Rasse(l)bande International

Da ist für jeden was dabei, aber so richtig! Es gibt sie in groß, mittelgroß und in einer kleinen Version. Mit langen Beinen und mit kurzen Beinen sind sie zu haben oder mit Strubbelfell, langen Haaren und je nach Geschmack auch ganz mit glattem und kurzem Fell – die sind sogar am häufgsten. Ihre Farbenvielfalt ist kaum zu schlagen und reicht von schwarz-bunt über braun, gelb und schwarz mit braun oder braun mit weiss bis hin zu irgendwie alles. Ihre Nasen gibt es in Lakrizt und in Marzipan und ihre Schnauzen sind richtig lang, damit sie bequem in jedes Mauseloch passen. Ihre Silouette ist meistens windhundartig und ihre Stehohren sind so groß, dass viele sie liebevoll Pommestüten nennen. Für einige von ihnen gibt es sogar richtige Vorschriften, wie sie auszusehen haben – der Fachmann nennt dies Standards. Es gibt sie gebraucht mit Vergangenheit und neu vom Züchter. Sogar eine bevorzugte Region, aus der sie kommen, kann man sich aussuchen, und wenn man mag, dann gibt es auch noch bunte Mischungen. Die meistens kommen aus Ländern zu uns, die südlich von hier am Mittelmeer liegen.

Es gibt sie um Beispiel in Portugal – das liegt von Ägypten aus gesehen ganz am anderen Ende vom Mittelmeer. Da kommt der Milow her und deshalb wird er Podengo mit „g“ geschrieben, weil das so da so üblich ist. Käme er aus Spanien oder von einer der vielen spanischen Inseln, würde man ihn mit „c“ schreiben, weil die Menschen dort das so besser finden. Nur die Podencos aus dem spanischen Galizien gehen wie die aus Portugal mit „g“ durch und werden Podengo geschrieben. Letztendlich sind dieses nur regionale Schreib- bzw.  Sprachgewohnheiten und zum Podengo (oder Podenco) gehört immer noch eine weitere Bezeichnung, die einen Hinweis auf die ursprüngliche regionale Herkunft des Hundes gibt. Der Milow ist zum Beispiel ein Podengo Português, aber würde er zum Beispiel von der spanischen Insel Ibiza stammen, dann wäre er sicherlich ein Podenco Ibicenco – natürlich nur, wenn seine Eltern und so weiter auch von dort stammen würden.  Was den Podengo ausmacht, und da sind wir hier alle einer Meinung, ist seine ganz spezielle Art und sein besonderes Wesen – und nicht die regionale Herkunft oder gar seine äußerliche Erscheinung. Seine Eigenheiten sind es, die ihn ausmachen und alle miteinander verbinden. Sie sind über Jahrtausende so verfestigt, dass sie sich in der Regel sogar bei Mischlingen mit anderen Rassen außer Podengos durchsetzen. Der Milow ist hier das beste Beispiel!

Ursprünglich  sollen sie aus dem alten Ägypten stammen. Von dort aus wurden sie erst von den Phöniziern und später von den Griechen und Römern über den ganzen Mittelmeerraum verteilt. Die Spanier und Portugiesen taten später ihr übriges und so kam der Podengo sogar bis in den Atlantik, z.B. auf die Kanarischen Inseln. Überall entstanden im Laufe der Jahre eigene Schläge oder Rassen des Podengos. Dieses geschah zum einen ganz automatisch durch die regional begrenzte Selektion und zu anderen durch die ganz absichtliche Einfuhr oder Einkreuzung von Podengos aus anderen Ländern und Regionen. Seit dem Anfang dieses Jahrhunderts bemühen sich viele regionale Zuchtverbände um die nationale und internationale Anerkennung ‚ihrer‘ Rassen, was nicht immer ohne Kritik gelingt. So wurden zum Beispiel im spanischen Standard des Podenco Andaluz (der aus Andalusien in Südspanien) schon sehr lange bestehende Rassen von der Halbinsel Malaga nicht berücksichtig. Diese stehen nun ohne Standard da und der für die Podenco Andaluz sei nicht vollständig – für internationale Zuchtverbände immer ein Grund zum Meckern.

Aber was ist schon das Äußere? Ein Podengo sieht nicht nur so aus wie einer, er ist auch innen ein Podengo! Sie zeichen sich durch eine große Selbständigkeit und ein hohes Maß an sozialer Intelligenz aus – das ist ihnen allen gemeinsam, egal wo sie herkommen. Podengos seien eine Mischung aus Hund und Katze meinen viele, womit sie diese ganz besondere Eigenheiten dieser Hunde bildlich beschreiben wollen. Etwas Schakal soll auch mit drin sein, darauf besteht der Milow jedenfalls, aber ob dies nun stimmt, wollen wir hier nicht weiter verfolgen. Auf jeden Fall sind sie anders als die meisten anderen Hunde, vor allen anders als die Hunde, die in unseren Breitengraden bevorzugt als Arbeits- oder Familenhunde vorkommen. Schon manch ein Hundetrainer, der keine Erfahrung mit ihnen hatte, ist daran verzweifelt, ihnen ‘einfache Tricks‘ wie Sitz, Platz oder Hier beizubringen. Oft werden sie als Problemhunde an den Rand geschoben oder gar als dumm bezeichnet. Dabei sind Podengos alles andere als dumm – man muss nur verstehen, wie sie sind und warum sie so sind. Eigentlich ist das gar nicht so schwer!

