heute Ursula Strüwer vom MariPosa Verlag und von Blog Tiergeschichten24. Wir danken ihr vielmals, dass sie uns dieses wunderschöne Gedicht von Hannelore Nics zur Verfügung gestellt hat. Es erschien – in leicht abgewandelter Form – in ihrem Buch Gassi Impressionen und wir wünschen Euch eine gute Unterhaltung und anregende Lektüre. …

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Weihnachtsgaben machen Spaß,

auch die Hunde wissen das.

Merlin liegt wie angeschossen

drin im Korb und ist verdrossen.

Niemand scheint daran zu denken,

ihm zur Weihnacht was zu schenken.

Auf den vielen Päckchen drüben

stehen Namen drauf geschrieben.

Aber nichts ist hinterlegt,

das den Namen Merlin trägt.

Hat man etwa ihn, den Kessen,

glatt im Weihnachtsstress vergessen?

Aber da es erst halb drei

und der Tag noch nicht vorbei,

steht er auf, trabt auf den Flur,

wandert zu der Pendeluhr

und versichert sich diskret,

ob sich noch der Zeiger dreht.

„Gut!“, sagt sich der kluge Köter.

„Kommt mein Christkind eben später!“

Wieder liegt er in der Ecke

in dem Korb auf seiner Decke,

grübelt hin und grübelt her,

ob sein Päckchen leicht, ob schwer …

Da ertönt die Pendeluhr.

Schon steht er in Positur

und stellt fest, es ist halb vier.

Wann ist dieses Christkind hier?

Und er saust zum Weihnachtszimmer,

doch hinein kann Merlin nimmer,

ganz egal, wie sehr er plärrt,

denn das Türschloss ist versperrt.

Drinnen raschelt leis Papier.

Merlin schnuppert an der Tür.

Ob, was immer er auch kriegt,

längst schon unterm Christbaum liegt?

„Du bist mir ein Zappelpeter!“

Frauchen scheucht den Leisetreter

weg von Tür und Schlüsselloch.

„Auch die andren warten noch!

Abmarsch, Merlin! Los, zieh Leine!“

Merlin macht sich auf die Beine,

grummelnd, nun schon etwas bös,

denn das Warten macht nervös,

weil es gar so lange dauert,

wenn man auf das Christkind lauert.

Plötzlich ist da ein Gebimmel,

so, als wolle sich der Himmel

seines aufgeregten, armen

Merlins letztlich doch erbarmen.

Leise öffnet sich das Zimmer,

zeigt den Baum im Kerzenschimmer

und am Boden, gleich darunter,

liegt ein Päckchenberg, ein bunter.

Merlin hechtet mitten rein:

Was wird wohl für Merlin sein?

Ist’s ein Schlafkorb zum Beheizen?

Nun, der würde ihn schon reizen.

Oder so ein Brustgeschirr

mit Beleuchtung, das wär irr.

Einen Napf in Jumbo-Size

wünscht er sich schon lange heiß.

Auch ein Halstuch wär perfekt,

knallig rot und grün gescheckt …

Und dann sieht er sein Präsent:

eher klein statt opulent,

doch es weiß ja jedermann,

auf die Größe kommt’s nicht an.

Stürmisch reißt er, zum Ergötzen

aller, das Papier in Fetzen.

Gleich drauf sitzt er auf den Keulen

und muss ganz entsetzlich heulen:

Aus dem Päckchen schaut, o Graus!,

so was wie ein Huhn heraus,

so ein „Billigsdorfer“ Mist,

der total aus Plastik ist.

Das da soll sein Christkind sein???

Merlin kriegt sich nicht mehr ein.

Schon umringen ihn die Seinen,

runzeln ihre Stirn und meinen:

„So ein Huhn, du dummer Wicht,

das verbellt man wirklich nicht!

Spiel damit, das wär gescheiter!“

Merlin findet das nicht heiter.

Was ist schon Besond’res dran,

wenn ein Spielhuhn quietschen kann?

Nur ein grenzdebiler Hund

steht auf diesen Spielzeugschund!

Schließlich stoppt er den Radau.

Einmal bellt er noch: „Rawau!“,

wedelt kurz aus Pflichtgefühl

und entfernt sich äußerst kühl.

Seine Augenbrauenbogen

bis zum Anschlag hochgezogen,

sitzt er noch nach Mitternacht

aufgebracht im Korb und wacht.

Das Geschenk hat er beflissen

und mit Akribie zerbissen,

bis es tot war, dieses Huhn.

Möge es in Frieden ruh’n!

Plastikschund vom Schlussverkauf;

nun, ein Merlin pfeift darauf!

Und er hätschelt seine Sorgen

weit bis in den Christtagsmorgen.

