Von Tretminen, einem Bus und zwei Hunden

Luna 56jHier schreibt Luna Kolumna, ein kleiner Hund aus Celle-Vorwerk, mit einem Bericht über unseren Besuch in Bergen, einer Stadt im Norden des Landkreises Celle, und über die Tretminen der menschlichen Kultur.

Es ist ein für den Herbst viel zu warmer Tag, wir sitzen im Bus nach Bergen und finden toll, dass es so etwas gibt. Busse sind eine feine Sache: Man fährt ruckzuck von einem Ort in den anderen und wenn wir die zweistellige Zahl auf unserer Viererkarte ignorieren, ist es sogar recht günstig. Milow, der ein Hund und mein großer Kumpel ist, mault zwar die ganze Zeit wegen seinem Nasenwärmer herum, aber im öffentlichen Nahverkehr müsse das so sein – meinte jedenfalls das Fraule! Das sein jetzt Pflicht und solle zur allgemeinen Beruhigung der anderen Fahrgäste beitragen. Ich selber bin zwar auch ein Hund, aber weil ich klein bin, brauche ich so etwas nicht aufsetzen. Ich darf nämlich auf Fraule Schoss sitzen und kann die ganze Zeit aus dem Fenster schauen. Wir alle haben gute Laune und wir dürfen heute das erste mal für die Zeitung eine kleine Geschichte schreiben. Mein Name ist Luna Kolumna und ich bin heute mit dem Milow und unserem Fraule, die unser Hausmensch ist, in Bergen unterwegs: Einer schönen kleinen Stadt nördlich von Celle.

Luna schönDer Bus hält an und lässt uns raus. Keine Ahnung wo, irgendetwas mit „Rathaus“ und das hört sich ja so ziemlich nach „Zentrum“ an. Wir wollen zum Wald in Richtung Lohheide, denn dort sollen viele Hunde mit ihren Hausmenschen gehen. Ein heisser Tip, wie es scheint, vor allem wenn man als Hund in Bergen unterwegs ist. Der Halunke kriegt erstmal seinen Nasenwärmer ab, holt tief Luft und hält nach etwas Fressbarem Ausschau. Jetzt könnte er ja wieder! Aber es ist hier wunderbar sauber auf dem Gehsteig und kein Vergleich mit dem Celler Stadtteil Vorwerk, aus dem wir kommen – was den Milow sehr enttäuscht! Während das Fraule ihr Handy quält und über den Streckenvorschlag ihrer Navi-App nachgrübelt nutze ich schnell die Gelegenheit mal kurz in nächsten Busch zu verschwinden. Ich bin halt etwas genant und ich muss dringend mal kacken! Unser Hausmensch, fummelt ruckzuck einen im Celler Schlosspark geklauten Hundekoteutel heraus (bei uns heissen die übrigens „Huckentüten“) und entfernt mit einem geübten Griff mein Mikrohäufchen. Sie macht dabei einen eleganten Ausfallschritt und tritt in einen gewaltigen Haufen Hundekacke vom Typ Maulwurfshügel. Ein anderer Hund von der Größe eines Pferdes war wohl auch etwas genant und das Fraule schimpft wie ein Rohrspatz über die Schlechtigkeit der Welt und die Ignoranz anderer Hausmenschen. Danach beruhigt sie sich aber schnell wieder und fühlt sich mit ihrer gefüllten Huckentüte wie die letzte Aufrichtige unter ihresgleichen.

Severine Martens 5Es ist am späten Vormittag, nach Milows Zeitrechnung ungefähr drei Stunden n.F. (nach Frühstück) und wir latschen los. Das Fraule immer hinterher, mit dem Handy vor der Nase und einer grünlichen Tüte in der Hand. Richtung Westen mit der Sonne im Rücken, denn es ist ein wunderbarer Wintertag – fast wie im richtigen Winter! Nach einer kleinen Weile wirft sie die Huckentüte in einen Mülleimer an Wegrand, worauf hin sich schräg gegenüber im ersten Stock ein Fenster öffnet. Gegenüber sei ein Spielplatz und das Fraule solle die Tüte umgehend wieder aus dem Mülleimer heraus nehmen, schallt eine männliche Stimme heraus. Man stelle sich nur vor, die Kinder würden damit spielen, und dann noch die armen Menschen, die diese Mülleimer leeren müssten. Fraules Hinweis, das Kinder sich in der Regel nicht in Mülleimern aufhalten und dort mit Hundekot spielen (schon gar nicht im Winter!), wurde mit dem Hinweis gekontert, das gut erzogene Hunde ihre Geschäfte sowieso über dem Gullideckel am Straßenrand machen würden. Soviel Auskennerei in Sachen Hundeerziehung macht selbst Hunde sprachlos und auch unser tapferes Fraule, die doch so gerne auch mal gelobt werden wollte, verkniff sich jede weitere Bemerkung. Wir liesen die Huckentüte kopfschüttelnd wo sie nun einmal war, zuckelten unseres Weges in Richtung Wald und versuchten das schöne kleine Bergen weiterhin ein schönes kleines Bergen sein zu lassen. Blödis gäbe es halt überall auf der Welt, schimpfte sie vor sich her, und wenn man sich nun auch noch nach denen richten müsse – ohjeh! Prompt machte der Milow erstmal selber einen großen Haufen auf den Gehweg. Man müsse Zeichen setzen in dieser Zeit, brummelte er erleichtert, und das Fraule zückte eine neue Huckentüte aus ihrer Hosentasche!