Sie sind einfach nur anders als die anderen. Ihr ‚will to please‘ entspricht nicht dem hierzulande von Hunden oft erwarteten Kadavergehorsam. Als Solitärjager, die in Gruppen das Wild ohne Einfluß des Menschen, stellen und erlegen, wäre ihnen dieser einfach nur im Wege. Sie müssen selber entscheiden, in der Gruppe immer wieder neue Strategien entwickeln und je nach Lage, ihre persönlichen Stärken ins Spiel bringen. Darauf wurden sie seit Jahrtausenden selektiert. Sie sind eigensinning, sie sind Teamplayer aber sie sind nicht dumm – bei weitem nicht! Sie sehen einfach nur keinen Sinn darin, ihre Besitzer bedingungslos und andauernd anzuhimmeln. In ihrem Tun muss für sie ein Sinn und ein Zweck erkennbar sein und von ihren Haltern erwarten sie weniger Leittiere, als ebenfalls Teamplayer, die auch mal Verständnis für sie haben und Nachsicht üben können. Gleichzeitig erwarten sie von ihren Menschen ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Gelassenheit ihnen in jeder Situation Sicherheit bieten zu können – erst dann werden sie ihm bereitwillig folgen, weil es für sie Sinn macht. Im Hause gelten sie als ausgesprochen sensible, zarte und verschmuste Hunde, die man kaum wahrnimmt, weil sie so unendlich gerne die bequemsten Plätze in der Wohnung besetzten und die meiste zeit dösend verbringen. Nutzlosen Tun liegt ihnen einfach nicht!

Draußen oder im benachbarten Wald kann sich dieses schlagartig ändern. Was kann ich für dich tun, würde ein deutscher Schäferhunde seine Besitzer vieleicht kurz nach seiner Geburt fragen. Der Podengo hingegen informiert denselben und sagt, dass er heute etwas später nach Hause komme! Sichtet er im Freilauf seine Beute, ist er weg und vergisst alles, was vorher eine Bedeutung für ihn hatte. Nichts erreicht ihn mehr und die ganze Welt besteht nur noch aus ihm und seiner Beute. Schon manch ein Podengohalter ist daran einsam am Waldesrand verzweifelt.

Sie sind schon sehr eigenwillige Wesen, in einem positiven Sinn, wenn man eigenwillige Wesen mag. Als ich vor über einem Jahr mit dem Milow das erste mal draußen unterwegs war, beschlich mich schon das Gefühl, das dieser kleine Halunke bald mein ganzes Wissen über Hunde und meine langjährige Erfahrung mit ihnen einfach über den Kopf werfen würde. Heute würde  ich mein Erleben und meine Erfahrungen mit ihm in einem Satz zusammenfassen, der lauten könnte: mehr Hund und weniger Mensch! Doch das gehört hier jetzt nicht her und wird an anderer Stelle noch ganz viel Platz finden. Allerdings werde ich dem Milow zuliebe in Zukunft immer vom Podengo mit „g“ sprechen, meine aber letztlich alle – auch die mit „c“ und die vielen Mischlinge, die in ihrem Wesen Podengo gebleiben sind.

Damit wir zum Schluß vollständig bleiben, folgt nun noch eine Auflistung der heute bekannten Podengo-Rassen mit den ihnen zugeordneten Regionen und Rassestandards, soweit sie vorhanden sind:

Podenco Canario (Kanarische Inseln, Spanien) (FCI)
Podengo Português (Portugal) (FCI)
Podenco Ibicenco (Balearische Inseln, Spanien) (FCI)
Podenco Andaluz (Andalusien, Spanien) (RSCE)
Podenco Andaluz Maneto (Andalusien, Spanien) (RSCE)
Podenco Enano del Hierro (Kanarische Inseln, Spanien)
Podenco Malagueño (Malaga, Andalusien, Spanien)
Podengo Galego (Galizien, Spanien)
Podenco Xarnego Valenciano
(Valencia, Spanien)
Podenco Orito Espagñol (Malaga, Andalusien, Spanien)

Cirneco dell’Etna (Sizilien) (FCI)
Kelb tal-Fenek / Pharaon Hound (Malta) (FCI)
Kritikos Lagonikos (Kreta)

Der Podengo ist in unseren Augen ein internationaler Hund mit vielen äußerlichen Varietäten und unterschiedlichen regionalen Vorkommen. Gemeinsam ist ihnen ihr höchst eigenwilliges Wesen als selbständiger Jäger, ein (trotz in der Regel schlechter Erfahrungen) gutes Verhältnis zum Menschen und dem kuscheligen Wesen einer hundgewordenen Katze. Behauptungen, der Podengo würde auch nur irgendwie vom Esel abstammen, weisen wir auf das Schärfste von uns! Punkt!

Milow Podengo

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