Giacomo … von Alexander Glas

„Du weißt ich bin bei dir, egal wo du jetzt bis … und doch ist es die Liebe, die wir hinterließen, um niemals Abschied zu nehmen.“

Über den Bipedisten Alexander Glas hört man, er sei Quergeistler und Freidenker (oder umgekehrt), zumindest aber ist er Blogger bei Adelhaids Herrchen blog(g)t!. Heute denkt und erinnert er sich frei und quer durch das Thema ‘Das Leben, die Liebe und der Tod’ und kommt zu bemerkenswerten und bewegenden Einsichten. Der zehnte Artikel unserer Reihe Abschied für länger. … Wir freuen uns auf Alexanders etwas andere, aber sehr anregende Sichtweise der Dinge!


„Du weißt ich bin bei dir, egal wo du jetzt bist…“

1Die Schau in die Zukunft liegt mir fern. Unter dieser Prämisse darf Mensch sich unschlüssig sein, ob es wahr ist, was man von sich gibt, wenn es darum geht einem „Abschied für länger“ zu postulieren. Persönlich neige ich aufgrund der Schwere von einigen Themen gerne dazu eine Verfehlung der ursprünglichen Idee anzustreben, gerade um der Sache einen anderen Tiefpunkt zu geben.

Da es mir im Grunde missfällt eine Geschichte aus meinem eigenen Leben zu erzählen, werde ich aus Sicht meiner Hunde die Geschehnisse von einer nicht lange vergangenen Zeit schildern, einen Abschnitt meines Lebens, als meine Hunde noch fünf bis sechs Dutzend Artgenossen persönlich kannten, und ich diese meist auch mit Namen. Die drei hündischen Erzählerinnen heißen in Altersreihenfolge: Shila, Adelhaid und Selma, wobei erstere bereits ihren „Abschied für länger“ „vor kürzerer Zeit“ zelebrierte und ein tiefes Loch hinterließ, dass der Hauptdarsteller hätte schließen können.

Nun schweige ich aber und lasse die Hunde sprechen…

2Shila zu Giacomo:

Ich habe in meinem irdischen Leben wenig Bekanntschaft und noch weniger Freundschaft mit denen meiner Art geschlossen, jenen, die mir über den Weg liefen. Die meisten erkannten meine grundlegende Einstellung bereits von Weitem und kamen gar nicht erst auf die absurde Idee in meine intime Zone einzudringen. Verstöße rügte in aller Regel nicht ich, dafür hatte ich durchaus kompetente Lakaien. Es war mir in solchen Situationen gänzlich schleierhaft, was für verrückte Gestalten auf vier Beinen diese Welt besiedelten. Selbst ein Blinder hätte meinen hohen sozialen Status riechen oder erspüren müssen. Und genau das waren die Gesichtspunkte, die es zu erfüllen gab, wollte jemand die Ehre meiner Nähe genießen. Abgesehen von meinen Lakaien erfüllten nur exakt fünf Exemplare meine hohen Anforderungen. Ein Dackel, ein Husky, ein Golden Retriever, ein Labradormischling und eben jener Senfhund, eine gelungene Promenadenmischung wie ich sie war. Giacomo gefiel mir besonders, weil ich in ihm keinen Gefährten sah, sondern einen möglichen Nachfolger in meiner eigenen Person. Er hingegen war sich dem nicht ausgewogen bewusst und sah in mir folglich zu oft lediglich die Gespielen seiner jugend-männlichen Gelüste. Einer Hingabe seiner hätte ich jedenfalls selbst in der Standhitze nicht stattgegeben. Eine Verpaarung mit mir war ausgeschlossen, da konnte er noch so oft vor der Haustüre liegen.

3Adelhaid zu Giacomo:

Giacomo trafen wir selten, noch seltener mit seinem Herrchen zusammen. Das war nicht außergewöhnlich und auch nicht schlimm, in aller Regel kam sein Mensch auch kurz nach unserer Begrüßung, zumindest wenn es hell war. In der Dunkelheit der Nacht war Giacomo Einzelgänger. Auch das war für einen intakten Rüden (mit italienischen Namen) nichts außergewöhnliches, schließlich waren wir ja ansprechende Weibchen. Der Weg zu uns war ihm auch nie zu weit, wohnte er doch eigentlich über den kleinen Hügel im rund zehn Minuten entfernten Stadtteil östlich der Burg. Wir residierten seinerzeit westlich der Burg, rund fünf Gehminuten unterhalb um genau zu sein.

An unsere erste Begegnung kann ich mich nicht mehr sicher erinnern, aber an das erste Treffen in einer lauen Sommernacht. Ich war zum zweiten Mal läufig, und mein Herrchen unternahm mit mir alleine eine kurze Abendrunde. Eigentlich wollte er mich nur auf die Wiese führen, doch daraus wurde dann eine längere Angelegenheit. Ich will allerdings nicht ausschweifen, daher komme ich zum Punkt, warum ich Giacomos alleinige Wanderschaften so schätzte. Meine Gründe waren pragmatisch, Menschen würden mir Opportunismus vorwerfen, doch das wäre mir gleich. So sage ich es einfach frei heraus: Dort gab es immer was zu Essen. Wenn es nicht Hundenahrung war, dann nahm ich das Trockenfutter der Katze liebend gerne an. Ihren Namen kannte ich nicht, sie floh immer, wenn ich kam, keine Ahnung weswegen. Giacomo war das auch gleich, so wie mir seine Triebe. Er war zurückhaltender als alle Rüden, die ich in meinen Stehtagen kennenlernen durfte, obgleich das komisch klingen mag, betrachtet man seine weiten Wege, die er auf sich nahm, um mich zu treffen.

Jedenfalls war es immer sehr schön bei seinem Herrchen, auch für mein Herrchen, denn ein gutes Bier gab es dort immer.

4Selma zu Giacomo:

Der Kerl war lässig. Ich traf einige Jahre später eine Hundedame, die ähnlich wie er aussah und ebenso geartet war. Sie hätte seine Schwester sein können, doch war sie tatsächlich für mich mein Giacomo-Ersatz in fast jedem Belangen. Aber alle guten Dingen kommen und gehen, oder wie mein Bipedist es

formulieren würde: „Die guten Hunde gehen, aber es kommen wieder neue.“ Weder Giacomo noch Kiara (so hieß die Dame) habe ich je wieder gesehen. Ihnen ereilte in Bezug auf mich/uns Ähnliches: Sie zogen hinweg in einen anderen Teil der Welt. Ich denke die Hoffnung meines Zweibeiners in diesen Dingen ist höher als die meine, wahrscheinlich auch seine Geduld. Grundsätzlich ist es mir aber gleich, denn die Gedanken an diese Zeit lassen mich nicht traurig werden, sind es doch gute Erinnerungen.

Meine Worte zählen weniger als die meiner Hunde, und doch waren es meine. Auch wenn es nicht gefallen wird, schließe ich hiermit etwas unvollendet. Um meine persönliche Note noch ein klein wenig einzuspielen, gibt es nur eine Sache zu erwähnen; der Eingangssatz bekommt ein Ende:

„… und doch ist es die Liebe, die wir hinterließen, um niemals Abschied zu nehmen.“

(Alle rechte am Text und an den Fotos bei Alexander Glas)


Die Bücher des Bipedisten Alexander Glas:

      


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