Pogo im Kompost

Heute haben wir einen neuen Spielplatz entdeckt. Wir waren zu fünft auf achtzehn Beinen unterwegs. Mit dabei waren Klein Luna, der Halunke, die beiden Geröllheimers und ich als Dirigentin. Wir stromerten über das Gelände einer riesigen Landschaftsgärtnerei um dann zum Ende auf deren alte Kompostanlage zu stoßen. Diese war verlassen und bestand aus unzähligen kleinen Erdhügeln, alle ungefähr so hoch, wie ein Radlader schaufeln kann. Diese Hügel verteilen sich über eine Fläche von so einem Hektar und in der Mitte stand der höchste. Der war mein Feldherrenhügel, oder besser Dirigentenhügel. Von hier aus konnte ich das ganze Areal sehr gut überblicken und meine vier Leute vorbildlich anleiten und rumkommandieren, oder es wenigstens versuchen! Ich kann sowas sehr gut, meistens drinnen und in unserer kleinen Wohnung. Hier draußen war ich wirklich sehr bemüht und naja, jedenfalls hatte ich einen guten Überblick und bekam alles mit, wenigstens das!

Die Geröllheimers nennen wir auch oft die Schredders, weil sie alles schreddern, was andere noch nicht geschreddert haben. Zum Beispiel große alte Baumstümpfe oder irgendwo in der Gegend herumliegende Bäume und Sträucher. Manchmal müssen auch die Steine eines Kopfsteinpflaster-Weges dran glauben, was allerding in der Regel am Versuch scheitert. Beide gehören zu den Hunden mit dem Prädikat „unkaputtbar“ und würden wahrscheinlich einen Sturz vom Eifelturm nicht nur überleben, sondern im Vorbeiflug noch ein paar Kleinteile von demselben abmontieren.

Der Jüngere von den Schredders, die übrigens Brüder sind, heisst Barney Geröllheimer. Den älteren nennen wir häufig Professor oder besser Professor A.J. Ruff, weil er die Arbeitfortschritte seines kleinen Bruders grundsätzlich akribisch beobachtet und begutachtet. Agent Ruff, wie er auch manchmal heisst, muss alles ganz genau wissen. Wäre er ein Mensch, dann wäre er bestimmt ein kleiner bärtiger Mann. So eine Art von Vogelbeobachter oder Naturfreak, mit Notizbuch und Bleistifft ausgestattet und immer alles sofort notierend. Barney wäre Abrissunternehmer oder sowas Ähnliches, das würde ihm so ziemlich am besten stehen – wenn er ein Mensch wäre!

Mit diesen beiden Komikern waren wir nun gemeinsam unterwegs. Und bei der eingangs beschriebenen Hügelkette angekommen dachte ich so bei mir, dass es ein guter Moment wäre, alle viere abzuleinen. Ich hatte von meinem Hügel ja eine erstklassige Aussicht und konnte freilaufende Spaziergänger schon am Horizont sehen. Was sollte schon geschehen?

Was geschah, war folgendes:

Die Hunde rasteten einer nach dem anderen aus, jeder auf seine ganz eigene Art! Der Halunke war der Verrückteste und allen mit seinem Irrsinn etwas voraus. Er stürmte von unserem Starthügel wie ein Irrwisch herunter, rannte den nächsten wieder rauf, wieder runter und um den nächsten herum. Er rannte ohne Ende und völlig begeistert von diesem Auf, Ab und Drumherum. Meinem Rufen folgte er erstaunlicherweise prompt, um dann anschließend an mir vorbei wieder herunter und um den nächtsten Hügel herumzukurven.

Luna wusste erst gar nicht so genau und entschied sich dann für den sicheren Weg. Immer hinter ihrem Milow hinterher und dabei jeden Schritt lauthals kommentierend. Das Auf und Ab schenkte sie sich und umrundete lieber schnell den Hügel, um den Halunken am anderen Ende schnell abzufangen. Bei einer dieser Aktionen landete sie unvermittelt mitten in einem riesigen Heuhaufen und war für eine Weile verschwunden. Ich sah nur noch eine wabbelnde Masse aus altem Gras, bis die Kleine  völlig aus dem Häuschen am anderen Ende wieder herauskam. Der Milow hatte davon gar nicht mitbekommen und Luna nahm die Verfolgung umgehend wieder auf.

