Kann man Liebe erlernen? – von Gerald Pötz

In unserer Reihe Beschreibungen eines Gefühls lesen wir heute von Gerald Pötz, dem Verleger des Hundemagazins WUFF. Er schreibt darüber, dass Liebe oft erst wachsen muss und nicht immer einfach und sofort da ist – einen sehr wichtigen Aspekt der Liebe. … Wir freuen uns auf einen herzlichen und sehr lesenswerten Artikel über Gerald und Bruno!

Liebe – ist das etwas Gott gegebenes? Ist sie einfach da? Kann man sie erzeugen oder erlernen? Und wie fühlt sie sich an?

4 Gerald und BrunoIch denke, dauerhafte Liebe kann zu einem tiefen Zufriedenheitsgefühl verhelfen. Nicht so die „Liebe auf den ersten Blick“, die die berühmten Schmetterlinge im Bauch erzeugt, die den Puls rasen lässt, uns unvernünftige Dinge tun lässt – und auch schnell wieder verebben kann. Die Liebe ist ein Grundbedürfnis von uns und sie erhält die Welt.

Würde die Welt ohne Liebe aussterben? Ich denke schon. Die Liebe ist der Antriebsmotor für unser Leben und ohne sie ist alles grau …

… grau wie mein Hund!

Er sollte mein neuer Lebenshund werden. Unbedingt. Aus der gleichen Zuchtlinie wie sein Vorgänger ist er und er sieht auch gleich aus. Alles war berechnet und durchdacht, die besten Voraussetzungen sollte er haben, um ein würdiger Nachfolger seines Vorgängers zu werden. Bewusst und konsequent alle Fehler gemacht, die man eigentlich nicht machen sollte.

Sich einen maßgeschneiderten Lebenspartner so einfach kaufen zu wollen – das sollte sich rächen:

1Der heiß ersehnte Neuzuwachs war endlich da. Je älter er wurde, umso mehr zeigte sich, dass er sich zum Gegenteil seines Vorgängers entwickelte. Aufgedreht, hyperaktiv, lästig. Das größte Drama für mich war aber, dass er weder Nähe noch Körperkontakt wollte.

Ein Hund, der nicht kuscheln will und Streicheln nur erträgt – was habe ich mir hier angetan?

Kann ich einen solchen Rüpel überhaupt lieben?

Die ersten Jahre habe ich immer gesagt: „ich liebe meinen Hund nicht, aber ich habe die Verantwortung für ihn übernommen und sorge für ihn.“ Es macht in der Tat keinen Spaß, mit einem frechen und distanzlosen Rüpel zusammenzuleben – aber – ich habe mich damals für ihn entschieden und nicht er sich für mich.

Über die Jahre zusammenwachsen!

2Ich war von meinem vorigen Hund sehr verwöhnt und es gewohnt, mit Zuneigung überschüttet zu werden. Ich konnte sozusagen aus dem Vollen schöpfen. Da ist es schon bitter, wenn man plötzlich auf Entzug gesetzt wird und man jeden Strohhalm ergreifen muss. Und das ist auch die Lösung – die eigenen Erwartungen müssen neu justiert werden. Man muss seinen Liebeskonsum „feintunen“ und jeden noch so kleinen Schritt, den der Hund auf einen zugeht, erkennen und annehmen. Die kleinen Liebenswürdigkeiten erkennen und akzeptieren, dass der Hund einfach nicht anders kann.

Liebe kann man nicht erlernen, aber man kann seine Erwartungshaltung ändern.

Nach nun acht Jahren sind wir zusammengewachsen und ich liebe meinen Hund – auch wenn er nie mein Lebenshund sein wird …



3Vielen lieben Dank an Gerald und Bruno für diese offenen und persönlichen Worte über einen ganz wichtigen Aspekt der Liebe.

Morgen lesen wir von Mara Djalayer, einer Bloggerin und Zeichnerin, die gemeinsam mit Hündin Abra das Kunstblog Aram und Abra betreibt. … Freut Euch auf das ‚Piratenkobold-Mara-Gespann‘ und viele tolle Bilder!

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(Dieser Text wurde vor dem Umzug zur Domain ‘fabelschmiede.org’ fb 122  mal geteilt!)

2 Gedanken zu “Kann man Liebe erlernen? – von Gerald Pötz

  1. Ein Beitrag, der mich bestätigt, dass ich nach dem Leben mit Socke keinen Hund möchte und schon gar keinen Tibet Terrier mehr. Sie ist mein Traumhund, ein Sternchen und mein Sonnenschein. Sie macht es so leicht sie zu lieben und ich liebe sie.

    Die hier beschriebenen Gefühle möchte ich nicht erleben….

    Ich bin sehr berührt von diesem Beitrag….

    Herzlichen Dank und viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    Gefällt 1 Person

Na, dann mal ran an die Tasten und einen Pfotenabdruck dagelassen!

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