Hätte er damit bis zum Wald gewartet, den wir dann auch bald erreichten, hätten wir uns das mit den Huckentüten natürlich gespart. Immerhin seien die aus Plastik und würden unsere Köddel, die sich normalerweise nach spätestens drei Wochen von selber auflösen, für mindestens dreihundert Jahre konservieren. Erstaunlich, wie wichtig manche Schiete für die Menschen ist, könnte man daraus schliessen! Aber in Wirklichkeit ist das ganz anders, denn wie unser Fraule heute morgen latschen viele Menschen da mal gerne rein und das ist dann nicht nur ein großer Stinkern – es ist auch ein großes Geschimpfe und hinterher sind immer wir Hunde schuld. Aber Hallo, wir können zu Hause halt nicht aufs Töpfchen gehen, so wie ihr, und irgendwann muss es ja mal raus. Also, liebe Haushundemenschen, es ist euer Job! Sammelt die Schiete von Euren Hunden gefälligst ein, es ist keine große Mühe. Es fällt auf uns alle zurück, wenn Ihr es nicht macht – und das ist doof. Mit etwas mehr gegenseitiger Rücksichtnahme in dieser Sache gäbe es auch keine frustrierten Herren, die aus dem Fenster brüllen und kleine Kinder in Mülleimern mit Hundekot spielen sehen. Die Welt wäre nicht nur ein Stückchen sauberer, sondern auch wesentlich schöner und entspannter für uns alle – Hausmenschen wie Haushunde! Dann bräuchte auch keiner mehr durch die Stadt laufen und alle unsere Häufchen und Haufen mit roter Farbe einsprühen um ein Zeichen zu setzten, wie neulich in Berlin. Und andere bräuchten uns nicht mehr zu treten, weil wir vor ihre Gartenlaube gekackt haben, um dann anschließend eine Geldstrafe von 1200,– Euro zahlen zu müssen (*). Obwohl, dass mit der Strafe war schon cool, denn Hundetreten ist viel fieser und gemeiner als vor Gartenlauben zu kacken!

Milow WUFF 7Während der Milow noch sinniert, wieviel 1200,– Euros eigentlich in Hundefutter wären, sind wir im Grünen angekommen und treffen auch schon auf die ersten Artgenossen – wie immer erst die Hunde und dann ihre Hausmenschen. Ein ganzer Trupp kommt angeschossen und jetzt beginnt die die Gaudi für uns Hunde. Es wird sich gegenseitig gejagt, gebalgt, mit den Zähnen gerasselt und sich in allem möglichen gewälzt.Es wird geflitzt, gerannt, gebellt und manchmal auch ein bisschen rumgepöbelt. Am Schluss sind wir nur noch kaputt und seelig – und kacken brauchen wir auch nicht mehr! Wir laufen noch eine Weile mit den anderen durch die Gegend und lernen einige neue Hunde kennen, während unsere Hausmenschin mit ihren Artgenossen kommuniziert. Dabei hält sie sich wie immer an einem brennenden Stöckchen fest und immer wieder fallen Worte wie „Hundeschule“, „Erziehung“ und andere seltsame Sachen, die uns grad schietegal sind – nur bei dem Wort „Hundefutter“ kriegt der Milow mal kurz einen glasigen, fast sehnsüchtign Schimmer in den Augen. Aber dann müssen wir auch schon wieder zurück, damit der Bus nicht ohne uns nach Hause fährt. Die Sache mit den Hundehaufen hat das Fraule schon längst wieder vergesssen und während der Halunke noch schnell ein paar Happen Pferdeköddel verspeist nehmen wir uns vor, in Zukunft doch öfters hierher zu kommen. Unser kleiner Ausflug hat sich wirklich gelohnt, wir habe so richtig viel erlebt und die Sache mit den Hundeköddeln hätte überall auf der Welt ganz genau so passieren können. Wir haben Bergen als eine schöne und wirklich sehr hundefreundliche Stadt in Erinnerung behalten.

Luna&Milow WUFF 6Bleibt zum Schluss noch ein Hinweis auf die vielen Hinterlassenschaften der sogenannten menschlichen Kultur, vor allem in unseren Städten: Der achtlos weggeworfene und mittlerweile überall herumliegende Müll! Alleine auf unserem Heimweg begegnen uns etliche (teilweise zerstörte) Glas- und Plastikflaschen, ehemalige Verpackungen von Lebensmitteln, Chipstüten, ein komplettes Brot sowie unzählige alte Kaugummis und Zigarettenkippen. Wäre es nicht eine gute Idee, diesen ganzen Wohlstandmüll einmal mit roter Farbe zu besprühen? Ich schaue das Fraule ratlos an und komme dann doch selber auf die rettende Idee: So richtig gut wäre es, den ganzen Krempel einfach mal aufzusammeln oder ihn erst gar nicht in die Gegend zu werfen, denn der liegt in dreihundert Jahren tatsächlich noch dort herum! Und: So unangenehm wie es ist, in einen Haufen Hundekacke zu treten, der Tritt in die Glasscherbe hinterlässt bleibende Eindrücke und eine oft schmerzhafte Erfahrung für den Rest des Lebens!

(*) … ein Vorfall, der vor ca. einem Jahr in der hiesigen Lokalpresse ohne Ende breit getreten wurde!

2 Gedanken zu “Von Tretminen, einem Bus und zwei Hunden

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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