Als die ersten Sonnenstrahlen

Kringel an die Decke malen,

kommt ihm plötzlich ein Gedanke.

Sinnend leckt er sich die Pranke.

„Da fahr doch der Teufel drein!“,

knurrt er dann. „Das muss es sein!

Der zerlegte Plastikschreck

war nur Mittel zu dem Zweck,

mich dezent drauf hinzuweisen,

heute werd ich Brathuhn speisen.

Brathuhn ist mein Christgeschenk!!“

Merlin wird das Halsband eng.

Ach, wie gut es doch die Seinen

mit dem lieben Merlin meinen!!!

Mit dem Schlaf will’s nicht mehr klappen.

Leise hört man Merlin tappen,

als er durch die Wohnung streicht

und dann Richtung Küche schleicht.

Dort beginnt der Hund vergnüglich

und vor allem unverzüglich

seine Jagd nach dem Geflügel,

schaut in jeden Topf und Tiegel,

schnauft in jede Schüssel rein …

Wo kann bloß das Brathuhn sein?

Gott, wer hätte das erraten!?

Liegt doch glatt ein Truthahnbraten

fix und fertig zum Verzehre

drinnen in der Bratenröhre,

viermal größer als ein Huhn!

Merlin weiß nicht recht, was tun.

Den da will man ihm verehren?

Der soll Ihm allein gehören?

Gott, was ist der Vogel mächtig,

knusprig braun und rundum prächtig!

Er verspürt Ergriffenheit,

doch nur kurz. Dann ist’s soweit.

Merlin fackelt auch nicht lange,

nimmt den Truthahn in die Zange,

zerrt und zieht und ruckt und rüttelt,

keucht und knurrt und reißt und schüttelt,

bis das Bratgut voller Macht

samt dem Bräter runterkracht.

Klar, dass so was grässlich scheppert.

Jetzt ist das Geschirr zertöppert

und, was alles noch verschlimmert,

auch die Backrohrtür zertrümmert.

Ist der Schaden auch nicht ohne,

schert das Merlin nicht die Bohne,

denn, von blanker Gier besessen,

will er nur mehr fressen, fressen.

Schon prüft er mit Vehemenz

seines Vogels Konsistenz

und versenkt dann voller Lust

sein Gebiss in dessen Brust.

Köstlich ist die Fleischeshülle

seines Truthahns. Auch die Fülle

wird von Merlin sehr goutiert

und genussvoll inhaliert.

Just in diesem Augenblick,

da verlässt den Hund das Glück,

schreit doch jede Ruhestörung

ganz gewaltig nach Erklärung.

Und schon stürmt im Nachtgewand

mit dem Besen in der Hand

(quasi ihr Gewehr bei Fuß)

ohne jeden Morgengruß

Frauchen durch die Küchentür.

„Was zum Kuckuck tust du hier?“

Aber gleich drauf wird sie bleich

und die Beine werden weich.

Denn vor ihr, mit vollem Schlund,

wälzt sich froh der satte Hund

und am Boden, welch Entsetzen!,

häufen sich die Truthahnfetzen.

Sie erhebt ein Mordsgezeter:

„Bist du irr, du Teufelsköter?

Rotzfrech mir das Fleisch zu klauen

und die Küche zu versauen?!“

Merlin registriert voll Bangen:

„Mist! Da ist was schiefgegangen.“

Um die Lage noch zu retten,

mimt er nun den Hund, den netten,

sprüht vor Charme, vollführt ein Tänzchen,

rollt die Augen, schwingt das Schwänzchen,

gibt auch Pfötchen, Küsschen und

spielt gekonnt den Welpenhund.

Ob sein Charme den Zweck erfüllt

und die Wut des Frauchens stillt

wider alles bess´re Hoffen???

Nun, das ist zurzeit noch offen.

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Merlin

(Alle Rechte am Text und am Foto bei Hannelore Nics)

Vielen lieben Dank an Ursula Strüwer und Hannelore Nics für das schöne Weihnachtsgedicht.

Morgen lesen wir hinter dem einundzwanzigsten Türchen unseres Adventskalenders von Andrea Arnoldt und ihrer Pinscherdame Linda. Die beiden betreiben das Hundeblog Newspinscher und wir freuen uns auf ein weiteres – aber diesmal etwas anderes – Gedicht zu Weihnachten.

Lunas Weihnachtsgeschichten gibt es jetzt auch als E-Book (mit ‚Klick‘ auf’s Cover) und bis Heiligabend 2015 zum Aktionspreis von 1,99 Euro! … Lest bitte auch unsere Buchankündigung in der Fabelschmiede!

Ein Gedanke zu “Ballade vom Weihnachtsgeschenk … von Hannelore Nics

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