Die Liebe zum Hund – von Michaela Seul

Heute lesen wir von Michaela Seul und ihren Hündinnen Luna und Miss Lomax. Sie ist Schriftstellerin, Ghostwriterin und Bloggerin bei Flipper privat –  ihrem Hundeblog und ihrer Bücherhütte in Tateinheit. Sie schreibt den 19. Artikel in unserer Reihe Beschreibungen eines Gefühls. … Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

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Luna1Die Liebe zum Hund hat mich zu einem besseren Menschen gemacht! Als Kind habe ich mir einen Hund gewünscht. Mein Vater hatte eine Tierhaarallergie. Ich machte das Beste daraus und spielte Lassie und schleckte den entsetzten Erwachsenen, die uns besuchten, übers Gesicht.

So hat es dann mein erster Hund auch gemacht. Luna. Ich nannte sie nach der Tochter einer italienischen Freundin, und hatte keine Ahnung, dass erstens Luna mein Leben umkrempeln und sich zweitens zum beliebtesten Hundenamen Deutschlands entwickeln würde. Ich hatte keine Erfahrung mit Hunden. Es waren Tiere. Oder?

Was wuchs da in mir, Tag für Tag und immer stärker? Ich schaute dem Hund beim Schlafen zu und war glücklich. Ich spielte mit ihm und war ganz im Jetzt. Ich hatte keine Lust mehr, in Kneipen zu gehen, lief lieber stundenlang durch die Natur. Und ich überlegte mir, mit welchen Menschen ich mich verabreden wollte, was eigentlich wichtig war in meinem Leben.

Verdammt, ich lieb sie, kapierte ich eines Tages. Ich liebe meinen Hund. Ich könnte reinbeißen, ihn auffressen, ich könnte … Die Hundetrainerin erklärte mir, dass ich das nicht dürfe. Also nicht nur wegen der Verletzungsgefahr, sondern, weil es für den Hund wichtig sei, dass ich eine Führungsrolle besetze.

Ereigniss2Luna veränderte auch mein Schreiben, denn als meine Muse schenkte sie mir die Idee zu einer Hundekrimiserie. Der Buchhund ist schwarz wie sie und heißt Flipper, sein Frauchen, das niemals so angesprochen werden will, Franza. Sie ist die Chefin. Luna und ich streiften durch das Fünfseenland, und ich erzählte ihr, was im nächsten Kapitel passieren würde. Manchmal blieb sie stehen und schaute mich an mit diesem besonderen Blick, der auch heißen könnte, dass sie das doch alles längst wusste. Sie hatte es schließlich erfunden und über Nacht in meinen Schlaf implementiert.

Nein, ich halte nichts davon, Menschengefühle auf Hunde zu übertragen. Aber ich halte etwas davon, Hundegefühle auf Menschen zu übertragen. …

Misslomax3Vor drei Jahren wurde Luna von einer Schlange gebissen. Die Tierklinik riet zum Einschläfern. Ich war völlig fassungslos. Leben ohne Luna! Das ging nicht! Sie gehörte doch zu mir. Und das alles war so plötzlich gekommen. Doch Luna war eine Kämpferin und schaffte es … als ich sie aus dieser Klinik herausholte. Sie schaute mir in die Augen, wedelte, obwohl sie praktisch keine roten Blutkörperchen mehr hatte, und dann ging es ihr Minute um Minute besser. Weil ich sie heimgeholt hatte. Ich kaufte dicke Steaks und schnitt sie in kleine Stücke, die sie mir zart aus der Hand nahm, oft heulte ich dabei, und es war so schön und so nah und so tief. Wenn ich mich daran erinnere, bekomme ich feuchte Augen.

Das alles geschah vor drei Jahren, Ende August 2012.

Luna lebte dann noch ein Jahr. Sie wurde 13. Unsere letzten Monate gehören zur schönsten Zeit meines Lebens. Es war so innig, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als ein Buch über unsere Begegnung zu schreiben. Ich schrieb nachts und am Wochenende, denn ich musste eigentlich andere Bücher verfassen, Auftragsarbeiten. Doch ohne dieses Buch wäre ich verloren gewesen.

Luna Buch CoverIch musste unsere Liebesgeschichte aufschreiben, damit ich sie loslassen konnte. Und als Luna starb, in meinen Armen, ohne Schmerzen, war es ein Trost für mich, dass ich sie ein bisschen unsterblich gemacht habe.

Wobei sie in mir immer lebendig sein wird. So lange ich atme. Die Liebe zu diesem Hund hat mich unendlich viel gelehrt. Und ich durfte sie weitergeben, weiterwachsen lassen zu Lunas Nachfolgerin, Miss Lomax. Genauso schwarz, genauso hungrig … aber doch ein ganz anderer „Mensch“. Mit ihr habe ich neulich den vierten Teil meiner Hundekrimis geschrieben, sie führt nun Lunas Hundeblog. Und wenn ich an unseren Abschied denke, der irgendwann kommen muss, wenn nicht ich vorher den Napf abgebe, dann weiß ich:

1Wenn ich meinem Hund von Herz zu Herz begegne und mit ihr im Jetzt bin. Dann wird es ein leichter Abschied sein, weil die Liebe keine Grenzen kennt und alles verbindet, auch Zwei- und Vierbeiner.

(Alle Rechte am Text und an den Fotos liegen bei der Autorin Michaela Seul)

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Vielen lieben Dank an Michaela und ihren beiden Mädels für diese schönen und berührenden Worte!

Morgen beantwortet für uns Marie Nitzschner die Frage, ob Hunde uns Menschen genau so lieben wie wir sie. Sie ist Verhaltensbiologin und betreibt als Bloggerin ihr eigenes Hundeblog Hundeprofil sowie das Blog Hundekunde der NZZ (Neue Züricher Zeitung). … Euch erwartet ein sehr interessanter Artikel aus wissenschaftlicher Sicht!

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(Dieser Text wurde vor dem Umzug zur Domain ‘fabelschmiede.org’ fb 131  mal geteilt!)

5 Gedanken zu “Die Liebe zum Hund – von Michaela Seul

  1. Puh, das sitzt, das sitzt tief

    Ich habe meinen Spike erst seit 2 Jahren und ich kannte ihn schon lange vorher, viele Jahre.
    Ich hatte nie eine Bindung zu ihm aufgebaut, nie daran gedacht ihn in mein Leben zu lassen.
    Dann kam der Tag an dem er aus der Familie musste, weil der kleine Familienzuwachs zu anstrengend für ihn war und er rüpelig wurde.
    Ich entschloss mich ihn zu nehmen, weil er mir einfach leid tat, nach 11 Jahren bei seiner Besitzerin in total fremde Hände zu kommen. Noch immer wollte ich eigentlich keinen Hund, fühlte mich zu sehr angebunden und dann…..

    Ich habe mich verliebt, ich sehe ihm beim schlafen zu und wie er seine Nase am Boden den Spuren folgt, die irgendjemand hinterlassen hat. Ich spüre sein Fell, ich sehe seine treuen, braunen Augen und es schauert mich, vor lauter Liebe und Stolz, dass er bei mir ist.

    Ich weiß, irgendwann kommt der Tag, an dem ich Abschied nehmen muss und es wird weh tun, unendlich….

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