Wie geht ein Leben ohne Hunde? – von Katharina von der Leyen

Die Journalistin und Buchautorin Katharina von der Leyen beantwortet heute für uns die Frage, wie sich ein Leben ohne Hunde anfühlen könnte. Sie betreibt das bekannte Hundemagazin Lumpi4 und mit ihrem Artikel leitet sie gleichzeitig unser Fabiläum ein, das dreijährige Bestehen der Fabelschmiede. … Wir freuen uns auf einen liebens- und lesenswerten Abschluss der Reihe Beschreibungen eines Gefühls!


katharinaBevor man einen Hund hat, kann man sich kaum vorstellen, wie das Zusammenleben mit einem Hund tatsächlich ist. Anschließend kann man sich kaum noch vorstellen, anders zu leben.

Keine Ahnung, wie ein Leben ohne Hunde funktioniert – es geht bestimmt, aber wie?

Das Haus wäre ruhig und still, es gäbe viel weniger zu lachen, viel weniger weiche Decken und Gekuschel und Hundespielzeug, das das Wohnzimmer aussehen lässt wie eine Spezialabteilung von Toys R’ Us. Ohne Hunde wäre es so, als würde eine Farbe fehlen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich gehöre nicht zu jenen, die glauben, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn jeder einen Hund hielte.

fritzIch halte Hunde nicht für bessere, höhere oder weisere Wesen und finde auch nicht, dass alle Beziehungen zwischen Hunden und Menschen gut sind oder besser als die zwischen Menschen.

Hunde können freundlich und liebevoll sein, aber auch verwirrend, stur, aggressiv und schwer zu lesen. Sie können sehr komplexe Gefühle bei ihren Besitzern auslösen, weil sie im Ausdrücken ihrer Bedürfnissen und Trieben so direkt sind. Wer Probleme hat, seine Autorität zu behaupten oder ein unsicherer Anführer ist, oder Ängste hat, Kontrolle zu übernehmen oder zu verlieren, bekommt das von seinem Hund sofort aufs Brot geschmiert. Das kann gut sein, aber nicht immer.

Trotzdem glaube ich, dass Hunde uns häufig Zugang zu einer Welt verschaffen, die eine ganz andere Qualität hat als die menschliche; ein Ort, der uns verändern kann. Wer sich in einen Hund verliebt, lernt ein neues Universum kennen, in dem es nicht nur viel mehr Farben gibt, sondern neue Rituale, neue Regeln und eine ganz andere Art der Zuneigung.

luiseWenn man mit anderen Hundeleuten darüber redet, was es ausmacht, einen Hund zu haben, dann sind es Dinge, die das Innenleben verändern.

Sie erwähnen eine Art der Tröstlichkeit, die nur schwer in menschlichen Beziehungen zu erreichen ist: das Erleben von Alleinsein ohne Einsamkeit. Sie beschreiben die Fähigkeit von Hunden, ihren Fokus vollständig von Vergangenheit und Zukunft abzulösen und sich ausschließlich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, auf den gerade stattfindenden Spaziergang oder Toben im Wohnzimmer. Man hört von ganz simplen Freuden und Triumphen: Wie sie über ihren Hund lachen müssen, weil er etwas Albernes gemacht hat; oder wie großartig es sich anfühlt, in seiner Erziehung einen Durchbruch erreicht zu haben, weil man es tatsächlich geschafft haben, erfolgreich mit einer fremden Spezies zu kommunizieren. Und man hört, wie schön es ist, einen ständigen Begleiter im täglichen Leben zu haben, jemanden, der jeden Gang zur Post oder aufs Klo unwiderstehlich findet und jede unserer Launen und alles, was wir sagen oder tun hinnimmt, ohne es zu bewerten. „Es ist, wie es ist“ ist das Motto unserer Hunde, das wir uns wirklich schnellstens zueigen machen sollten.

gretelEs ist gar nicht so leicht, Nichthundeleuten zu erklären, dass das Verhältnis zu einem Hund durchaus tief, gesund und ergiebig sein kann, oder sich die Verbundenheit mit einem Hund tatsächlich mit einer Beziehung vergleichen lässt: einer emotionale Gemeinschaft zweier Wesen, die miteinander kommunizieren, einander respektieren und ebenso geben wie nehmen.

Bei Nichthundeleuten stößt man mit so etwas meist auf tiefe Skepsis. Sie sind der Meinung, eine enge Bindung zu Tieren sei seltsam und verdächtig und passiere nur Leuten, die mit menschlichen Bindungen nicht zurecht kommen. Dadurch bekommen Hundeleute manchmal das Gefühl, sie seien Mitglieder eines Geheimbundes, als würden wir einen seltsamen und irgendwie unpassenden Planeten bewohnen.

harryDabei haben viele Menschen sehr tiefe Beziehungen zu ihren Hunden. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie irre sind oder Hunde wichtiger finden als Menschen oder gar nicht in der Lage sind, enge Beziehungen mit Menschen einzugehen. Es ist dabei nur eine andere Art der Beziehung – aber nicht weniger tief oder echt.

Hundeleute verstehen das. Vielleicht gehören wir aufgrund unserer Hunde doch zu einer Art Geheimbund? Um aufgenommen zu werden, muss man das Gefühl kennen, wenn wir nach Hause kommen und dem Blick unseres Hund begegnen: Die Welt ist wieder völlig in Ordnung: Du bist wieder da.

(Alle Rechte am Text und an den Fotos liegen bei der Autorin Katharina von der Leyen)

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Vielen lieben Dank an Katharina und ihrem Hunden für diesen schönen Ausklang unserer Reihe „Beschreibungen eines Gefühls“.

Morgen gibt es dann noch ein abschließendes „letztes Glas im Stehen“ mit einer Übersicht aller AutorInnen und Artikel dieser Reihe. Wir sagen hier schon ganz herzlich Dankeschön: Ihr ward alle großartig und es war uns eine große Ehre, Euch alle mit dabei zu haben!

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(Dieser Text wurde vor dem Umzug zur Domain ‘fabelschmiede.org’ fb 119  mal geteilt!)

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