Barney versuchte derweil eine alte Baumstubbe auf einem der Hügel zu zerlegen. was ihm nicht so recht gelingen wollte. Professor Ruff notierte sich alles und hielt einen vorausschauenden Abstand. Irgendwann hatte Geröllheimer es geschafft und die Stubbe purzelte den Abhang hinunter. Die Schredders flitzten sofort hinterher und blieben vor derselben stehen, als wenn sie verzweifelt nach Plan B suchten. Der war dann auch schnell gefunden und lautete: Die Stubbe müsse wieder nach oben auf die Hügelkante, das wäre lustiger gewesen. Die Geröllheimers ackerten wie verrückt und für einen Moment dachte ich, dass die beiden Maschinen sein müssen und keine Hunde. Einmal hätten sie es auch fast geschaftt, wenn der Milow etwas besser aufgepasst hätte. Er flitzte so haarscharf  an den beiden vorbei, dass alle wieder herunterpurzelten.

Milow störte das nicht die Bohne, die Schredders machten einfach unbeirrt weiter und klein Luna war entsetzt, wie man nur so rücksichtslos sein kann. Ich glaube nämlich, das sie in Wirklichkeit den Barney anhimmelt und es ganz toll findet, wie der das alles so angeht – mit den Stubben, Steinen und all dem anderen.

Ich stand die ganze Zeit auf meinen Hügel, gab Handzeichen, versuchte zu bremsen und manchmal auch anzufeuern. Die Handzeichen gab ich wohl sehr ausdrucksstark und mit den ganzen Armen, denn eine kleine Gruppe von Menschen, die sich von weitem näherte, drehte spontan wieder um. Wahrscheinlich hielten sie mich für verrückt und brachten sich lieber in Sicherheit. Wer steht schon mitten in einer alten Kompostanlage auf einem Hügel aus alten Topfballen, rudert mit den Armen herum und gibt seltsam quieckende Laute von sich. Das kann nur eine Verrückte sein, oder eine verrückte Hundehalterin!

Irgendwann ging dann auch dem Milow die Puste aus und nachdem Luna zu dritten mal im Heuhaufen verschwunden war, blies ich zum Rückzug. Auch Herr Geröllheimer hatte inzwischen aufgegeben und sich damit abgefunden, dass seine Baumstubbe nicht wieder auf den Hügel will. Inzwischen lag diese in einer tiefen Pfütze und Geröllheimer sah jetzt auch aus wie ein Geröllheimer. Er trottete gemeinsam mit uns dreien zum Weg zurück, nicht ohne sich mindestens noch zehn mal sehnsüchtig nach seinem großen Bruder umzudrehen. Agent Ruff fehlte nämlich noch! Der hatte seinen Bruder nach einer Weile nämlich im Stich gelassen und nahm sich vor, die gesamte Hügelanlage zu kartographieren. Anscheinend war er damit noch nicht fertig. Als er nach etlichen Rufen dann endlich angesaust kam, drehte er sich nochmal schnell um, lief noch ein Stück zurück, um dann anschleißend tatsächlich zu uns aufzuschließen. Wahrscheinlich hatte er nur seinen Notizblock irgendwo liegen gelassen.

Zu Hause gabs für alle vier einen extragroßen Sportlerteller mit grünem Pansen, der ruckzuck in vier Mägen verschwand. Als wir alle dann gemeinsam und geschafft auf dem Sofa lagen, nahmen wir uns vor, da bald wieder hinzugehen. Wir haben ein tolles kleines Fleckchen Erde entdeckt, fast ein kleines Paradies für Hunde und verrückte Hundehalter. Das war ein guter Tag!

8ung

Ein Gedanke zu “Pogo im Kompost

  1. Hallo,
    Ich bin durch Zufall auf diesen Blog gestoßen.
    Die Texte sind, vor allem für mich als Tierhalter- und Liebhaber, einfach wunderschön zu lesen.
    So scharfsinnig beobachtet und treffend beschrieben.
    Und vor allem: ganz, ganz individuell.
    Ich werde hier auf jeden Fall öfter vorbeischauen und lesen.

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